| 23:31 Uhr

Konzert von Thirty Seconds to Mars
Die Ein-Mann-Show des Ober-Marsianers

Jared Leto gibt mit Thirty Seconds to Mars in der Rockhal Luxemburg alles.
Jared Leto gibt mit Thirty Seconds to Mars in der Rockhal Luxemburg alles. FOTO: Eric Kolling
Esch-sur-Alzette. Beim Luxemburger Konzert von „Thirty Seconds to Mars“ liegt der Fokus auf Sänger und Schauspieler Jared Leto. 5800 Fans sind aus dem Häuschen. Von Eric Kolling

Ein Kinderspiel. Mehr ist es für die beiden „Marsianer“ nicht, sich die Sympathien des teils Fahnenschwenkenden Luxemburger Rockhal-Publikums zu sichern. Da braucht es nur Frontmann Jared Leto, der sich so etwas wie ein Leintuch überwirft und auf der ansonsten kahlen Bühne singend umherspaziert, sich mal hinsetzt, Pirouetten dreht oder den rechten Arm in die Höhe reckt. Und seinen Bruder Shannon, der es auf der kleinen Schlagzeuginsel auf der Bühne krachen lässt. Der langjährige Bassist Tomislav Miličević hat „Thirty Seconds to Mars“ diesen Sommer verlassen.

Es ist am Donnerstag ein Konzert der anderen Art, das die Stadionrocker aus Los Angeles im zwanzigsten Jahr ihres Bestehens vor 5800 Fans in der ausverkauften Halle geben. Vor allem fehlt die klassische Zugabe, das inszenierte von der Bühne gehen und umjubelt für ohnehin geplante Lieder zurückkommen. Und über die Riesen-Leinwand flimmern weder vorproduzierte Kunstfilmchen noch die Live-Aufnahmen, die ein Mann mit Steady-Cam auf der Bühne vermutlich anfertigt. Alles ist auf Hollywood-Beau Jared ausgerichtet. Immerhin: Das Konfetti und die Dampfkanonen am Ende und die Riesenballons am Anfang sind etwas, was man bei einer Band mit millionenfach verkauften Alben erwarten würde.

Das musikalische Motto ist offenbar „Beginne mit dem Höhepunkt und steigere dich dann“. Auf „Up in the Air“ folgen so „Kings and Queens“ und „This Is War“. Später kommt „City of Angels“ in der 17-Song-Setlist. Eine durchgängige Rockparty ohne Durchhänger. Der 46-Jährige singt energisch und stimmgewaltig rockige Riffs, und mit dem neuen Album „America“ Oberhand gewinnende Synthie-Sounds sind hervorragend klar. Auch wenn manches vom Band zu kommen scheint. Für einen ruhigen Moment sorgt Shannon Leto, als er bei „Remedy“ sein Gesangstalent unter Beweis stellt.



Dass Bruder Jared dann vom Übers-Wasser-Gehen („Walk on Water“) singt, passt zu seinem gepflegten Jesus-Look. Anders als vor vier Jahren beim Luxemburger Festival Rock-a-field verzichtet er diesmal aber auf die Krone. Alles in allem toppt der Oscargewinner (in „Dallas Buyers Club“) und „Joker“-Darsteller in „Suicide Squad“ das damals schon starke Konzert noch ein gutes Stück.

Wie üblich fordert er immer wieder Zuschauer auf, die Bühne zu betreten, mitzutanzen und zu singen. Beim letzten Song „Closer to the Edge“ sieht man nur noch eine pulsierende Masse hinter Leto. Von oben wirkt das wie ein gigantisches Wimmelbild. Dass die Feierei mit den Marsianern nach 80 Minuten schon vorbei ist, scheint dabei niemanden zu stören.

Jared Leto begeisterte in der Rockhal Luxemburg.
Jared Leto begeisterte in der Rockhal Luxemburg. FOTO: Eric Kolling