| 22:51 Uhr

Mainz
Initiative will größere Zeitfenster für Familien öffnen

Mainz. Die Mainzer Familienministerin Anne Spiegel lädt Kommunen ein, „Konzepte zur Zeitpolitik“ zu entwickeln. Ein Wettbewerb steht am Anfang.

Mit konkreten Schritten vor Ort soll Familien mehr Zeit miteinander gegeben werden: Dieses Ziel hat die rheinland-pfälzische Familienministerin Anne Spiegel (Grüne) gestern zum Start einer neuen Initiative genannt, die von den Öffnungszeiten für kommunale Dienste bis hin zu Arbeitszeitmodellen mit mehr Home-Office und Gleitzeit reicht. Das rheinland-pfälzische Familienministerium richtete dazu auch eine neue Webseite mit einem Überblick zu allen Familienangeboten im Land ein.

Besser als eine Ratgeber-Webseite wäre eine Familien-App gewesen, kritisierte die familienpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Simone Huth-Haage. Damit könnten alle Angebote und Informationen von Bund, Land und freien Trägern gebündelt und passgenau gefiltert werden. Eine familiengerechte Zeitpolitik sei ein wichtiges Thema. Die Landesregierung agiere in diesen Fragen aber „ambitionslos und verzagt“.

Manche Ideen könnten schnell umgesetzt worden, andere seien „ein dickes Brett“, sagte Spiegel. Erster Schritt des Projekts „Familie - ein starkes Stück“ ist ein Wettbewerb für Kommunen, die sich mit „Konzepten zur Zeitpolitik“ für Prämien von jeweils bis zu 15 000 Euro bewerben können. Dafür werden insgesamt 150 000 Euro bereitgestellt. Weitere Schritte sollen folgen.



Als Beispiel für konkrete Ideen nannte Spiegel ein Jugend-Taxi, das heranwachsende Kinder von Veranstaltungen am Abend nach Hause bringt – „damit Eltern nicht nachts aus den Federn müssen und sie irgendwo abholen müssen“. Die Initiative stützt sich auf ein vom Ministerium in Auftrag gegebenes Gutachten des Prognos-Instituts, wonach „Eltern mit minderjährigen Kindern zeitlich so stark gefordert (sind) wie keine andere vergleichbare Bevölkerungsgruppe“.

Der Familienbegriff werde bewusst weit gefasst, sagte Spiegel. „Familie ist überall da, wo Menschen verbindlich Verantwortung füreinander übernehmen.“

Für den morgigen Mittwoch hat das Ministerium Bürgermeister und Landräte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. In den Kommunen müssten die Fäden für konkrete Projekte zusammenlaufen, sagte Spiegel und regte die Einrichtung von „Zeitlotsen“ an. Ebenso gefordert seien Arztpraxen oder Unternehmen. Bei familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen wolle das Land mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass es funktionieren könne.

(dpa)