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Stadtrat Homburg
Diskussion um Waldruhestätte hält an

Homburg. Die geplante Waldruhestätte könnte möglicherweise doch noch an einer anderen Stelle als an der Waldbühne am Rabenhorst entstehen. Das ergibt sich aus dem aktuellen Beschluss des Stadtrats. Allerdings könnte dies die Umsetzung auch verzögern.

Es soll in Homburg eine Waldruhestätte geben, nur wo diese sich am Ende befinden wird, bleibt auch nach der Stadtratssitzung am Mittwochabend unklar. Der Standort Waldbühne ist noch nicht vom Tisch, ob eine andere Stelle möglich ist, hängt von diversen Faktoren und Gesprächen mit dem Umweltministerium ab. Auf jeden Fall hatte das Thema für Diskussionen, zunehmende Verwirrung und für ein gewisses Zuschauerinteresse gesorgt.

Dabei liegen die ersten Schritte für eine solche Waldruhestätte als alternative Form der Urnenbestattung schon ein paar Jahre zurück. Bereits 2015 hatte der Rat beschlossen, dass dies auch in Homburg möglich sein soll. Dafür wurde eigens eine Gesellschaft gegründet, die diese errichten und betreiben soll. Jetzt, knapp fünf Jahre später, ist man so weit, dass die Pläne umgesetzt werden könnten. Mittlerweile sei, wie Bürgermeister Michael Forster deutlich machte, eigentlich alles festgezurrt. Es müsse nur noch die Gebührensatzung genehmigt werden – das muss laut Stadt im Rat geschehen –, „dann könnte man hier loslegen“. Allerdings gab es zuletzt Ärger – nicht um die Bestattungsform an sich, sondern um den Standort: die ehemalige Waldbühne am Rabenhorst. Bekanntlich engagieren sich dagegen Anwohner und bei einer Infoveranstaltung der Stadt im November hatten sich etliche Kritiker zu Wort gemeldet (wir berichteten).

Die Waldbühne war eigentlich auch nicht der Wunschplatz Nummer eins. Zwei Standorte kamen in die engere Wahl. Und der davon zunächst favorisierte Platz, ein Waldstück am Hauptfriedhof, war nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Saarforst ausgeschieden, so hatte es die Stadt erläutert. Beide Standorte, so erklärte es Bürgermeister Forster, seien in den entsprechenden Ausschüssen vorgestellt worden – auch die Waldbühne, die allerdings nur Priorität zwei hatte. Angesichts der Kritik am Standort, habe er nun aktuell Gespräche mit dem Umweltministerium geführt. Dieses habe signalisiert, dass es bereit sei, nochmals über die Fläche zu diskutieren. Was ihm wichtig ist: „Die Verwaltung hat einen Auftrag ausgeführt, den uns der Rat gegeben hat.“



 Der Standort der Waldbühne am Rabenhorst für eine Waldruhestätte wird von Anwohnern kritisch gesehen. Früher fanden hier beispielsweise Open-Air-Kinovorführungen statt.
Der Standort der Waldbühne am Rabenhorst für eine Waldruhestätte wird von Anwohnern kritisch gesehen. Früher fanden hier beispielsweise Open-Air-Kinovorführungen statt. FOTO: Thorsten Wolf

Dass dieses Thema jetzt wieder im Stadtrat behandelt wurde, lag an einem Antrag der Grünen, die darin eine weitere Stelle als Alternative ins Gespräch brachten: den Ehrenfriedhof, gelegen auf dem Gelände des Hauptfriedhofs. Angeschlossen hatten sich dem Antrag die Linken.

Forster machte noch einmal deutlich, dass es, sollte man die bisherigen Entschlüsse aufheben, keine ganz so einfache Sache werden dürfte. Denn als der Rat im Sommer 2015 die Waldruhestätte grundlegend beschlossen hatte, ging es zwar auch, aber eben nicht nur darum, diese Möglichkeit der letzten Ruhe auch in Homburg anbieten zu können. Es war zudem im Rahmen der Haushaltskonsolidierung zu sehen. Denn, so hatte es die Stadt damals erläutert: Während bei einer „Waldbestattung“ die Möglichkeit besteht, dass von einer Gesellschaft sogar Gewinne erwirtschaftet werden, sieht das bei einer normalen Bestattung anders aus. Da es die Maßgabe des Landesverwaltungsamtes gab, dass ein Kostendeckungsgrad von zwei Dritteln erzielt werden soll, hoffte man mit der Waldbestattung, indirekt zum Sparen beizutragen.

Marc Piazolo (Grüne) dankte der Verwaltung dann auch ausdrücklich dafür, dass sie die Planungen so weit vorangetrieben habe. Er stellte die Vorteile der Stelle vor, die seine Fraktion als Alternative vorschlägt: Es gehe um ein Waldstück auf dem Hauptfriedhof, ursprünglich als Heldenfriedhof gedacht, das auch einen separaten Eingang besitze. So könne man sich die Option, die Waldbühne irgendwann noch einmal als Bühne zu nutzen, erhalten. Dies sei die sinnvollste Lösung. Angesichts der Gespräche Forsters mit dem Umweltministerium schlug er vor, diese parallel weiterzuführen, um möglicherweise doch die zuerst bevorzugte Fläche neben dem Friedhof möglich zu machen. Barbara Spaniol (Linke) unterstrich, dass der Auslöser für ihren Antrag ein Bürgeranliegen gewesen sei, das es zu berücksichtigen gelte.

Forster verwies darauf, dass eine solche Ruhestätte auf einem Friedhof nicht dasselbe sei wie eine echte Waldruhestätte. Hier handele es sich vielmehr um eine Baumbestattung.

Michael Rippel (CDU) hob ebenfalls hervor, dass ein Gelände auf einem Friedhof eben keine klassische Waldruhestätte sei. Man sei an den ursprünglichen Beschluss ein Stück weit gebunden. Nun lägen beim Standort Waldbühne die Genehmigungen vor, lediglich eine fehle. Es könnte zeitnah losgehen. Er sehe nicht, dass die Kulturstätte Waldbühne in absehbarer Zeit nochmals in Betrieb gehen könnte.

Wilfried Bohn (SPD) betonte, es sei falsch, alles zurückzudrehen. Er verwies zudem darauf, dass die Waldbühne deswegen geschlossen sei, weil man schon 2014 errechnet habe, dass ein deutlich sechsstelliger Betrag nötig sei, um diese nochmals zu ertüchtigen. Ein weiterer Nachteil der Bühne: um 22 Uhr müsse Schluss ein. Jörg Kühn (FDP) sagte, dass er keine wirklich neuen Argumente gehört habe. Der jetzige Beschluss solle fortgeführt werden.

Als es an die Abstimmung ging, erwies es sich einigermaßen schwierig zu vermitteln, über was genau man nun eigentlich befinden sollte. Der ursprüngliche Antrag der Grünen wurde modifiziert, fand mit 26 Ja-, 13 Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen eine Mehrheit. Für die Verwaltung bedeutet dies nun ein mehrgleisiges Vorgehen. Zum einen wird ausgelotet, was auf dem einst favorisierten Gelände am Friedhof noch geht. Zum anderen bleibt die von den Grünen vorgeschlagene Option: das Gelände auf dem Friedhof. Allerdings wäre dies dann keine Waldruhestätte, sondern die Möglichkeit zur Baumbestattung.

 Alternative Bestattungsformen sind im Gespräch. In Homburg will man Urnenbestattungen in einem Waldstück ermöglichen. Allerdings wird um den Standort so einer Waldruhestätte gerungen.
Alternative Bestattungsformen sind im Gespräch. In Homburg will man Urnenbestattungen in einem Waldstück ermöglichen. Allerdings wird um den Standort so einer Waldruhestätte gerungen. FOTO: dpa / Nicolas Armer