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Ford
Ford-Werk Saarlouis schließt wegen Corona

Saarlouis/Köln. Ab Donnerstag stehen die Bänder still. Der Betriebsrat des Autobauers hofft auf eine Wiederaufnahme der Produktion am 20. April. Von Thomas Sponticcia

Die Verunsicherung ist inzwischen riesig. Nach und nach legt das Corona-Virus nahezu alle Bereiche der Wirtschaft lahm. Und erreicht jetzt auch massiv das Saarland, bedroht die Hauptstützen der Saar-Wirtschaft mit der Auto- und Stahlindustrie.

Am Dienstag musste nun Ford in Saarlouis die Notbremse ziehen. Ab Donnerstag steht die komplette Produktion still. Keiner kann sagen, für wie lange. Während ein Ford-Sprecher gegenüber unserer Zeitung von „bis auf Weiteres“ spricht, hofft Ford-Betriebsratschef Markus Thal noch darauf, dass die Produktion bereits am 20. April wieder aufgenommen werden kann. Doch die Nachrichten überschlagen sich nahezu stündlich. Als erster Schritt wollen sich Betriebsrat und Unternehmensleitung heute auf eine umfangreiche Betriebsvereinbarung verständigen, die auch die Vereinbarung von Kurzarbeit vorsieht. Zudem werden am Donnerstag und Freitag zwei Tage Urlaub vorgezogen.

Die Kurzarbeiter-Regelung sieht nach Angaben von Thal in der Regel 60 Prozent vom Netto-Einkommen vor, für Familien mit Kind 67 Prozent. In der Vergangenheit habe das Unternehmen im Fall von Kurzarbeit, was zuletzt 2013 der Fall war, dieses Kurzarbeitergeld jedoch auch immer weiter aufgestockt. Eine Einigung vorausgesetzt, wovon Thal ausgeht, wird das Kurzarbeitergeld dann vom Unternehmen bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) beantragt.



Vorrang müsse jetzt der Schutz aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, betonen Unternehmensleitung und Betriebsrat. Als erste Maßnahme im Kampf gegen das Corona-Virus hatte Ford-Saarlouis bereits seine rund 800 Mitarbeiter aus der Region Grand Est nach Hause geschickt, die bereits als Corona-Krisengebiet eingestuft ist. Auch für 200 Mitarbeiter, die Kinder betreuen, wurden flexible Regelungen gefunden, da eine solche Betreuung auf dem Werksgelände nicht möglich sei. „Wir können keine Kinder auf das Werksgelände lassen“, sagt Thal.

Wenig Verständnis zeigt der Betriebsratschef dafür, dass Autohäuser derzeit keine Fahrzeuge mehr verkaufen dürften. Auch das sei ein Grund dafür, das nach und nach die Autohersteller ihre Werke schließen. „Die Leute kaufen im Moment mehr Nudeln und Klopapier statt Autos“, stellt Thal mit Verbitterung fest. Die Folgen des Corona-Virus träfen große wie kleine Unternehmen gleichermaßen. Dennoch geht er davon aus, dass das Corona-Virus durch umsichtiges Verhalten der gesamten Bevölkerung besiegt und dann auch eine Erholung der Wirtschaft herbeigeführt werden könne. „Ich glaube schon, dass die Menschen, wenn das alles vorbei ist, wieder zu ihrem geregelten Leben zurückkehren, wierder Autos kaufen und auch wieder Urlaub machen werden.“

Niemand könne aber sagen, wie lange es bis dahin dauert. Zumal auch die Zulieferbetriebe im zum Werk benachbarten Supplier-Park mit massiven Folgen rechnen müssten. „Aus der Vergangeheit weiß ich: Wenn wir unser Werk schließen, muss in der Regel auch der benachbarte Zulieferer schließen. Wen soll er denn beliefern, wenn der Hauptabnehmer keine Autos mehr baut“, sagt Thal. Die gesamte deutsche Autoindustrie steht still. Niemand weiß wirklich, für wie lange.

 Das Ford-Werk in Saarlouis stellt ab Donnerstag vorübergehend die Produktion ein. Auch der benachbarte Zulieferpark ist betroffen.
Das Ford-Werk in Saarlouis stellt ab Donnerstag vorübergehend die Produktion ein. Auch der benachbarte Zulieferpark ist betroffen. FOTO: rup / Rolf Ruppenthal 66787 Wadgasse