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Fußball-Bundesliga
Hundebiss, Nebel und ein 4:4

Der 12. Mai 2007. Es ist eines dieser legendären Revierderbys. Mit einem 2:0-Sieg verhagelt Borussia Dortmund dem Erzrivalen FC Schalke 04 die deutsche Meisterschaft – ganz nach dem Geschmack der BVB-Fans.
Der 12. Mai 2007. Es ist eines dieser legendären Revierderbys. Mit einem 2:0-Sieg verhagelt Borussia Dortmund dem Erzrivalen FC Schalke 04 die deutsche Meisterschaft – ganz nach dem Geschmack der BVB-Fans. FOTO: A3430 Bernd Thissen / dpa
Gelsenkirchen. Schalke 04 und Dortmund treffen erstmals nach dem sagenhaften Remis aufeinander. Legendär waren viele Duelle.

173 teils legendäre Spiele hat es zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 seit 1925 gegeben, 90 davon in der Bundesliga seit 1963. Die Bilanz spricht für die Königsblauen: 67 Siegen stehen 46 Unentschieden und 60 Niederlagen gegenüber, die Tordifferenz lautet 330:270. In der Bundesliga-Ära spielte niemand mehr Derbys als Schalke-Idol Klaus Fichtel und BVB-Torhüter Roman Weidenfeller (je 24), niemand gewann mehr als der heutige BVB-Sportdirektor Michael Zorc (zehn). Die größten Derby-Momente in der Übersicht.

Das erste Derby: 3. Mai 1925: Schalke 04 – Borussia Dortmund 4:2. Die Geburtsstunde des Schalker Kreisels in der Ruhrgaumeisterschaft der Kreisligen. „Kurz und flach wandert der Ball von Mann zu Mann“, schreibt der Dortmunder Generalanzeiger über das Spiel der Schalker in Herne. Ernst Kuzorra, 19 Jahre alt, trifft doppelt. Von diesem Moment an ist er eine Schalker Legende.



Der höchste Sieg: 20. Oktober 1940: Schalke 04 – Borussia Dortmund 10:0. Keines der 173 Derbys ist einseitiger als jenes im Zweiten Weltkrieg in der Gauliga Westfalen. Wieder ist Ernst Kuzorra der Held, diesmal erzielt er vier Tore in der ersten Halbzeit. Nur 3000 Zuschauer sehen das Spiel in der Glück­auf-Kampfbahn.

Das erste Bundesliga-Derby: 7. September 1963: Schalke 04 – Borussia Dortmund 3:1. Reinhold Wosab erzielt in der sechsten Minute das erste Derby-Tor in der Bundesliga für den anfangs überlegenen BVB. Dann aber bricht Dortmund ein, Schalke trifft vor 38 000 Zuschauern dreimal innerhalb von 14 Minuten. Im Rückspiel revanchiert sich der BVB mit einem 3:0, die Schalker bleiben erstmals in einem Bundesliga-Spiel torlos.

Das Nebel-Derby: 12. November 1966, Borussia Dortmund – Schalke 04 6:2. Im Dortmunder Stadion Rote Erde sehen selbst die Spieler kaum die Hand vor Augen, die Bedingungen sind vollkommen irregulär. „Wir mussten uns gegenseitig über den Spielstand informieren“, sagt Schalkes Klaus Fichtel. Die Antwort ist ernüchternd: Die Königsblauen verlieren 2:6, drei Tore erzielt Lothar Emmerich. Der sagt später: „Wenn wir etwas gesehen hätten, hätten wir noch höher gewonnen.“

Der Hundebiss: 6. September 1969: Borussia Dortmund – Schalke 04 1:1. Friedel Rausch liegt bäuchlings auf dem Rasen, das Hinterteil entblößt, einige Männer sitzen und stehen recht ratlos drumherum. „Die Narbe ist ein Andenken für immer“, berichtete Rausch, der am 18. November mit 77 verstarb. Schäferhund Rex hatte herzhaft zugebissen, als Hunderte Schalker im Jubel über das 1:0 durch Hansi Pirkner den Platz stürmten. Das Foto ist eine Ikone der Bundesliga.

Lehmanns Tor: 19. Dezember 1997: Borussia Dortmund – Schalke 04 2:2. Es ist ein Eckball, den es nicht hätte geben dürfen, aber das interessiert nachher fast niemanden – außer den BVB-Präsidenten Gerd Niebaum, der den jungen Linienrichter Dirk Margenberg als „Weihnachtsmann“ beschimpft. Margenberg eröffnet mit seiner Fehlentscheidung die Chance zu einem der größten Derby-Momente: Der mit nach vorne gestürmte Schalke-Torhüter Jens Lehmann trifft in der Nachspielzeit per Kopf zum 2:2-Ausgleich. Es ist das erste Tor eines Torhüters in der Bundesliga aus dem Spiel heraus. Lehmann wechselt später von den Königsblauen zum BVB.

Möllers Rückkehr: 23. September 2000: Borussia Dortmund – Schalke 04 0:4. Es ist die Rückkehr des Verräters. Andreas Möller ist im Sommer vom BVB zu Schalke 04 gewechselt, was für beide Seiten ein Unding war. Die Anfeindungen sind nicht zitabel. Dann jener 23. September: Möller macht ein Riesenspiel, mit nacktem Oberkörper feiert er vor der Schalker Kurve. Die Fans singen: „Ohne Möller habt ihr keine Chance!“

Die verspielte Meisterschaft: 12. Mai 2007: Borussia Dortmund – Schalke 04 2:0. Der süßeste Derby-Sieg. Der BVB hat eine schlimme Saison hinter sich, er wird es nicht in den Europapokal schaffen, doch ein Ziel bleibt: Schalke die Meisterschaft versauen! Das Stadion kocht beim Einlaufen der Mannschaften, auf einem schwarz-gelben Transparent steht: „Nur gucken, nicht anfassen!“ Und tatsächlich: Der Tabellenführer stolpert, Alex Frei und Ebi Smolarek treffen für Dortmund. „Gejammert wird erst, wenn alles vorbei ist“, sagt Fabian Ernst noch kämpferisch. Das ist es eine Woche später – Meister wird der VfB Stuttgart.

Das unglaublichste Derby: 25. November 2017: Borussia Dortmund – Schalke 04 4:4. Schalke liegt am Boden. 0:4 steht es nach 25 Minuten, der BVB zelebriert Offensivfußball allererster Sahne. Schalke-Trainer Domenico Tedesco sagt seiner Elf in der Pause, er wolle nur noch die zweite Halbzeit gewinnen. Der BVB träumt von einer historischen Demütigung des Rivalen. Doch er bricht nach dem Gegentor in der 61. Minute zusammen. Und Naldo köpft in der Nachspielzeit das 4:4 und krönt das größte Comeback der Derby-Geschichte. Anschließend gibt es eine Massenkeilerei.