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Berufsausbildung
Hier steckt der Teufel im Detail

Sascha Heinricht (rechts) hält als angehender Produktprüfer Textil Rücksprache mit seinem Ausbilder Hartwig Kaiser, denn vier Augen sehen mehr als zwei. Die beiden kontrollieren das Gewebe eines Teppichbodens.
Sascha Heinricht (rechts) hält als angehender Produktprüfer Textil Rücksprache mit seinem Ausbilder Hartwig Kaiser, denn vier Augen sehen mehr als zwei. Die beiden kontrollieren das Gewebe eines Teppichbodens. FOTO: dpa-tmn / Henning Kaiser
Düren/Berlin. Produktprüfer Textil untersuchen Waren wie Teppichböden oder Nylonstrümpfe beim Hersteller auf mögliche Mängel und beheben sie. Dafür benötigen sie ein gutes Auge und eine schnelle Auffassungsgabe.

() Ein kleines Knötchen ragt aus dem ebenmäßigen, dunklen Gewebe. Mit dem bloßen Auge ist das zunächst kaum zu erkennen. Azubi Sascha Heinricht muss genau hinsehen, um es zu entdecken. Dann kann er die betroffene Stelle kennzeichnen und zu Nadel, Faden oder Pinzette greifen, um die Unebenheiten mit Bedacht auszubessern.

Der 20-Jährige absolviert eine Ausbildung als Produktprüfer Textil bei der Anker Gebr. Schoeller GmbH und Co. KG. Der Teppichbodenhersteller hat seinen Sitz in Düren. Heinricht kontrolliert hier tagtäglich, ob die in der Produktionshalle gefertigten Teppichboden-Rollen Mängel aufweisen.

Produktprüfer arbeiten auch bei Bekleidungsherstellern oder in Betrieben, die technische Textilien wie Verbandsmaterial, Markisen und Sicherheitsgurte herstellen. „Auch in Webereien, Stickereien und Wirkereien gibt es Produktprüfer“, sagt Maria Rost vom Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie. Wer sich für den Beruf interessiert, sollte eine gute Beobachtungsgabe und Konzentrationsfähigkeit sowie ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Außerdem ist handwerkliches Geschick gefragt. „Von Vorteil sind eine Ader für filigrane Arbeit und eine rasche Auffassungsgabe“, erklärt Rost. Eine bestimmte Schulbildung ist nicht vorgeschrieben. „Die Unternehmen erwarten aber einen ordentlichen Schulabschluss und motivierte Bewerber mit Interesse am Umgang mit textilem Material“.



Im Jahr 2017 waren nach Verbandsangaben deutschlandweit nur 17 junge Menschen in der Ausbildung zum Produktprüfer Textil. Nachwuchs wird gesucht, insgesamt gibt es aber vergleichsweise wenige Betriebe, die solche Fachleute beschäftigen. Darin sieht Heinricht einen Nachteil seines Berufs. „Es gibt nur wenige Möglichkeiten, wenn man seinen Arbeitgeber wechseln will“, sagt er.

Doch die vielseitigen Tätigkeiten des Berufsbildes gefallen dem Azubi. Je nach Mangel entfernt er Verunreinigungen, gleicht Farbunterschiede aus oder stopft kleine Löcher im Gewebe. Makel im Muster korrigiert Heinricht mit Nadel und Faden. Mit einem Fadenzähler kann er die Dichte des Materials kontrollieren.

In der Berufsschule lernen die Auszubildenden die verschiedenen Textilien sowie Faser- und Fadenstoffe kennen und erfahren, wie man die Qualität der Materialien beurteilt. Fächer wie textiles Gestalten ergänzen den Stundenplan. Im Betrieb bekommen die Auszubildenden vermittelt, wie sie Produkte anhand von Mustervorlagen bewerten und wie sie möglichen Mängeln auf die Spur kommen.

Wer sich für den Beruf entscheidet, muss sich nach der Ausbildung auf Schichtdienst einstellen. Gelegentlich falle auch Wochenendarbeit an, sagt Henricht. Wer sich weiterbilden will, kann zum Team- oder Gruppenleiter aufsteigen. Interessierte können auch einen berufsbegleitenden Lehrgang zum Industriemeister Textilwirtschaft absolvieren oder staatlich geprüfter Textiltechniker werden. Wo Heinricht beruflich eines Tages hin will, weiß er noch nicht. „Erst einmal möchte ich meine Ausbildung beenden“, sagt er.

(dpa)