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Herzwoche
Riesiges Interesse am Herzseminar

Viele Informationen zum Vorhofflimmern bekamen interessierte Zuhörer am Montagabend von Medizinern beim Herzseminar im Rathaus.
Viele Informationen zum Vorhofflimmern bekamen interessierte Zuhörer am Montagabend von Medizinern beim Herzseminar im Rathaus. FOTO: picture alliance / dpa / Soeren Stache
Homburg. Das Thema „Vorhofflimmern“ wurde beim Seminar im Rahmen der Herzwochen in Homburg aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Organisiert wurde dies von der Herzstiftung und dem Universitätsklinikum. Von Thorsten Wolf

„Mir schlägt das Herz bis zum Hals“ ist nur eine von vielen Redewendungen, die sich mit dem Thema Herzschlag befassen. Und schon hier kann man dem Volksmund ablesen, dass ein bewusst wahrnehmbarer Herzschlag nicht wirklich immer einer schöne Sache ist. Viel lieber ist es uns, wenn der wichtigste Muskel im Körper seinen Dienst lautlos und beständig versieht. Doch was tun, wenn der Herzschlag nicht nur deutlich wahrnehmbar, sondern auch noch aus dem Rhythmus ist?

Mit dieser Frage befasste sich am Montagabend unter dem Titel „Herz außer Takt – Vorhofflimmern, Erkennung und Behandlung“ das jährliche Herzseminar für Patienten, Angehörige und Interessierte als Teil der bundesweiten Herzwochen. Organisiert und durchgeführt von der deutschen Herzstiftung und dem Universitätsklinikum der Universität des Saarlandes (UKS) bewies dieses Seminar auch in diesem Jahr wieder, dass es die publikumswirksamste Veranstaltung im Homburger Forum im ganzen Jahr ist: Schon kurz vor Beginn um 17 Uhr war im Sitzungssaal des parlamentarischen Traktes kaum noch ein Platz zu finden.

Das bewies ohne Zweifel, dass die Informationen, die Professor Michael Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III am UKS, in jedem Jahr zusammen mit seinem Team gibt, wirklich in der Bevölkerung nachgefragt sind. Diesmal beleuchteten die unterschiedlichen Fachvorträge das Thema „Vorhofflimmern“, also eine Herzrhythmusstörung, aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.



All den folgenden Informationen stellte Michael Böhm in seiner Einleitung Grundsätzliches voran. „Ich darf Sie heute zu einem Thema begrüßen, das besonders wichtig ist“, so Böhm in Richtung des vollbesetzten Sitzungssaales, „das besonders ernst werden kann, das aber auch gut zu managen ist. Wir reden heute vom Herzrasen, vom Herz außer Takt, von den extra Schlägen – von allem, was mit dem Herzen so zu tun hat.“ Wie die Betroffenen die Symptome dabei wahrnehmen, sei abhängig von deren Heftigkeit und der jeweiligen Empfindlichkeit des Patienten selbst. Böhm: „Da gibt es eine große Variabilität. Und dem entsprechend ist dieses Thema sowohl für Betroffenen als auch für Ärzte schwierig.“ Grundsätzlich bringe ein Vorhofflimmern niemandem um, so Böhm, „es sei denn, man nimmt seine Medikamente nicht. Und dazu zählen die Blutverdünner“.

Das Programm des diesjährigen Herzseminars, verdeutlichte der Klinikdirektor, sei vor dem Hintergrund entstanden, alles Wichtige zu diesem Thema zusammenzufassen, „damit man es einerseits ernst nimmt, andererseits aber nicht zu verängstigt ist“.

Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind als Schirm- und Hausherr des Herzseminars hatte für die Organisatoren von Klinik und Herzstiftung in seinem Grußwort eine Botschaft, die bei allen Verantwortlichen themengerecht für einen ruhigen Puls sorgte. „Ich kann schon jetzt zusichern: Sie bekommen auch in den nächsten Jahren diesen Raum.“ Denn, so Schneidewind weiter: „Das Herzseminar ist eindeutig die am besten besuchte Veranstaltung im Jahr in diesem Saal.“

Nach der Eröffnung durch Michael Böhm und Rüdiger Schneidewind ging es dann los mit dem ersten Fachvortrag. Christian Ukena legte mit seinem Referat die Grundlagen für den weiteren Abend. Dabei erklärte er anschaulich, was Herzrhythmusstörungen eigentlich sind, wie sie entstehen und um was es sich beim besagten Vorhofflimmern tatsächlich handelt. Dass man den eigenen Herzschlag, die so genannte Palpitation, bewusst wahrnehme, sei durchaus eine häufige Beschwerde, „die jeder Mensch einmal in bestimmten Situationen hat“. Dabei hätten, wie Ukena weiter erläuterte, die Ausprägungen (von Herzrasen über Herzflattern bis hin zum unangenehm wahrgenommen, deutlichen Herzschlag) durchaus den Charakter eines Janus-Kopfes, wisse man doch nicht, ob ein solcher Vorfall gut- oder bösartig sei. Doch um feststellen zu können, was nicht normal sei, müsse man erst erkennen, was normal sei, erklärte Ukena. An dieser Stelle erläuterte der Mediziner dann einleitend die grundlegende Funktion des Herzens, vom Aufbau bis zum Vorgang des Herzschlags als Kontraktion des Herzmuskels.

Von diesen Grundlagen aus spannte sich dann in der Folge der Bogen hin zu weiteren Aspekten des Themas, so zu den Vorsichtsmaßnahmen bei Vorhofflimmern (Dr. Valerie Pavlicek) und modernen Behandlungsmethoden (Dr. Amjad Razouk) bis hin zur Frage nach Gerinnungshemmern und alternativen Therapien (Dr. Dominic Millenar).

Professor Michael Böhm konnte sich über einen Rekordzuspruch für das Herzseminar freuen.
Professor Michael Böhm konnte sich über einen Rekordzuspruch für das Herzseminar freuen. FOTO: Thorsten Wolf