| 22:50 Uhr

Herbstkonzert
Gefühlvolle Musik mit vielen Saiten

Zupforchester im Doppelpack: Das Essinger und das Niederwürzbacher Orchester verzauberten mit ihren Saiteninstrumenten das Publikum.
Zupforchester im Doppelpack: Das Essinger und das Niederwürzbacher Orchester verzauberten mit ihren Saiteninstrumenten das Publikum. FOTO: Cornelia Jung
Niederwürzbach. Das Zupforchester Niederwürzbach lud zum Herbstkonzert auch Pfälzer Gäste ein.

Wer beim Gedanken an ein Zupforchester Musiker mit Zither oder Harfe vor sich sieht, denkt viel zu kurz. Denn gezupft werden können grundsätzlich alle Saiteninstrumente, wie das Zupforchester des Spiel- und Wanderclubs bei seinem Herbstkonzert in der Kirche St. Hubertus wieder einmal bewies. Und mit einem solchen Klangkörper gehen noch viel mehr als nur feengleiche Lieder. Besinnlich, energisch, piano und forte, klassisch und modern – mit diesem Zupforchester erlebten die vielen Zuhörer ein spannendes und gleichermaßen entspanntes Konzert.

Doch den Eingangspart übernahmen nicht die Niederwürzbacher, sondern das Zupforchester aus Essingen bei Landau. Der Kontakt zu diesem Orchester von der südlichen Weinstraße kam durch einen ehemaligen Niederwürzbacher zustande, der nun bei den Pfälzern zupft. Beide Orchester trafen sich zum Kennenlernen und zu einem Probenwochenende. Die Chemie stimmte und so kamen die Vorderpfälzer zu einem Gastspiel in dem saarpfälzischen Ort am Weiher. Drei ihrer Stücke aus dem ersten Teil stammten aus Japan und hatten das Wasser, im weitesten Sinne, zum Thema. Bei „Oriental Rain“ meinte man sich tatsächlich im Regen wiederzufinden und die Intonation von „Aqua Rhythm“ nahm die Konzertbesucher mit auf eine Reise zu Ozeanen und Flüssen, wo Wasser gurgelt, plätschert, fließt und kräftig strömt. All diese Nuancen konnten mit den Instrumenten von Mandoline über Bass, Gitarre bis Kontrabass hervorragend herausgearbeitet werden. Ziel des Zupforchesters Essingen (Leitung: Denise Wambsganß) sei laut eines Musikers, „das Weben eines bunten Klangteppichs für die Ohren, so bunt wie die Natur hier vor Ort derzeit auch für die Augen ist“. Deshalb gab’s zu japanischen Klängen, die die Pfälzer Musiker der Bekanntschaft mit einem Tokioter Orchester verdanken, mit „Unforgettable“ Musik eines estnischen Filmkomponisten sowie mit dem „Mandolin Projekt“ ein Stück des Franzosen David Laheurte. Christine Eckstein-Puhl übernahm das Dirigat nach der Pause für das Niederwürzbacher Zupforchester und stieg mit zwei Stücken klassischer Komponisten ein – einem Auszug aus dem Orchesterquartett von Carl Stamitz, gefolgt von „Letzter Frühling“ von Edvard Grieg.

„Eigentlich wollten wir mit dem Marsch aus ,Adelaide Dances‘ von Stephen Lalor etwas Belebendes zum Konzert beitragen“, so die Leiterin des Orchesters, „doch als ich mich in die Entstehungsgeschichte vertiefte, musste ich erfahren, dass es um einen Vergiftungsfall (der Somerton Man, Anmerk. d. Red.) ging. Aber egal, die Musik ist trotzdem cool.“



Am Ende des kurzweiligen Nachmittags spielten beide Orchester gemeinsam. „Wenn wir doch schon so viele sind, dann sollten wir es auch richtig krachen lassen“, kündigte Christine Eckstein-Puhl Zupfmusik im Doppelpack an.

„Das war das Gefühlvollste, was ich je gehört habe“, sagte ein Besucher beim Gang nach Hause. Wenn der Applaus als Lohn der Musiker gehandelt wird, dann war dieses aus tiefstem Herzen kommende Lob eine Bonuszahlung.