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Fußball
Havertz ist wieder der Mann für das Besondere

 Nach seinem Tor zum 3:0 in Porto jubelt der Leverkusener Kai Havertz (links) gemeinsam mit Teamkollege Moussa Diaby.
Nach seinem Tor zum 3:0 in Porto jubelt der Leverkusener Kai Havertz (links) gemeinsam mit Teamkollege Moussa Diaby. FOTO: AP / Luis Vieira
Leverkusen. Der Jung-Nationalspieler hat sein Formtief endgültig überwunden und führt Leverkusen ins Achtelfinale der Europa League. dpa

Er spielt wieder wie ein 100-Millionen-Mann, doch die erste Krise seiner jungen Karriere wirkt bei Ausnahme-Talent Kai Havertz nach. Nach seiner Gala-Vorstellung mit einem Tor und zwei Vorlagen beim 3:1 (1:0)-Sieg in der Europa League beim FC Porto wollte sich der 20-Jährige von Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen augenscheinlich nicht feiern lassen. Und auch nach dem Spielende am späten Donnerstagabend ließ der von nahezu sämtlichen europäischen Top-Clubs umworbene Nationalspieler durchblicken, was die erste Kritik nach Jahren des Hochjubelns mit ihm gemacht hat.

Genugtuung verspüre er „eigentlich nicht“, versicherte Havertz – und machte doch den gegenteiligen Eindruck. „Ich wusste auch damals, was ich kann“, sagte er: „Es gab damals oft ungerechte Kritiken.“ Diese haben ihn augenscheinlich irritiert, getroffen, vielleicht sogar gekränkt. Doch sie haben ihn scheinbar auch zusätzlich motiviert und mental sehr viel stärker gemacht. „Ich bin ein junger Spieler. Da ist es normal, dass es zu Leistungsschwankungen kommt“, erklärte Havertz, um den unter anderem der FC Liver­pool, Bayern München und der FC Barcelona werben. „Es kann auch in Zukunft sein, dass ich noch mal das eine oder andere schlechte Spiel mache.“ Auf die dann kommende Kritik fühlt er sich nun sehr viel besser vorbereitet: „Nach der Hinrunde weiß ich ja nun, wie sich das anfühlt.“

Im Herbst, auch nach Pfiffen der eigenen Fans, war Havertz nicht das, was er vorher war und nun wieder ist: der Mann fürs Besondere. Der Spieler, der den Unterschied ausmacht. Von Ende September bis Ende Januar blieb er komplett ohne Torbeteiligung. In den neun Spielen des Jahres 2020, von denen Bayer acht gewann, waren es neun. Fünf Treffer und vier direkte Vorlagen. In Porto bereitete Havertz die Führung durch Lucas Alario (11.) und das erste Tor von 32-Millionen-Mann Kerem Demirbay mustergültig vor (51.), dann belohnte er sich selbst mit dem 3:0 (57.). Dass Bayer nach dem souveränen Sieg bei den hoch eingeschätzten Portugiesen nun vielerorts als einer der Titel-Favoriten in der Europa League gilt, liegt nicht zuletzt an Havertz.



Als Held wollte er sich aber nicht behandeln lassen. Bei den Feierlichkeiten hielt er sich zurück. „Wir haben jetzt eine gute Serie. Aber Top-Mannschaften und Top-Spieler zeichnet es aus, dass sie nie zufrieden sind“, sagte er. Und bewies damit auch, wie sehr er in der für ihn schweren Zeit gereift ist. Im am Freitag in Nyon ausgelosten Achtelfinale der Europa League gegen die Glasgow Rangers und in der Bundesliga an diesem Sonntag bei RB Leipzig (15.30 Uhr) soll es so weitergehen.

Der VfL Wolfsburg trifft nach dem 3:0-Rückspielsieg bei Malmö FF jetzt auf den ukrainischen Topclub Schachtjor Donezk. Beim souveränen Sieg in Schweden trafen Josip Brekalo (42.), Yannick Gerhardt (65.) und João Victor (69.).