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Karrieretipps
Gute Initiativbewerbungen sind kurz

 Viele Stellen werden nicht über Ausschreibungen vergeben. Initiativbewerbungen können sich lohnen.
Viele Stellen werden nicht über Ausschreibungen vergeben. Initiativbewerbungen können sich lohnen. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
Hamburg/Wiesbaden. In der Kürze liegt die Würze: Eine spontane Bewerbung bei einem Unternehmen kommt am besten an, wenn sie knapp gehalten ist. Lebenslauf, Foto und ausführliches Anschreiben sind fehl am Platz.

() Etwa 70 Prozent aller Stellen werden nicht ausgeschrieben, sagt Karriereberaterin Ute Bölke. Wer Chancen auf eine dieser Stellen haben will, muss sich initiativ bewerben. Dabei punktet, wer der richtigen Person zur richtigen Zeit schreibt. Zu Anfang müssen sich Bewerber Gedanken über ihr Profil machen. „Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Für welche Unternehmen könnte meine Dienstleistung interessant sein?“, sagt Bölke.

Bei der Suche nach Unternehmen ist die Online-Recherche auf Bewertungsplattformen oder Jobportalen hilfreich. „Hier können Sie sowohl regional als auch nach Branchen eine Umkreissuche machen“, erklärt Bölke. Andersherum kann man in Jobnetzwerken auch nach Menschen suchen, die im eigenen Umkreis in interessanten Positionen arbeiten und darüber auf Firmen aufmerksam werden. „Der erste Schritt ist, zu recherchieren, ob das Unternehmen, bei dem ich mich initiativ bewerben möchte, nicht aktuell eine Stellenanzeige geschaltet hat. Dann sollte man keine Initiativbewerbung schicken“, sagt Karriereberaterin Hanne Bergen aus Hamburg. Auch wenn eine Branche gerade Stellen abbaut oder Positionen ins Ausland verlagert, ist eine Bewerbung nicht ratsam, erklärt Bölke.

Für die Größe des Unternehmens gilt: „Man kann grob sagen, je kleiner das Unternehmen, desto größer sind die Chancen auf diesem Weg“, sagt Bergen. Denn der direkte Kontakt bei kleineren Unternehmen ist meist einfacher. Arbeiten große Unternehmen mit eigenen Bewerbungsportalen, gibt es dort aber manchmal einen Bereich für Initiativbewerbungen.



Weder die Überschrift „Bewerbung“ noch genaue Vorgaben zur Stundenzahl sind in der Initiativbewerbung ratsam. Besser ist eine inhaltliche Überschrift wie „Erfahrene Personalerin bietet Mitarbeit an“. Ob frei oder fest, Voll- oder Teilzeit bleibt erst mal offen, rät Bergen. In dem Schreiben sollten Bewerber Bezug zum Unternehmen herstellen und erklären, warum sie meinen, in dem Markt ein interessantes Angebot zu haben. Dann beschreiben sie, was sie mitbringen, empfiehlt Bölke.

Kurz und knapp sollte die Bewerbung sein, als Direktnachricht im Jobportal, E-Mail oder Brief. „Diese Formalien, die sonst erwartet werden, müssen nicht eingehalten werden, denn man formuliert sein Angebot so, wie man es schlüssig findet. Da muss man nicht schreiben, wo man zur Schule gegangen ist, das ist gar nicht wichtig, sondern welche Kompetenzen man mitbringt“, erklärt Bergen. Auf Lebenslauf, Foto und Zeugnisse können Bewerberinnen und Bewerber verzichten. Bölke rät maximal zu einem Kurzlebenslauf. „Anschreiben und sechs Seiten Vita – das liest wirklich kein Mensch. Hier muss ich auf den Punkt kommen. Das ist ein Appetithäppchen, ich klopfe an die Tür und sage: Habt ihr vielleicht Interesse? Ich stell mich hier mal kurz vor und zeig euch mal den Nutzen.“

„Ich würde nie die Personalabteilung anschreiben, sondern immer die Person, die Unterstützung braucht“, erklärt Bergen. Das kann eine Abteilungsleitung, eine Bereichsleitung oder auch die Geschäftsführung sein, je nachdem wie das Unternehmen strukturiert ist. Diese Ansprechpartner können Arbeitssuchende oft über Jobportale wie Xing oder Linkedin finden, sagt Bölke. Bewerbungsmappen landen aber oft automatisch in der Personalabteilung. „Schon allein deshalb würde ich immer das Format verändern, damit es gar nicht wie eine Bewerbung aussieht“, rät Bergen. Wer einen besonders guten Eindruck machen möchte, kann die Ansprechpartnerin auch anrufen und sich kurz vorstellen, bevor er die Bewerbung abschickt. Denn: „Es geht bei einer Initiativbewerbung immer darum, die kleine Extrameile zu gehen“, sagte Bölke. Es gehört auch ein bisschen Glück dazu, einen Job über eine Initiativbewerbung zu bekommen, schließlich wissen Bewerber nicht, ob eine Firma gerade Bedarf hat. Deshalb ist es auch schwer zu sagen, wie viele Bewerbungen man verschicken soll. „Bringen Sie etwas Geduld mit. Das kann dauern“, sagt Bölke. Einen konkreten Tipp bezüglich der Zeit hat sie aber: „Sonntag ist eher ungünstig. Am Montag versuchen viele ihre E-Mails zügig abzuarbeiten. Besser ist Dienstag.“

In der Regel erhalten Bewerber eine kurze Nachricht, im schlimmsten Fall kommt keine Reaktion. Am besten ist es, direkt in der Bewerbung Handlungsoptionen aufzuzeigen und dann per Telefon oder E-Mail nachzuhaken. Und auch bei einer Absage lohnt sich die Kontaktpflege. Bölke rät: „Und jetzt suche dir diese Person, sofern noch nicht geschehen, auf Xing oder Linkedin raus und schreib der doch noch einmal eine nette Nachricht.“

„Den aktuellen Stellenmarkt zu beobachten und auf passende Anzeigen zu reagieren, ist der Pflichtteil, der absolviert werden sollte. Die Initiativbewerbung ist die Kür und hier liegen auch die besseren Chancen“, erklärt Bergen. Je ungewöhnlicher aber der Werdegang und je geringer die Chancen auf dem offenen Markt, desto notwendiger werden Initiativbewerbungen.

(dpa)