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Zweibrücken
Grazil wie die Bäume im Wind

Das Airis String Quartet aus Krakau und Daniel Bollinger an der Klarinette harmonierten hervorragend.
Das Airis String Quartet aus Krakau und Daniel Bollinger an der Klarinette harmonierten hervorragend. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Neben dem Airis String Quartet gab es im Stadtmuseum auch polnische Kunst zu sehen. Von Sebastian Dingler

„Mozart trifft auf Piazzolla“ nannte sich das Programm, das am Sonntagmorgen im Stadtmuseum dargeboten wurde. Das war aber längst noch nicht alles an Kultur, was es da zu erleben gab. Es war auch der Abschluss der polnischen Kulturtage in Zweibrücken, die am 9. September mit der Ausstellung verschiedener polnischer Künstler im Stadtmuseum begonnen hatten. Mit als Kooperationspartner dabei: die deutsch-polnische Gesellschaft Saar, der Verein „Begegnungen auf der Grenze“ und der Kunstverein Zweibrücken.

Doch der Reihe nach: Zunächst begrüßte die Leiterin des Stadtmuseums, Charlotte Glück, die Anwesenden und freute sich dabei über den voll besetzten Saal. Dann gab sie das Wort weiter an den Landrat des Saarpfalz-Kreises, Theophil Gallo, seines Zeichens auch Vorsitzender der deutsch-polnischen Gesellschaft Saar. Er nutzte die Gelegenheit für ein politisches Statement: „Es ist ganz wichtig, dass wir uns gerade in der heutigen Zeit dem Thema Kultur und dem gegenseitigen Austausch zuwenden. Wir sehen alle, was im Moment in Polen passiert und mir graut davor, wenn ich mir die Entwicklung in Italien anschaue“, meinte er im Hinblick auf das Aufkommen nationalistischer Strömungen in Europa. Umso wichtiger sei der kulturelle Austausch.

Der folgte furios auf dem Fuß mit der deutsch-polnischen Kombination des Airis String Quartets aus Krakau und dem saarländischen Klarinettisten Daniel Bollinger, derzeit beschäftigt bei der badischen Staatskapelle in Karlsruhe. Nicht verwunderlich, dass außer Cellistin Julia Kotarba alle Musiker im Stehen spielten — nur so konnten sie sich grazil wie Bäume im Wind zur Musik bewegen. Manches Mal hatte man da sogar Sorge darum, dass Bollinger ein Geigenbogen ins Gesicht kommen könnte, so agitiert stellte sich die Gruppe dar.



Das war zum einen der Musik geschuldet, nämlich einem beschwingten Klarinetten-Quintett von Mozart. Zum anderen ließ die Bewegung auf der Bühne schlussfolgern, wie engagiert und mit welcher Leidenschaft die Komposition vorgetragen wurde. Nur waren die verschiedenen Sätze auf dem Programm nicht vermerkt, was zu Applaus an falscher Stelle führte. Am Schluss jedoch gab es umso stärkeren Beifall und gar Jubelrufe, so überzeugend war die Darbietung.

Wieder ein kleines Missverständnis: Charlotte Glück kündigte eine halbe Stunde Pause an, dabei wollte Kunsthistoriker Jürgen Ecker doch noch die Werke der polnischen Künstler besprechen. Nachdem er für Ruhe im Publikum gesorgt hatte, fing er bei den wunderbaren bunten Holzschnitzfiguren von Eugeniusz Zegadlo an;  auch die hätten sich über den Mozart gefreut. Denn der Künstler habe ihnen die Musik als lebensbegleitendes Element mitgegeben.

Alsbald ging es in das Erdgeschoss des Stadtmuseums, wo das polnische Künstlerpaar Andrzej Grenda und Gabriela Cichowska seine ganz unterschiedlichen Bilder ausstellte: Grendas großformatige Werke aus Graphit sind dem Betrachter schwerer zugänglich als die Illustrationen Cichowkas, die auch in Kinderbüchern vorkommen. Das Airis String Quartet und Daniel Bollinger zeigten anschließend viel Virtuosität bei Kompositionen von Anton Webern, Witold Lutoslawski und dem großen argentinischen Meister des Tangos, Astor Piazzolla. Der Klarinettist verzauberte dabei vor allem mit seinem unaufdringlichen und klaren Ton. Langer Applaus sorgte dann für eine kleine Zugabe eines bemerkenswerten Konzerts.