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Gründer ziehen sich zurück
Google-Chef führt nun auch Alphabet

 Google setzte im vergangenen Quartal 36,3 Milliarden Euro um.
Google setzte im vergangenen Quartal 36,3 Milliarden Euro um. FOTO: dpa / Alastair Grant
Mountain View. Sundar Pichai steigt an die Spitze des Internetriesen auf. Die beiden Gründer ziehen sich aus dem operativen Geschäft weitgehend zurück. Von Andrej Sokolow und Hannes Breusted (beide dpa)

Google-Chef Sundar Pichai übernimmt nach dem Rückzug der beiden Gründer aus dem Tagesgeschäft nun auch die Führung beim Mutterkonzern Alphabet. Die Gründer-Ära bei dem Internetriesen ist damit aber noch nicht endgültig vorbei: Larry Page und Sergey Brin, die Google vor mehr als 20 Jahren gründeten, behalten weitgehend das Sagen durch besondere Aktien mit mehr Stimmrechten. Zugleich zementiert die Doppelrolle von Pichai die Dominanz von Google innerhalb des Alphabet-Geflechts.

Page war zuletzt Alphabet-Chef, Brin hielt im Management einen Posten als „President“ mit einem nicht näher beschriebenen Aufgabenbereich. Sie bleiben im Verwaltungsrat, der dem Vorstand übergeordnet ist. „Wäre das Unternehmen ein Mensch, wäre er ein junger Erwachsener von 21 Jahren – und es wäre an der Zeit, das Nest zu verlassen“, schrieben Brin und Page nun. „Wir glauben, dass es an der Zeit ist, die Rolle stolzer Eltern zu übernehmen, die Ratschläge und Liebe bieten, aber nicht täglich herumnörgeln!“

Die Alphabet-Mitteilung macht deutlich, dass die beiden Gründer keine Ambitionen haben, irgendwann noch einmal ins Management zurückzukommen. „Wir gehörten nie zu denen, die sich an Management-Positionen klammern, wenn wir denken, dass es einen besseren Weg gibt, das Unternehmen zu führen“, verkündeten Page und Brin.



Alphabet war 2015 als Konzerndach über Google gesetzt worden. Die Idee war, diverse neue Bereiche als eigenständige Schwesterfirmen neben Google aufzubauen. Zum Dach­konzern gehören zum Beispiel auch die Roboterauto-Firma Waymo und der Lieferdrohnen-Entwickler Wing. Vier Jahre später kommen die Einnahmen allerdings nach wie vor hauptsächlich aus dem Werbegeschäft von Google. Nur das Cloud-Geschäft und die Produktion der Pixel-Smartphones hinterließen in der Bilanz weitere sichtbare Spuren. Die anderen Alphabet-Firmen mit ihren neuen Technologien erzeugen vor allem hohe Kosten bei geringen Umsätzen.

So kamen die Google-Geschäftsbereiche im vergangenen Quartal auf Erlöse von gut 40,3 Milliarden Dollar (36,3 Mrd Euro) – alle restlichen Alphabet-Firmen brachten in dieser Zeit 155 Millionen Dollar Umsatz ein. Dafür sammelten sich bei ihnen operativ rote Zahlen von 941 Millionen Dollar an, während Google fast 10,9 Milliarden Dollar verdiente.

Der 47-jährige Pichai stammt aus dem südindischen Staat Tamil Nadu. In die USA kam er 1993 mit einem Stipendium für die kalifornische Elite-Uni Stanford, um Halbleiter-Physik zu studieren. Seine Eltern mussten in die Ersparnisse greifen, um für das Flugticket 1000 Dollar zusammenzukratzen. Es war mehr als ihr jährliches Einkommen, wie Pichai dem Magazin Bloomberg Businessweek erzählte. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Das erste Telefon bekam die Familie, als Sundar zwölf Jahre alt war.

Bei Google startete Pichai am 1. April 2004. Seine erste Aufgabe war die Arbeit am Google-Suchfenster in Browsern wie Firefox oder Micro­softs Internet Explorer. Pichais Vorschlag, Google sollte einen eigenen Web-Browser entwickeln, überzeugte die Gründer – und der Erfolg von Chrome war seine Eintrittskarte in die Chefetage.

Pichai muss Google und Alphabet durch eine schwierige Zeit navigieren. Der Internetriese steht – wie auch andere amerikanische Tech-Schwergewichte – unter verstärktem politischen Druck. Inzwischen nehmen auch die lange wohlwollenden US-Wettbewerbshüter Google ins Visier. In Europa verhängte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager bereits Strafen von mehr als acht Milliarden Euro gegen Google. Der Internetkonzern steckte sie locker weg.

 Sundar Pichai  ist seit dem  Jahr 2004  bei Google.
Sundar Pichai ist seit dem Jahr 2004 bei Google. FOTO: dpa / Jeff Chiu