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Abschluss des Filmfestspiele von Venedig
Netflix-Film „Roma“ holt Goldenen Löwen

Szene aus Alfonso Cuaróns prämiertem Film „Roma“: Erstmals gewann mit dem Werk des mexikanischen Regisseurs in Venedigs Festival-Historie damit ein vom Streaming-Anbieter Netflix produzierter Film den Goldenen Löwen.
Szene aus Alfonso Cuaróns prämiertem Film „Roma“: Erstmals gewann mit dem Werk des mexikanischen Regisseurs in Venedigs Festival-Historie damit ein vom Streaming-Anbieter Netflix produzierter Film den Goldenen Löwen. FOTO: dpa / Netflix
Venedig. Der Mexikaner Alfonso Cuarón hat bei den Filmfestspielen von Venedig mit „Roma“den Hauptpreis gewonnen. Florian Henkell von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ bekam hingegen keine Auszeichnung.

(PM/afp) Der für den Streamingdienst Netflix produzierte, autobiografische Film „Roma“ des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón über eine Hausangestellte im Mexiko der 70er hat beim Filmfestival von Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Der deutsche Wettbewerbsbeitrag „Werk ohne Autor“ von Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck ging am Samstagabend ebenso leer aus wie Brady Coberts „Vox Lux“ mit Natalie Portman.

Bei der 75. Ausgabe des Filmfestivals war „Roma“ als klarer Favorit in die Preisverleihung gegangen, nachdem viele Kritiker ihn unisono hoch gehandelt hatten. Er gilt als bislang persönlichster Film von Cuarón, der 2014 für sein Weltraum­epos „Gravity“ den Regie-Oscar gewonnen hatte. Cuarón übernahm nicht nur selbst die Kamera, sondern war auch am Schnitt mit beteiligt. „Roma“ erzählt im Stil des italienischen Neorealismus die Geschichte einer Haushaltshilfe mit indigenen Wurzeln, die in Mexiko City für eine Mittelklassefamilie arbeitet. Die Hauptfigur Cleo ist von Cuaróns einstiger Babysitterin Liba inspiriert. Die Auszeichnung für „Roma“ fiel auf einen besonderen Tag. „Heute ist der Geburtstag von Liba“, bekannte der 56-jährige Cuarón bei der Preisverleihung. „Was für ein Geschenk!“ Laut Jurypräsident Guillermo del Toro – wie Cuarón mexikanischer Regisseur – fiel das Jury-Votum für „Roma“ einstimmig aus. Weil er von „Netflix“ produziert wurde und der Film daher nicht im Kino Premiere feiert, hatte das Filmfestival in Cannes im Frühjahr seine Wettbewerbsteilsnahme abgelehnt.

Mit dem Silbernen Löwen/Großen Preis der Jury wurde der Grieche Giorgos Lanthimos für sein Historiendrama „The Favourite“ ausgezeichnet. Dessen Hauptdarstellerin Olivia Colman, die darin die englische Königin Anne verkörpert, wurde zudem als beste Schauspielerin geehrt. Willem Dafoe erhielt für seine Rolle als Vincent Van Gogh in „At Eternity’s Gate“ den Preis für den besten Schauspieler. Der Silberne Bär für die beste Regie ging an den Franzosen Jacques Audiard für seinen Western „The Sisters Brothers“. Mit „The Ballad of Buster Scruggs“ der Regiebrüder Ethan und Joel Coen gewann ein weiterer Western (und wie „Roma“ gleichfalls von Netflix produzierter Film) den Preis für das beste Drehbuch.



 Der Spezialpreis der Jury ging an die australische Regisseurin Jennifer Kent für „The Nightingale“, der von brutalen Vergewaltigungen der englischen Kolonialmacht in Tasmanien handelt. Dass Kent in dem Hauptwettbewerb mit 21 Filmen als einzige Regisseurin vertreten war, hatte den Festivalorganisatoren scharfe Kritik eingebracht. Dem kanadischen Regisseur David Cronenberg und der britischen Schauspielerin Vanessa Redgrave war bereits während des Festivals der Goldene Löwe als Ehrenpreis für ihr Lebenswerk zuerkannt worden.

Die „Mostra“ ist das älteste Filmfestival der Welt und gilt als wichtiger Hinweisgeber, wer sich bei den Oscars Hoffnungen machen darf: Zahlreiche am Lido prämierte Filme räumten später auch bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles ab. Was heißt das nun umgekehrt für Florian Henckel von Donnersmarcks leer ausgegangenen Film „Werk ohne Autor“ über das Schicksal eines Kunststudenten im Nachkriegsdeutschland? Am 24. Februar werden wir es wissen. Von der Organisation German Films ist er Ende August ins Rennen um den Oscar für den besten nicht englischen Kinofilm geschickt worden.