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Auswüchse häuslicher Quarantäne
Wenn Pflanzen scherzen

Zimmerpflanzen wirken beruhigend, wenn man zu Hause bleiben muss, sagt eine Wiener Umweltpädagogin. Aber niemand fragt: Wie ist es umgekehrt? Schließlich sind die Pflanzen sonst den ganzen Tag ungestört, nachdem ihre Menschen aus dem Haus gehen. Von Pia Rolfs

Sie können blühen, wachsen, mal lässig ein Blatt abwerfen oder sich in Ruhe auf der Fensterbank sonnen. Jetzt aber ist es damit vorbei. Dauernd werden sie von ihrem Besitzer angestarrt, zu oft gegossen, gedüngt, möglicherweise vor lauter menschlicher Langeweile sogar fotografiert, umgestellt oder umgetopft. Das bedeutet für die grünen Mitbewohner Stress pur! Als sei das nicht anstrengend genug, kursiert in den sozialen Netzwerken auch noch ein angeblich lustiges Video, bei dem eine vereinsamte Frau lauthals über einen Witz ihrer Zimmerpflanze lacht. Das setzt die Gewächse weiter unter Druck. Sukkulenten etwa sind keine guten Witze-Erzähler und bewegen sich mit ihren trockenen Scherzen nur auf dem Niveau: „Kommt ein Kaktus zur Gießkanne.“ Und Gummibäume nehmen bei ihren freizügigen Witzen („lieber mit Gummi“) kein Blatt vor den Mund. Das aber nur, weil sie – so ein alter Ficus-Kalauer – gar keinen Mund haben.