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Es ist chic geworden, Auszeichnungen abzulehnen
Keine Orden mehr!

Es gibt keine Hochachtung mehr – nicht einmal mehr vor Orden. Denn während früher jeder einen haben wollte, ist es nun schick geworden, einen solchen abzulehnen. Von Pia Rolfs

So verweigerte zwar schon Marcel Reich-Ranicki einst den deutschen Fernsehpreis. Dann wollte niemand mehr den Musikpreis Echo haben. Aber das waren zumindest noch Hochkaräter. Jetzt verzichtet sogar SAP-Gründer Dietmar Hopp auf einen Orden des Dresdner Semperopernballs, den vorher kaum jemand kannte. Wenn das so weiter geht, geben alle Schüler noch ihre Siegerurkunde von den Bundesjugendspielen zurück – weil ein ebenfalls geehrter Mitschüler sich mit Minz-Kaugummi dopte. Und die Entsorgung von ungeliebten Ehrennadeln und Plastikskulpturen ist auch noch ungeregelt, fallen sie doch weder unter Biomüll noch unter Verpackung. Analog zur BH-Verbrennung der 70er wäre eine kollektive Orden-Verbrennung theoretisch denkbar, doch dagegen spricht das Problem mit dem Feinstaub. Wer den Trend weiterdenkt, sollte daher schon Auszeichnungen ablehnen, bevor er dafür ins Gespräch kommt. Und deswegen, damit das schon mal klar ist, für diese Glosse bitte keinen Friedensnobelpreis!