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Glosse
Defekt statt kaputt

Die Welt wird immer besser – auch wenn es gar nicht so scheint. Denn immer weniger geht kaputt. Es ist nur wesentlich mehr defekt. Von Pia Rolfs

Das mag zwar oberflächlich gesehen auf das gleiche hinauslaufen: Der Eisautomat in der Kantine geht nicht. Der Fahrkartenautomat am Bahnhof oder im Bus verweigert den Dienst. Die Zugtür öffnet sich nicht, in die man gerade einsteigen will. Geldautomaten möchten nichts mehr ausspucken. Das Wort „defekt“ deutet jedoch tröstend an, dass es sich bei all diesen Phänomenen um einen vorübergehenden Zustand handelt. Und auch wenn das Ende dieses Zustandes frühestens der nächste St.-Nimmerleinstag des übernächsten Schaltjahres ist, wirkt das offenbar nicht so hart wie das finale „kaputt“.

Ganz kaputt ist das Wort kaputt jedoch nicht. Denn es führt sein kaputtes Leben noch weiter in der beliebten Redewendung: „Ich bin total kaputt.“ Denn jeder Mensch weiß, dass Erschöpfung heute wirklich unerschöpflich und damit unendlich ist. Wenn nicht, hätte er in seiner Wahrnehmung wohl einen Defekt.