| 23:54 Uhr

Mainz
Fußball als Spiegel der Gesellschaft

Die Straßen der Landeshauptstadt – hierhin entführt Mara Pfeiffer die Leser ihres Mainz 05-Krimis „Im Schatten der Arena“. Mit dem Verein kennt die Autorin sich aus – sie dreht eine regelmäßige Videokolumne über die 05er.
Die Straßen der Landeshauptstadt – hierhin entführt Mara Pfeiffer die Leser ihres Mainz 05-Krimis „Im Schatten der Arena“. Mit dem Verein kennt die Autorin sich aus – sie dreht eine regelmäßige Videokolumne über die 05er. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Mainz. Mara Pfeiffer ist „Im Schatten der Arena“ unterwegs. Sie hat einen Krimi über die Stadt Mainz und ihren Fußballverein geschrieben.

Ein Fußballspiel kann so spannend sein wie ein Krimi, aber Krimis zu einem bestimmten Fußballverein gibt es noch nicht so viele. Knapp zwei Jahre nach einem „Lilien-Krimi“ über Darmstadt 98 von Michael Kibler hat Mara Pfeiffer einen ersten „Mainz-05-Krimi“ geschrieben: „Im Schatten der Arena“ glaubt die Journalistin Johanna nicht an einen Unfalltod ihres Freundes und Kollegen und stößt schließlich auf einen spannenden Zusammenhang zu Interna des rheinland-pfälzischen Bundesligavereins.

„Ich mag es, wenn ein Krimi gesellschaftliche Entwicklungen abbildet“, sagt die Autorin und Bloggerin („Wortpiratin“) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Das, was im Stadion passiert, ist wie die Gesellschaft in einer Nussschale, mit all ihren positiven wie schwierigen Dingen.“ Die freie Journalistin engagiert sich in der DKMS für Knochenmarkspenden und findet deutliche Worte gegen Rechtsextremismus. Sie tritt dafür ein, sich entschieden für all das zu engagieren, „was uns als Menschen ausmacht“.

Menschlich nah kommen dem Leser die Figuren in der flott zu lesenden Geschichte. Pfeiffer ist auch Journalistin, dreht für die „Allgemeine Zeitung“ eine regelmäßige Video-Kolumne über Mainz 05. Aber die Hauptfigur Johanna sei nicht mit ihr identisch, versichert die Autorin – auch wenn sie schon wie diese „ein Katzenmensch“ sei. So schleicht im Krimi immer wieder der Kater Obama durch die Wohnung in der Neustadt. Johannas Sohn Luca droht zeitweise, mit einer Zuneigung ausgerechnet zu RB Leipzig fan-technisch auf Abwege zu geraten. Wenn Luca Ruhe gibt, schlägt die Stunde für Hans – zwischen dem Polizisten und Johanna hat es gleich nach ihrem Kennenlernen geschnackelt, wie man in Mainz sagt. Eine wichtige Rolle spielt Anda, die gleichzeitig Freundin und Chefin von Johanna ist und die sich daraus ergebenden Klippen elegant umschifft. Dann ist da noch Mel, das „Kälbchen“, die als einfältig beschriebene Freundin des toten Kollegen.



„Meinen ersten Krimi zu schreiben, hat mir Spaß gemacht“, sagt Mara Pfeiffer. „Im Schatten der Arena“ ist auch immer im Schatten des Doms – die Autorin führt ihre Leser über Straßen und Plätze in Mainz und nutzt so das Erfolgsrezept der lokalen Krimis. Reale Persönlichkeiten werden mit ihren echten Namen eingeführt. Aber der ehemalige Mainz-05-Präsident heißt hier nicht Harald Strutz, sondern hat einen anderen Namen, auch wenn die Parallelen schon da seien, wie die Autorin einräumt. Die Geschichte entstand in wenigen Monaten: Am Nikolaustag 2017 habe sie angefangen zu schreiben, Mitte Februar wollte der Frankfurter Societäts-Verlag das fertige Manuskript haben.

„Als ich zum Studieren nach Mainz gekommen bin, habe ich sofort gemerkt: Hier gehöre ich bin!“ Ursprünglich kommt Pfeiffer aus dem Odenwald - dort habe sie mit dem Verhältnis zwischen Erbach und Michelstadt ein ähnliches Konfliktverhältnis kennengelernt wie jetzt zwischen Mainz und Wiesbaden. „Diese Sticheleien sind ja sehr beliebt, aber beide Städte sind lebens- und liebenswert“, sagt die in Wiesbaden lebende Autorin. „Für mich ist wichtig, wo ich zuhause bin. Man kann sich überall einrichten, aber ich weiß nicht, ob ich überall zuhause sein kann.“

Wie geht es weiter nach dem Krimi? Sie sei jetzt nicht für den Rest ihres Lebens zur Krimi-Autorin geworden, antwortet Pfeiffer. „Aber ich hätte Lust, mit diesen Figuren noch mehr zu machen.“ Außerdem will sie in neuen Formaten weiter als Fußballexpertin arbeiten. Wie wird dann Mainz 05 in der neuen Saison abschneiden? „Ich freue mich, wenn wir den Klassenerhalt undramatischer schaffen als letzte Saison“, sagt Pfeiffer. Jede Saison, die wir in der 1. Liga spielen, ist ein Riesenerfolg. Wenn wir zwischen Platz 12 und 15 landen, ist das super.“