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Erinnerung an jüdische Bürger
Vor 80 Jahren brannte die Synagoge

Ein Haltepunkt beim Rundgang zu den Stationen jüdischen Lebens in Blieskastel mit Martin Dauber (links) ist immer auch die Straße „An der Stadtmauer“, die bis ins Jahr 1935 „Judengasse“ hieß.
Ein Haltepunkt beim Rundgang zu den Stationen jüdischen Lebens in Blieskastel mit Martin Dauber (links) ist immer auch die Straße „An der Stadtmauer“, die bis ins Jahr 1935 „Judengasse“ hieß. FOTO: Joachim Schickert
Blieskastel. Diesen Freitag Gedenkveranstaltung an die Reichspogromnacht in Blieskastel. red

Am heutigen Freitag, 9. November, werden Martin Dauber und Jörg A. Künzer, in Zusammen­arbeit mit dem Stadtarchiv Blieskastel, zum Gedenken an die Shoa der jüdischen Bürger aus Blieskastel und den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht, in der Altstadt von Blieskastel eine Veranstaltung anbieten. Treffpunkt ist um 16 Uhr in Blieskastel, Paradeplatz, vor dem Rathaus I.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener werden von den Rednern die Ereignisse vom 9. auf den 10. November 1938, unter dem Motto „Gedenken – Warum?“, reflektiert sowie ein geschichtlicher Abriss über die jüdische Bevölkerung von Blieskastel in den vergangenen Jahrhunderten vermittelt. Anschließend sucht man die Orte jüdischen Lebens in der barocken Altstadt auf, um an den verschiedenen Stationen Informationen zu den ehemals dort wohnhaften jüdischen Familien zu erhalten. Der Abschluss der Führung auf dem Luitpoldplatz, gleich neben dem ehemaligen Synagogengebäude, bildet ein Gedenken der über 30 jüdischen Opfer mit Bezug zu Blieskastel. Denn, „ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“. Bei ungünstigen Witterungsverhältnissen findet die Eröffnung der Veranstaltung in der ehemaligen Markthalle im Rathaus I am Paradeplatz statt, wie die Stadtverwaltung weiter mitteilt.

Mit der Geschichte der Juden in Blieskastel hat sich Martin Dauber, der bis zur Kommunalwahl im Mai 2014 für die Grünen im Blieskasteler Stadtrat saß, schon von Jugend an beschäftigt. Anlässlich der Reichspogromnacht am 9. November 1938 führte er seine Gäste regelmäßig im November zu „Stationen jüdischen Lebens“ in der Barockstadt. Dauber hatte in seiner Schulzeit ein Referat über die Judenverfolgung in Blieskastel ausgearbeitet. Er konnte sich damals nicht vorstellen, was diese im Geschichtsunterricht vermittelten grausamen Fakten für das beschauliche Blieskastel bedeuten könnten, so Dauber. Seine Nachforschungen führten ihn schließlich ins Landesarchiv nach Saarbrücken, und er befragte Zeitzeugen in Blieskastel zu den Geschehnissen in der Nazizeit. Auf Antrag der Grünen im Blieskasteler Ortsrat war im Sommer 2010 in der Straße „An der Stadtmauer“ in Blieskastel-Mitte ein Hinweisschild angebracht worden, das darüber informiert, dass diese Straße bis ins Jahr 1935 einmal den Namen Judengasse trug. Die Judengasse war von den Nationalsozialisten in Straße am Schlangenbrunnen umbenannt worden. Nach der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war die Straße auf Anordnung des amerikanischen Ortskommandanten wieder in Judengasse umbenannt worden. Im Jahr 1955 hatte die Gasse auf Beschluss des Stadtrates den Namen „An der Stadtmauer“ erhalten.