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Wechsel des Direktors des Saarlandmuseums nach Wuppertal
Freiwillig geht Roland Mönig nicht

 So voll war es selten, das führte zu Kritik: Der Direktor des Saarlandmuseums, Roland Mönig (hinten, Mitte, graues Jackett, blaues Oberhemd),  bei einer Führung durch die Guiseppe-Penone-Ausstellung.
So voll war es selten, das führte zu Kritik: Der Direktor des Saarlandmuseums, Roland Mönig (hinten, Mitte, graues Jackett, blaues Oberhemd),  bei einer Führung durch die Guiseppe-Penone-Ausstellung. FOTO: Engel
Saarbrücken. Warum der Saarbrücker Stiftungs-Vorstand wirklich seinen Hut nimmt – eine kulturpolitische Analyse. Von Cathrin Elss-Seringhaus

Alles klar auf der Andrea Doria der Saar-Kulturpolitik? Ein Museumschef macht einen Karrieresprung, da braucht man keine weiteren Erklärungen. Und weil man Scheidenden keine Steine nach wirft, wird all das, was sich seit Monaten rund um den Vorstand der Stiftung Kulturbesitz an Kritik zusammenbraute, mit dezenten Andeutungen unter einem allseitigen großen Bedauern und der Überraschung versteckt. Roland Mönig beendet seinen Vertrag im Saarland vorzeitig, zieht ans Von-der-Heydt-Museum weiter. Dies, obwohl ihm die Neu-Positionierung der Stiftung spürbar ein Herzensanliegen, ja ein Lebensziel war. Doch es zischelte und rumorte im Kuratorium der Stiftung, im Kultusministerium, dem Beirat der Stiftung, im Landtags-Kulturausschuss. Der Grund? So simpel, dass ihn keiner offiziell ausspricht: Frust. Die Erwartungen, die sich an die Wiedereröffnung der mit über 30 Millionen Euro erweiterten Modernen Galerie als Glanzstück hiesigen Kulturlebens und Besuchermagnet hefteten, erwiesen sich als Luftblasen. Der Schuldige? Mönig. Nur 37 500 Besucher kamen 2019 bisher in den Schönecker-Bau, zu Sonderausstellungen wie auch in die Ständige Sammlung. Der Schub nach der Neubau-Einweihung 2018 brachte immerhin 57 000 ins Haus, doch in der Vor-Mönig-Ära lag der Durchschnitts-Durchlauf bei rund 70 000. Zwar konnte Mönig den Rückgang mit Phantomzahlen der Vergangenheit und mit der Einführung einer neuen, seiner Meinung nach korrekteren Zählweise erklären – doch bereits das war die Crux: Der Museumschef befand sich bereits in der Defensive. Gleichwohl kritisierte niemand öffentlich seine Programm-Politik – zu heilig die Kuh der Intendantenfreiheit.

Außerdem hätten sich Politik und Kuratorium mit einem Abrücken von Mönig selbst belastet. Denn 2013, als man den Mann aus Kleve verpflichtete, kaufte man nicht etwa die Katze im Sack. Mönigs Ausstellungspolitik sprach eine unmissverständliche, elitäre Sprache. Klar war somit schon damals, dass man die Mehrheit des Publikums mit Mönigs Leidenschaft für Zeitgenössisches und für schwer vermittelbare Konzepte nicht erreichen würde. Mönig handelte als Überzeugungstäter, kämpfte um Anerkennung der Modernen Galerie in Museums- und Kunstkreisen, nicht um den Beifall der Saarländer. Diese seine Mission sieht Mönig nun erfüllt, führt dies als Grund an, warum er weiterzieht: „ Es ist für mich der richtige Moment, um noch einmal aufzubrechen.“ Ein frohgemutes Abenteuer? Sprechen wir auch von Flucht.

Denn Mönig wusste, im Saarland würden harte Zeiten kommen. Diejenigen, die sich sinnlichere, frischere Ausstellungsthemen und Events wünschten, hatten den Grundsatzkonflikt auf ein anderes Problemfeld verschoben. Immer häufiger hörte man Hinweise auf Marketing-Defizite der Stiftung, etwa von Kultusministerin Streichert-Clivot (SPD), der Präsidentin des Stiftungs-Fördervereins Inge Weber oder gestern, auf Nachfrage, unisono von Landtagsabgeordneten. Sascha Zehner (CDU) lobt zwar Mönigs Arbeit, sieht jedoch als Herausforderung der Zukunft, die Besucherzahlen „dauerhaft zu stabilisieren“.



Jürgen Renner (SPD) erklärt: „Herr Mönig hat sicher gute Ausstellungsarbeit geleistet, die jedoch nur bedingt die Außenwirkung erzeugte, die ich für wünschenswert halte.“ Und die Linke Astrid Schramm hält es für wichtig, dass der oder die Neue Mut mitbringt für „neue Formate, spannende Veranstaltungen und kreative Aktionen, um die Museen wieder zu füllen“.

Das geht als Ausschreibungsauftrag an die neue Kultusministerin. Doch es wäre fahrlässig, einfach nur einen Nachfolger zu suchen, der neben kuratorischer Kompetenz auch das Talent zum Trommeln mitbringt. Überfällig ist eine Struktur- und Organisations-Reform der Stiftung, deren historische Sammlungen und Standorte unter Mönigs Führung in einen bemitleidenswerten Dornröschenschlaf gesunken sind. Auch an diesem Punkt wurde, wie unsere Zeitung erfuhr, gegenüber Mönig Druck aufgebaut, das Verhältnis zum Ministerium soll zuletzt sehr angespannt gewesen sein. Der 54-jährige Mönig saß also auf einer tickenden Zeitbombe, sein Vertrag wäre womöglich 2023 nicht noch einmal verlängert worden. In Wuppertal erwartet ihn eine unbefristete Stelle. Dieses rettende Angebot muss tatsächlich äußerst kurzfristig an Mönig herangetragen worden sein, nach einem neuen Betätigungsfeld soll er bereits länger gesucht haben.

 Ulrich Commercon Foto: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein
Ulrich Commercon Foto: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein FOTO: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein / Tom Gundelwein