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427 Euro weniger als Männer
Frauen erhalten ein Drittel weniger Rente

Saarbrücken/Mainz. Die Altersbezüge fallen für Frauen im Schnitt 427 Euro geringer aus als bei Männern. Besonders hoch ist die Kluft im Saarland, in NRW und Rheinland-Pfalz. Von Iris Neu-Michalik

Frauen verdienen in Deutschland nicht nur weniger als Männer, sie sind auch im Alter oft weit schlechter versorgt. Nach Berechnungen der Deka-Bank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen, erhalten Frauen bundesweit durchschnittlich 427 Euro oder 36 Prozent weniger gesetzliche Rente im Monat als Männer mit durchschnittlich 1182 Euro.

Regional fallen die Renten-Unterschiede zwischen den Geschlechtern sogar noch deutlicher aus. Am größten ist die Kluft im Saarland mit 57 Prozent. Männer erhalten hier durchschnittlich 1245 Euro Rente im Monat (die zweithöchste Rente nach Berlin-Ost), Frauen dagegen nur 532 Euro. Nur in Nordrhein-Westfalen ist die Differenz ähnlich groß: Dort bekommen Frauen mit 611 Euro 51 Prozent weniger als Männer mit durchschnittlich 1242 Euro. In Rheinland-Pfalz beträgt der Unterschied 49 Prozent: Hier liegt die Rente der Männer bei durchschnittlich 1165 Euro, die der Frauen bei 592 Euro. In den westlichen Bundesländern ist die Differenz in Hamburg mit 35 Prozent am niedrigsten: Männer bekommen dort eine Rente von 1164 Euro, Frauen von 754 Euro.

Dass die Differenz im Saarland und in NRW vergleichsweise hoch ausfällt, ist nach Aussagen von Deka-Volkswirtin Gabriele Widmann darauf zurückzuführen, dass beide Bundesländer auf eine „jahrzehntelange erfolgreiche Industriegeschichte“ zurückblicken. „Diese brachte der Bevölkerung gute Löhne ein, die sich bis heute in überdurchschnittlich hohen Rentenbezügen für Männer niederschlägt.“ Bei den Frauen hingegen hatten die hohen Gehälter der Männer eine geringere Erwerbsquote zur Folge, so Widmann. Daraus resultierten die niedrigen Rentenbezüge der Frauen.



Im Gegensatz zu den westlichen Bundesländern fällt die Renten-Differenz im Osten der Republik laut Deka-Bank aufgrund der traditionell hohen Erwerbsquote der Frauen geringer aus: Im Ostteil Berlins ist sie mit 19 Prozent bundesweit sogar am niedrigsten. In Berlin-West liegt sie bei 25 Prozent und ist damit am höchsten im östlichen Teil der Republik.

Der Unterschied zwischen Mann und Frau zeigt sich laut Deka-Untersuchung auch in der Spannbreite der Renten im Regionenvergleich. Demnach unterscheiden sich die höchste und niedrigste Männer-Rente mit 210 Euro im bundesweiten Vergleich nur um 17 Prozent. Bei den Frauen ist diese Spannweite mit 494 Euro und 48 Prozent deutlich größer. Das erklärt sich der Studie zufolge aus den vergleichsweise höheren Rentenzahlungen der Frauen in den östlichen Bundesländern. Dort erhalten Frauen demnach rund 30 Prozent mehr Rente als im Westen, da sie „durch die längere und oft ununterbrochene Berufstätigkeit mehr in die Rentenkasse einzahlen konnten“, erklärt Widmann. Ihren Aussagen zufolge ist mehr als jede zweite Frau – 58 Prozent – mit ihrer Altersabsicherung unzufrieden. „Aus der Lohnlücke im Arbeitsleben entwickelt sich im Alter eine Rentenkluft.“