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Investitionen im Nachbarland
Frankreich gewinnt Vertrauen zurück

Deutsche Firmen blicken wieder verstärkt auf Paris und ganz Frankreich. Das Nachbarland hat laut einer Studie an Attraktivität gewonnen. 
Deutsche Firmen blicken wieder verstärkt auf Paris und ganz Frankreich. Das Nachbarland hat laut einer Studie an Attraktivität gewonnen.  FOTO: dpa / Ian Langsdon
Paris. Die in Frankreich ansässigen deutschen Firmen blicken optimistisch in die Zukunft. 44 Prozent wollen neue Mitarbeiter einstellen. Von Christine Longin

Frankreich ist unter Präsident Emmanuel Macron für deutsche Unternehmen deutlich attraktiver geworden. Das ergab eine Studie der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer, die am Freitag vorgestellt wurde. 90 Prozent der deutschen Firmenchefs beurteilen die französische Wirtschaftslage als zufriedenstellend oder gut. 2016 waren es nur 41 Prozent gewesen. „Die Stimmung ist so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr“, sagt Ulrich Haas, Chef der französischen Filiale des Maschinenbauers Trumpf. Das ist vor allem auf die Reformpolitik zurückzuführen, die Präsident François Hollande begann und sein früherer Wirtschaftsminister Emmanuel Macron fortsetzte. So machte sich Macron direkt nach seiner Wahl vor anderthalb Jahren an eine Reform des komplizierten Arbeitsrechts und setzte Veränderungen bei der Staatsbahn SNCF durch.

„Frankreich ist durch die Reformanstrengungen der neuen Regierung auf die internationale Bühne zurückgekehrt und hat das Vertrauen der ausländischen Investoren wieder gewonnen“, erklärt der Präsident der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer, Guy Maugis. Das zeigt sich auch in einem neuen Optimismus: 54 Prozent der deutschen Unternehmen in Frankreich erwarten kurzfristig eine positive Entwicklung und ungefähr ebenso viele schätzen die mittel- und langfristige Entwicklung positiv ein. 43 Prozent planen, in Frankreich zu investieren und 44 Prozent wollen neue Mitarbeiter einstellen. Auf Arbeitsplätze ist das Land dringend angewiesen, denn die Arbeitslosenquote ist mit gut neun Prozent weiterhin hoch.

Ein Pluspunkt ist für die deutschen Unternehmer die französische Infrastruktur. Außerdem loben sie die guten Hochschulen, vor allem für Ingenieure, und den stabilen Binnenmarkt, der von einer „vielversprechenden demographischen Entwicklung“ profitiere. Kritisch sehen die Firmenchefs dagegen den weiterhin hohen Verwaltungsaufwand in Frankreich. „Das Administrative hat nicht abgenommen“, sagt auch Haas, dessen Firma in Frankreich rund 400 Mitarbeiter hat. Als Manko gilt laut der Studie auch eine „zu ideologisch geprägte Sozialpartnerschaft“. Die französischen Gewerkschaften sind immer noch mächtig, konnten zuletzt gegen die Bahnreform aber nicht mehr so stark mobilisieren wie noch vor zehn Jahren.



Auch die Steuerlast ist nach Ansicht ausländischer Führungskräfte in Frankreich zu hoch. Deshalb wünschen sich deutsche Investoren Bemühungen zur Senkung der Steuern für Unternehmen, mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und eine Vereinfachung des Arbeitsrechts. Die Reform des Arbeitsrechts habe zwar mehr Flexibilität gebracht, aber es nicht grundlegend verändert, heißt es in der Studie. Auch die Ausbildung von Technikern und Facharbeitern wird kritisiert. „Das Berufsausbildungsniveau ist zu weit von den Erwartungen und Bedürfnissen der Unternehmen entfernt.“ Hier könne die Reform der Lehrlingsausbildung Abhilfe schaffen, die die Lehre generell attraktiver machen soll. Während im europäischen Schnitt 15Prozent der Jugendlichen eine Lehre machen, sind es in Frankreich nur sieben Prozent.

Derzeit sind mehr als 4500 deutsche Firmen mit 312 000 Arbeitskräften in Frankreich präsent. Deutschland ist damit hinter den USA der zweitgrößte ausländische Investor.