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Vorentscheidung beim Großen Preis von Japan möglich
Vettel will die Hoffnung nicht begraben

Sebastian Vettel präsentiert sich bei seinen ersten Auftritten auf dem Suzuka International Racing Course bestens gelaunt. Innerlich aber dürfte es in ihm nach den vielen Enttäuschungen der letzten Wochen brodeln.
Sebastian Vettel präsentiert sich bei seinen ersten Auftritten auf dem Suzuka International Racing Course bestens gelaunt. Innerlich aber dürfte es in ihm nach den vielen Enttäuschungen der letzten Wochen brodeln. FOTO: dpa / Ng Han Guan
Suzuka. Bei 50 Punkten Rückstand hat der Ferrari-Pilot eigentlich keine Chance mehr auf den WM-Titel. Aber er will kämpfen — auch in Japan. sid

Die italienische Presse hat ihre WM-Hoffnungen bereits zu Grabe getragen, die Zahlen sprechen eindeutig gegen ihn, doch Sebastian Vettel ist einfach nicht kleinzukriegen. „Es wird nicht einfacher, wenn wir Punkte verlieren, dafür muss man kein Genie sein. Aber die Möglichkeit ist immer noch vorhanden. Ich glaube nach wie vor an die Chance. Aber ich mag die Herangehensweise des Jetzt oder Nie nicht“, sagt Vettel. Aber bleibt ihm wirklich eine Alternative dazu?

Tatsächlich müssen auch Menschen, die es gut meinen mit dem Heppenheimer und Ferrari, schon ausgemachte Optimisten sein, um vor dem fünftletzten Saisonrennen in Suzuka an diesem Sonntag (7.10 Uhr/RTL) noch an einen 2018er-Weltmeister Sebastian Vettel zu glauben. Andererseits: Wem, wenn nicht dem 31-Jährigen, soll ein solcher Coup gelingen? Bei seinem ersten Titel 2010 für Red Bull holte sich Vettel mit zwei Siegen in den letzten beiden Rennen sprichwörtlich auf den letzten Metern noch den Titel. Zwei Jahre später lag er sechs Rennen vor Schluss satte 39 Zähler hinter Fernando Alonso im Ferrari zurück und raste doch noch zu seiner dritten von bislang vier Weltmeisterschaften.

Allerdings hatte Vettel es damals nicht mit einem förmlich fliegenden Lewis Hamilton zu tun. Der britische Mercedes-Pilot, der über die bisherige Saison gesehen keineswegs das bessere Auto hatte, holte in den letzten sechs Rennen 58 Punkte mehr als der Deutsche und führt das WM-Klassement mit satten 50 Punkten Vorsprung an.



Vettel rechnet vor, wie es mit dem roten Wunder noch klappen könnte: „Wir müssen jedes Rennen zehn Punkte aufholen. Das ist ein Brocken, aber nicht unmöglich.“ In der aktuellen Form von Mercedes werde es allerdings „schwer“, räumte der fünfmalige Saisonsieger ein.

Selbst wenn Vettel jedes der ausstehenden Rennen gewinnt, würden Hamilton nämlich vier dritte Plätze und einmal Rang zwei zum fünften Titelgewinn genügen. Realistisch betrachtet helfen Vettel daher nur außergewöhnliche Vorkommnisse, also eine „Nullrunde“ des Briten durch einen Unfall oder einen technischen Ausfall.

Allerdings ist Hamilton ein Muster an Konstanz. In den letzten 41 Rennen sah der 33-Jährige 40 Mal die Zielflagge. Nur dieses Jahr in Österreich machten ihm Probleme mit dem Benzindruck einen Strich durch die Rechnung. Doch selbst wenn Vettel am Sonntag seinen fünften Suzuka-Erfolg nach 2009, 2010, 2012 und 2013 feiert und Hamilton leer ausgeht, müsste der Heppenheimer alle weiteren Rennen gewinnen, um der Scuderia aus eigener Kraft die erste Fahrer-Krone seit 2007 zu bescheren.

Italiens Presse kapitulierte angesichts so vieler Konjunktive bereits nach der Niederlage von Sotschi, bei der ein ungefährdetes Mercedes-Team in aller Seelenruhe noch einen Platztausch seiner Fahrer Hamilton und Valtteri Bottas vornehmen konnte. „WM Adieu! Vettel und Ferrari haben Hamilton bereits den fünften WM-Titel geschenkt. Es wäre gar nicht notwendig gewesen, Bottas zu bremsen“, schrieb Tuttosport. Die Gazzetta dello Sport urteilte: „Der russische Grand Prix ist fast ein Grabstein für die Hoffnungen des Springenden Pferdes auf den Gewinn dieser Weltmeisterschaft.“ Auf Vettel wartet in Japan, wo er im Vorjahr wegen einer defekten Zündkerze ausschied, wahrlich keine leichte Aufgabe.