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Fairtrade-Markt in Homburg
Fairer Handel hat die Nische verlassen

Lebendig, bunt und geprägt von engagierten Ausstellern präsentierte sich der Fairtrade-Markt auf dem historischen Homburger Marktplatz.
Lebendig, bunt und geprägt von engagierten Ausstellern präsentierte sich der Fairtrade-Markt auf dem historischen Homburger Marktplatz. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. In Homburgs Innenstadt gab es am Wochenende viel zu erleben: Zum Ausklang des Musiksommers hat ein Fairtrade-Markt am Samstag die Besucher auf den Marktplatz gelockt. Dort wurde für die Ziele der Bewegung geworben.

Man könnte es sich einfach machen und den Fairtrade-Markt am vergangenen Samstag auf dem historischen Marktplatz schlicht als gute und wichtige Sache werten. Doch die Veranstaltung war weit aus mehr als ein Einblick in das, was fairen Handel ausmacht: Sie war hoch aktuell.

Das verdeutlichte Astrid Klug, die Organisationsleiterin des Vereins „Miteinander – Füreinander“ als Träger des Homburger Eine-Welt-Ladens, im Gespräch mit unserer Zeitung am Samstag. „Die Mütter aller Probleme sind Hunger, Armut und Krieg. Deswegen flüchten die Menschen. Und genau diese Probleme bekämpfen die Organisationen, die heute hier auf dem Marktplatz sind, mit ihrer Arbeit.“ Damit bezog Klug klar Stellung gegen die Aussage von Bundes-Innenminister Horst Seehofer, der die Migration als „Mutter aller Probleme“ bezeichnet hatte. Ein gerechtes Miteinander, das vor Ort Fluchtursachen bekämpfe, darum gehe es, so Klug. „Dass Menschen da, wo sie leben, eine wirtschaftliche Chance haben, dass sie nicht wegen Armut flüchten müssen, nicht wegen Hunger, nicht wegen Krieg – das hat sich der Eine-Welt-Laden auf die Fahnen geschrieben.“ Dabei sei es wichtig, ein Umdenken zu Gunsten eines fairen Handels von der Basis aus zu initiieren, so Klug, „das funktioniert nur, wenn das Engagement vieler dahinter steckt. Das muss aus der Gesellschaft kommen, sonst wird die Politik nicht reagieren. Es muss von unten wachsen.“

Was am Samstag deutlich wurde: Fairtrade ist in dieser Hinsicht auf einem guten Weg. Fand man vor mehr als 20 Jahren fair gehandelte Waren nur eben in den Eine-Welt-Läden, so gibt es sie heute in fast allen Supermärkten. Und drumherum hat sich eine Bewegung entwickelt, die sich auch zunehmend über die Frage nach einem fairen Konsum hinaus auch in der Gesellschaft verankert. So gibt es immer mehr Schulen und Kindergärten, die nach dem Grundsätzen des Fairtrade handeln und sich mit entsprechenden Projekten des Themas annehmen. So wie die Gemeinschaftsschule Kirkel, die für ihr Engagement am Samstag eine Auszeichnung erhielt. Gerade solcher Einsatz von Schulen und Kitas war deswegen inhaltlich einer der Schwerpunkte des Marktes am Samstag auf dem historischen Marktplatz. „Die Idee greift weiter um sich“, war sich Klug sicher.



An ihrer Seite beim Gespräch mit unserer Zeitung: Beate Ruffing von der Arbeitsgemeinschaft „Fairtrade“ beim Saarpfalz-Kreis und Gustl Altherr als Vorsitzender des Vereins „Miteinander-Füreinander“. Dieser Verein war der Veranstalter des Marktes. Eben dieser Markt, so Altherr, sollte am Samstag für den Gedanken und die Ziele von Fairtrade werben und anhand vieler praktischer Beispiele schildern, wie fairer Handel einen Ausgleich schaffen kann. Dass das Thema zunehmend in der breiten Bevölkerung ankommt, dafür sorge aus Sicht von Ruffing auch die inzwischen in ihrer Zahl wachsenden Bildungsangebote an Schulen und Kindertagsstätten. „Die Kinder und Jugendlichen tragen den Fairtrade-Gedanken in die Famiien hinein.“ Für den Saarpfalz-Kreis als offizieller Fairtrade-Kreis sei ein solcher Markt wie der am Samstag „enorm wichtig, um Gesicht zu zeigen und die Leute zu treffen, die hier auch aktiv sind.“ Dabei gehe es, wie Ruffing klar machte, nicht nur um den Konsum: „Es ist nicht nur das Produkt. Es geht darum die Leute dazu zu bringen, hinzuschauen und zu sehen, was auf der anderen Seite der Welt los ist und zu erkennen, warum wir die ganzen Migrationsbewegungen haben.“

Muss sich die Faitrade-Bewegung denn weiterentwickeln? Hierzu gab es von allen dreien die klare Aussage, dass „Faitrade nicht stehen bleiben darf“. Dafür sorgte am Samstag auch die Fairtrade-Stadt Homburg: Anke Michalsky als Verantwortliche für Fairtrade in der Verwaltung warb ebenso wie Klug, Ruffing und Altherr für die Ziele der Bewegung. Und dass diese Bewegung in Bewegung ist, davon kündete das Treiben in der Altstadt. Umrahmt vom Finale des Homburger Jazzfrühschoppens mit den Beer River Baskets aus Bierbach  galt es für die zahlreichen Besucher über den Tag hinweg, ein vielfältiges Angebot an Möglichkeiten zu erkunden, wie man als Verbraucher fair handeln kann, welche Organisationen sich wie und wo engagieren und wie man sich jenseits des eigenen Konsums selbst einbringen kann.