| 20:15 Uhr

Leichtathletik-WM in Doha
Geher werden zu „Meerschweinchen im Backofen“

Doha. Geher, die wie Untote durch die Nacht taumeln. Marathonläuferinnen, die am Ende ihrer Kräfte in Rollstühlen kauern. Die von brutaler Hitze geprägten Straßenrennen der Leichtathletik-WM in Doha werden als groteskes Schauspiel in Erinnerung bleiben. sid

"Da draußen haben sie uns in einen Backofen geschoben. Sie haben aus uns Meerschweinchen gemacht, Versuchstiere", sagte der französische Geher Yohann Diniz. Der 41-Jährige ist Weltrekordler und 50-Kilometer-Weltmeister von 2017 und weiß, was Leiden sind: Bei Olympia in Rio brach Diniz zusammen, Magen und Darm rebellierten, Diniz kämpfte sich ins Ziel. In Doha aber warf der härteste aller Geher nach 20 Kilometern das Handtuch. Beim Frauen-Marathon, ebenfalls bei 32 Grad und 73 Prozent Luftfeuchtigkeit ausgetragen, gaben 28 von 68 Starterinnen auf, 30 Läuferinnen mussten sich in medizinische Behandlung begeben.

"So etwas habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt", sagte der deutsche Geher Carl Dohmann, der beim Sieg des Japaners Yusuke Suzuki Siebter wurde: "Über diesen Wettkampf wird man noch in Jahrzehnten sprechen." Die sportliche Auswertung zeigt den ganzen Irrsinn: Suzuki blieb elf Minuten über der bislang schlechtesten WM-Siegerzeit, mit 4:04:50 Stunden 31 Minuten über der Goldmarke von Diniz zwei Jahre zuvor in London. Auch der von der Kenianerin Ruth Chepngetich gewonnene Marathon war der mit Abstand langsamste der WM-Geschichte.