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Straßburg
EU will Verbot von Trinkhalmen und Co.

Strohhalme aus Plastik soll es in Zukunft nicht mehr geben, wenn es nach dem Parlament der Europäischen Union geht.
Strohhalme aus Plastik soll es in Zukunft nicht mehr geben, wenn es nach dem Parlament der Europäischen Union geht. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Straßburg . Das EU-Parlament hat für Verkaufsverbote vieler Einwegartikel aus Plastik gestimmt. Die Belastung der Ozeane mit Kunststoff soll dadurch sinken. Von Detlef Drewes

Die Rettung der Weltmeere beginnt mit einem Trinkhalm aus Plastik. Denn etliche Milliarden solcher Plastikhalme landen im Wasser. Vorgestern billigte das Europäische Parlament in Straßburg seinen Aktionsplan, der aus Verkaufsverboten von Einwegartikeln aus Kunststoff, höheren Recycling-Quoten und mehr Abfallvermeidung besteht. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema:

Welche Plastikartikel sollen denn künftig verboten werden?



Dieses Verkaufsverbot betrifft vor allem Einwegartikel wie Trinkhalme aus Plastik, Watte- und Rührstäbchen für Kaffee, Plastikgeschirr und -bestecke sowie Ballonhalter. Es handelt sich mit anderen Worten um Produkte, die leicht aus anderen Werkstoffen hergestellt werden können. Denn ein Plastikteller, der ins Wasser gelangt, braucht mehr als 500 Jahre, ehe er abgebaut wird. Zusätzlich sprach sich das EU-Parlament dafür aus, auch aufgeschäumte Kunststoffe auf die Verbotsliste zu setzen, wie sie immer noch zu oft zum Transport von Nahrungsmitteln oder Essen im Einsatz sind.

Was ist mit den oft zitierten Bechern für einen Kaffee to go?

Solche Becher für Getränke, Eis, aber auch Boxen für Lebensmittel, sollen künftig aus wiederverwertbaren Materialen bestehen. Die Abgeordneten schlagen vor, dass bis 2025 diese Behälter zu 90 Prozent recycelbar sein müssen.

Wieso tauchen in den Plänen der EU auch Zigarettenstummel auf?

Zigarettenreste enthalten ebenfalls Kunststoffe. Experten zufolge kann ein einziger Stummel bis zu 1000 Liter Wasser verunreinigen. Deshalb soll der Müll aus diesen Zigarettenresten bis zum Jahr 2030 um 80 Prozent reduziert werden.

Wie will man die Hersteller denn dazu zwingen, weniger Plastikprodukte zu produzieren?

Bei einer ganzen Palette von Produkten werden die Hersteller künftig an den Kosten für die Beseitigung beteiligt. Außerdem sollen die Regierungen sie verpflichten, Hinweise auf den Verpackungen anzubringen, damit der Verbraucher erkennt, wie umweltbelastend oder -schonend die Ware ist, die er gerade kaufen will.

Wann tritt dieses Vorhaben in Kraft?

Der ursprüngliche Plan der Kommission, diese verschärften Vorschriften gegen Plastikmüll schon bis zur Europawahl 2019 in Kraft zu setzen, wird nicht aufgehen. Denn der Beschluss des Parlaments ist vorerst nur die Position der Abgeordneten für die nun folgenden Gespräche mit den Mitgliedstaaten. Selbst wenn diese zügig verlaufen, bekommen die EU-Länder noch zwei Jahre Zeit für die Umsetzung.

Gibt es auch Kritik an dem Aktionsplan gegen Plastikmüll?

Niemand bestreitet ernsthaft, dass die Weltmeere von Plastikresten zugemüllt werden und wertvolle Lebensräume für Fische und Pflanzen bedroht sind. Aber ein Verkaufsverbot bedeutet einen weitgehenden Eingriff in die Freiheit des Verbrauchers, hieß es gestern beispielsweise vom Centrum für europäische Politik in Freiburg. Dessen Experten argumentierten, dass hinter jedem achtlos weggeworfenen Plastikteller ein Mensch stehe, den man erreichen könne und müsse. Das sei wichtiger und einfacher. Außerdem wären Aufpreise für Kunststoffprodukte effizienter.