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Epidemie belastet Wirtschaft
EU-Firmen leiden unter Corona-Chaos

 Die Epidemie belastet die Wirtschaft rund um den Globus.
Die Epidemie belastet die Wirtschaft rund um den Globus. FOTO: dpa / Ng Han Guan
Peking. Trotz der Epidemie wollen europäische Unternehmen ihre Arbeit in China wieder aufnehmen. Doch das ist gar nicht so einfach. Von Andreas Landwehr (dpa)

Chinas radikale Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus sorgen für große Verwirrung und bereiten europäischen Unternehmen im Land enorme Probleme. Die EU-Handelskammer in China teilte am Dienstag in Peking mit, dass widersprüchliche Regeln lokaler Stellen es extrem schwierig machten, die Arbeit nach den – wegen des Virus verlängerten – Ferien über das chinesische Neujahrsfest wieder aufzunehmen.

„Das Ausmaß der Herausforderungen ist riesig“, sagte Kammerpräsident Jörg Wuttke. Lieferketten seien unterbrochen. Auch könnten Produkte nicht verschifft werden, was einen Berg von Papieren erfordere. „Es ist ein logistischer Alptraum“, erklärte Wuttke. Waren könnten nicht zu Firmenkunden und Verbrauchern transportiert werden. Wuttke appellierte an die chinesische Seite: „Hört auf, widersprüchliche Vorschriften im ganzen Land zu haben.“ Das Vorgehen der Behörden müsse besser abgestimmt und koordiniert sein, so die Forderung.

Eigentlich hatte Chinas Premier Li Keqiang schon vor einer Woche dazu aufgerufen, „die Arbeit wieder aufzunehmen“ und die Versorgung mit notwendigen Gütern sicherzustellen. Angesichts von inzwischen mehr als 70 000 Infektionen und fast 1900 Toten durch das offiziell Sars-CoV-2 genannte Virus sind die Maßnahmen zur Abschottung im Land aber eher noch verschärft worden. Der EU-Kammerpräsident geht davon aus, dass die schwere Gesundheitskrise in der zweitgrößten Volkswirtschaft „so schnell nicht vorbei“ sein wird.



Auch auf dem Weltmarkt kommt es zu Engpässen mit Ersatzteilen aus China. Da es kaum Flugzeuge und Schiffe gebe, könnten Waren nicht verschifft werden. Produkte „aus China herauszubekommen, ist herausfordernd“, sagte Wuttke. Da Chinas pharmazeutische Industrie ebenfalls schwer betroffen sei, könnte es weltweit zu Engpässen bei Antibiotika und anderen Medikamenten kommen.

Besonders kleine und mittelständische Unternehmen seien von der Krise schwer betroffen. Viele könnten vielleicht nur zwei bis drei schlechte Monate verkraften. So drohten Pleiten, wenn nicht der Staat mit Krediten und anderer Unterstützung zur Hilfe komme. „Wenn diese Krise noch einen Monat anhält, wird es verheerend für kleine Unternehmen“, sagte Paul Sives, Vertreter der EU-Kammer in Südwestchina.

Während einige Unternehmen wieder anfingen zu arbeiten, fehle es an Zulieferern. In einem Industriepark in seiner Region hätten erst fünf von 50 Unternehmen den Betrieb wieder aufgenommen. „Der Domino-Effekt ist katastrophal“, klagte Sives. Aber jeder lokale Bezirk habe seine eigenen Regeln, wie die Produktion wieder angefahren werden dürfe.

Einige örtliche Stellen verlangten beispielsweise, dass Mitarbeiter zwei neue Gesichtsmasken pro Tag anlegen müssten. Die Firma müsse einen Vorrat für zwei Wochen nachweisen. Andere Behörden forderten, dass Beschäftigte alle vier Stunden die Maske wechselten, was den Weg zu und von der Arbeit einschließe. Es gebe aber nicht genug Masken in China, was die Unternehmen daran hindere, die Arbeit wieder aufzunehmen.

Für viele Unternehmen sei die Epidemie ein „Weckruf“, sagte Wuttke. Es werde realisiert, dass die Abhängigkeit von China zu groß sei, „wenn dieses Land den Bach runtergeht“. So werde überlegt, „nicht alle Eier in ein Nest zu legen“ und in den nächsten Jahren stärker zu diversifizieren.

Zumindest die Autobauer Audi und BMW haben ihre Produktion in China nach eigenen Angaben wieder aufgenommen. Eine Audi-Sprecherin sagte, dass in allen Bereichen wieder Normalbetrieb erreicht sei.