| 22:20 Uhr

Norweger trifft wieder doppelt
Die Haaland-Show geht immer weiter

 Das „Phänomen“ Erling Haaland (links), hier mit dem ebenfalls stark spielenden Julian Brandt, verzückt Borussia Dortmund. Bei sieben Torschüssen traf der 19-jährige Norweger sieben Mal ins Schwarze.
Das „Phänomen“ Erling Haaland (links), hier mit dem ebenfalls stark spielenden Julian Brandt, verzückt Borussia Dortmund. Bei sieben Torschüssen traf der 19-jährige Norweger sieben Mal ins Schwarze. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Dortmund. 134 Minuten, sieben Tore: Mit Wunderknabe Erling Haaland hat sich Dortmund endgültig im Titelkampf zurückgemeldet. sid

 Bei der wilden Tanzeinlage seiner Mitspieler vor der feiernden Südtribüne hüpfte Erling Haaland noch ein wenig verhalten mit. Doch im Spiel ist das Sturmjuwel von Borussia Dortmund nicht zu stoppen. Sieben Treffer bei sieben Schüssen aufs Tor in 134 Minuten – mit seiner unfassbaren Quote hat Haaland dem vor der Winterpause schwächelnden BVB endgültig den Glauben im packenden Titelkampf der Fußball-Bundesliga zurückgegeben.

„Das ist absolut ein fantastisches Gefühl“, sagte der eiskalte „Killer“ mit dem Babyface nach seinem Doppelpack beim 5:0 (2:0) gegen den teilweise überforderten Aufsteiger Union Berlin: „Ich genieße das.“

Zu sehr wollte Haaland seine Treffer Nummer sechs und sieben für die Schwarz-Gelben (18. und 76.) aber nicht feiern, obwohl ihm seine Familie von der Tribüne zujubelte. „Es ist ein normaler Samstag, ich gehe früh schlafen“, sagte der „Partymuffel“ nach seiner äußerst gelungenen Startelf-Premiere und versetzte die kommenden Gegner in Angst und Schrecken: „Ich muss noch fitter werden – bei 100 Prozent bin ich noch nicht.“



Bei den Fans ist Haaland jedenfalls schon nach drei Einsätzen zum Publikumsliebling avanciert. Bei seiner Auswechslung unmittelbar nach seinem zweiten Treffer erhoben sich die BVB-Anhänger von ihren Sitzen und brüllten mehrfach seinen Namen.

Seine Mitspieler und die Verantwortlichen verzückt der 19-Jährige ebenfalls wöchentlich. „Er hat diese Gier, unbedingt Tore erzielen zu wollen“, erklärte Kapitän Marco Reus das Phänomen Haaland. Sportdirektor Michael Zorc hat bei dem Winter-Neuzugang eine „besondere Kombination aus körperlicher Robustheit, feiner Technik und ungeheurem Speed“ festgestellt, „das ist selten“.

Aber nicht nur Haaland lässt den BVB vom ersten Meistertitel seit acht Jahren träumen, dabei stand Neuzugang Emre Can (kam von Juventus Turin) noch nicht im Kader. Neun Punkte, 15 Tore – besser hätte der Start in die Rückrunde für die Mannschaft von Trainer Lucien Favre nicht verlaufen können. Der Abstand zum neuen Tabellenführer Bayern München beträgt nur drei Zähler.

Zorc monierte nach der schnellen 2:0-Führung allerdings „einen Spannungsabfall“. Gegen stärkere Gegner könne das bestraft werden, so der Sportdirektor. Nicht aber gegen schwache Berliner, bei denen der langjährige Dortmunder Neven Subotic nach Spielschluss von den BVB-Anhängern ebenso gefeiert wurde wie Haaland. Letzterer ist für Subotic „ein Mix aus Lewandowski und Aubameyang. Und das ist ein ganz großes Kompliment“.

Ein besonderer Tag war es auch für Jadon Sancho (19). Der englische Jungstar traf beim Schützenfest zur Führung (13.), ehe auch Reus (68., Foulelfmeter) und Axel Witsel (70.) jubelten. Sancho ist damit der erste Spieler, der vor seinem 20. Geburtstag 25 Tore in der Bundesliga erzielt hat. Doch die Gefahr für die Bestmarke lauert in den eigenen Reihen. „Das ist unfassbar, aber vielleicht schafft Erling das auch noch“, scherzte Zorc. Der Norweger muss sich aber beeilen. Er hat am 21. Juli Geburtstag. Ihm bleiben also noch 14 Ligaspiele für 18 Tore.