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Türkei-Abkommen
Erdogans Forderung ist legitim

 Seibert
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Dass Erdogan den Druck auf die EU erhöht, hat etwas damit zu tun, dass die Türkei mehr Geld aus Europa will – das ist legitim für ein Land, das seit Jahren die Hauptlast des syrischen Flüchtlingsproblems trägt. Von Thomas Seibert

Die sechs Milliarden Euro an Finanzhilfe, die Brüssel der Türkei im Flüchtlingsabkommen zusagte, sind fast aufgebraucht. Dieses Abkommen will Erdogan nicht aufkündigen. Seine eigene Regierung räumt ein, dass die Türkei ohne den Pakt als Transitland von Millionen Flüchtlingen aus Zentralasien, Nahost und Afrika überschwemmt würde. Die Türkei will die Syrer nicht nach Europa schicken, sondern zurück nach Syrien. Erdogan muss handeln, weil immer mehr türkische Wähler die Syrer nicht mehr im Land haben wollen. Sein Plan zur Massenansiedlung von bis zu drei Millionen Flüchtlingen in einer „Sicherheitszone“ in Syrien ist eine Reaktion darauf. Dafür braucht Erdogan die Hilfe Europas.

Erdogan verfolgt türkische Interessen in einer schwierigen Lage – das ist sein gutes Recht.