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Istanbul
Erdogan feuert Notenbankchef

Istanbul. Türkischer Präsident kritisiert dessen Weigerung zur Senkung der Zinsen.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat unter Protest von Opposition und Wirtschaftsexperten den Chef der Zentralbank abgesetzt. Ein Erlass war am Samstag im Staatsanzeiger veröffentlicht worden. Murat Cetinkaya, der den Posten seit April 2016 innehatte, werde durch seinen bisherigen Stellvertreter Murat Uysal ersetzt, hieß es darin.

Die Zeitung „Hürriyet“ berichtete gestern, Erdogan habe nach der Entscheidung vor Abgeordneten seiner Partei gesagt: „Wir haben ihm auf Wirtschaftstreffen immer wieder gesagt, dass er die Zinsen senken soll. Wir haben gesagt, wenn die Zinsen sinken, sinkt auch die Inflation. Er hat aber das Nötige nicht getan.“ Seit Monaten setzt Erdogan die türkische Zentralbank unter Druck und verlangt niedrigere Zinsen. Entgegen der gängigen Wirtschaftslehre ist er der Auffassung, dass ein hoher Leitzins nicht ein Mittel gegen die Inflation ist, sondern eine Ursache. Die Zentralbank hatte den aktuellen Leitzins von 24 Prozent seit September beibehalten, um gegen die hohe Inflation anzukämpfen.

Im Sommer 2018 hatte ein Zerwürfnis mit den USA zu einer Währungskrise geführt. Die USA hatten die türkische Wirtschaft damals mit Strafzöllen und Sanktionen torpediert. Der Kurs der Lira brach ein. Im Oktober kletterte die Teuerungsrate zum ersten Mal seit 15 Jahren auf über 25 Prozent. Seitdem ist sie allerdings gesunken und lag im Juni 2019 bei 15,72 Prozent, wie das Statistikamt in Ankara mitteilte.



Der Türkei-Experte Timothy Ash von Blue Bay Asset Management twitterte am Samstag in einer ersten Reaktion von einer „idiotischen“ Entscheidung. „Die Glaubwürdigkeit der Notenbank ist schon beim Teufel – diese Entscheidung wirft sie nur weiter zurück.“ Sollte Cetinkayas Nachfolger die Leitzinsen so stark senken wie Präsdent Erdogan das wünsche, werde die Lira kollabieren, prognostizierte der Türkei-Experte.