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Mehr als 80 Filme
Hollywood trauert um einen seiner größten Stars

New York. Er war eine der letzten Legenden der goldenen Leinwandära – Der verstorbene „Spartacus“-Held Kirk Douglas probte auch im echten Leben den Widerstand gegen die Tyrannei.

Kirk Douglas‘ Lebensgeschichte liest sich wie ein Lehrstück des amerikanischen Traums. Ein Sohn eines Lumpensammlers kämpft sich an die Hollywood-Spitze, erfindet sich immer wieder neu, scheut dabei weder Risiken noch Widerstände. Nun ist Douglas im Alter von 103 Jahren gestorben, wie sein nicht minder berühmter Sohn Michael Douglas auf Instagram bestätigte.

Douglas galt als einer der größten Filmstars des 20. Jahrhunderts. In mehr als 80 Filmen wirkte er mit, etwa im Klassiker „Spartacus“ von 1960, dem Biopic „Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft“ und dem Western „Zwei rechnen ab“. Douglas arbeitete mit einigen der größten Hollywood-Regisseure wie Vincente Minnelli, Billy Wilder, Stanley Kubrick und Elia Kazan.

Als Issur Danielovitch wurde Douglas in eine verarmte jüdische Familie russischer Herkunft in Amsterdam im Staat New York hineingeboren. Sein Name sollte in der Folge etliche Wandlungen durchmachen. Bis zu seinem Abschluss an der St. Lawrence University war er als Isidore Demksy bekannt. An der Schauspielschmiede American Academy of Dramatic Arts in New York wurde er ein Douglas – weil er wollte, dass sein Nachname mit einem „D“ beginnt und ihm der harte Klang von Kirk gefiel.



Ab dem Jahr 1941 ergatterte er eine Reihe von Kleinrollen am New Yorker Broadway und diente kurzzeitig in der US-Marine. Seinen Durchbruch im Film feierte Douglas dann als skrupelloser Boxer im Drama „Zwischen Frauen und Seilen“.

Fortan hatte Douglas in Hollywood den Ruf des Proleten, wie er im Interview der Nachrichtenagentur AP beklagte.

Das Image hielt sich, obwohl er van Gogh spielte: Bei den Dreharbeiten zum Film über das tragische Leben des Ausnahmemalers habe er sich derart in seine Rolle hineingesteigert, dass er befürchtet habe, selbst Suizidgedanken zu entwickeln, erinnerte sich Douglas. John Wayne habe ihn damals zudem angebellt, warum er „einen solchen Part“ spiele. „Wir müssen starke, taffe Figuren spielen. Nicht solche schwachen Schwuchteln“, zitierte er den Westernstar. Douglas antwortete: „Hey, John, ich bin ein Schauspieler. Ich mag es, interessante Rollen zu spielen. Es ist nicht echt. Du bist auch nicht wirklich John Wayne, weißt Du.“

Seine Schauspielkarriere begann Douglas einst auf dem Höhepunkt der großen Filmstudios der Traumfabrik. Nach einer Reihe erfolgreicher Rollen wagte er sich im Jahr 1955 an die Gründung einer eigenen Produktionsfirma, Bryna Productions. Später hob er ein zweites Unternehmen aus der Taufe. Viele seiner Filme, darunter Kubricks Antikriegsfilm „Wege zum Ruhm“, der Abenteuerfilm „Die Wikinger“, das Drama „Einsam sind die Tapferen“ und der Politthriller „Sieben Tage im Mai“ wurden von seinen Produktionsfirmen realisiert.

Auch politisch bezog Douglas Stellung. Besonders stolz war er auf sein Eintreten gegen Hollywoods Schwarze Liste, die zu Beginn des Kalten Krieges auf Filmschaffende abzielte, die prokommunistischer Aktivitäten verdächtigt wurden. Douglas nannte den Ex-Sozialisten und Oscar-Gewinner Dalton Trumbo ganz offen als Drehbuchautoren im Abspann zum Filmepos „Spartacus“. Oft rühmte sich Douglas, mit der Aktion der Schwarzen Liste den Boden entzogen zu haben – was ihm den Vorwurf der Selbstgefälligkeit einbrachte. „Jeder riet mir, es nicht zu tun, weil man in dieser Stadt nie wieder arbeiten können würde und so was“, sagte er über sein politisches Spartacus-Manöver. „Aber ich war jung genug, um zu sagen: „zur Hölle damit.“

In den 60er Jahren verlor seine Filmkarriere an Schwung. Nach einigen TV-Produktionen in den 70ern und 80ern verlegte er sich aufs Schreiben. Es entstanden seine Memoiren „The Ragman‘s Son“ („Der Sohn des Lumpensammlers“) und mehrere Romane. Zudem galt er als einer der großzügigsten Wohltäter Hollywoods, Millionen spendeten er und seine zweite Frau Anne an verschiedene Initiativen und Einrichtungen.

Douglas ist Träger der Ehrenmedaille Presidential Medal of Freedom, das amerikanische Filminstitut ehrte ihn für sein Lebenswerk. Doch blieb ihm ein Oscar-Trophäe für eine Filmrolle verwehrt, obwohl er drei Mal für eine der begehrten Trophäen nominiert war. 1996 verlieh die zuständige Filmakademie ihm immerhin einen Ehrenoscar.

Sein Sohn Michael sorgte ebenfalls als Schauspieler in Hollywood für Furore – und überflügelte Vater Kirk sogar mit einem Projekt, auf das dieser zuerst ein Auge geworfen hatte. Seit Jahren hatte Kirk Douglas die Idee verfolgt, Ken Keseys Kultroman „Einer flog über das Kuckucksnest“ zu verfilmen. In den 1970er Jahren gab er schließlich auf und ließ es Michael versuchen. Der Junior produzierte letztlich einen Klassiker mit Jack Nicholson in der Hauptrolle, der 1976 die Oscar-Gala dominierte. Der Film räumte in allen fünf Hauptsparten ab.

1996 erlitt Kirk Douglas einen Schlaganfall, der seine Filmkarriere endgültig zu beenden schien. Doch drei Jahre später kehrte er mit einer Rolle in der Komödie „Diamonds“ zurück, nachdem er durch den Anfall erlittene Sprachprobleme überwunden hatte. „Ich dachte, ich würde erst wieder einen Film machen, wenn Stummfilme zurückkommen“, scherzte er damals. Dabei wollte er eigentlich gar kein Hollywoodstar werden, wie er 2009 der Nachrichtenagentur AP bekannte. „Mein Ziel im Leben war es, ein Star auf der (Theater)-Bühne zu sein. Jetzt weiß ich, wie man es anstellt. Baue dein eigenes Theater.“