| 20:33 Uhr

Interview Dudenhöffer
„Das nur an SUV aufzuhängen, ist reine Propaganda“

 Ferdinand Dudenhöffer lehrt Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen.
Ferdinand Dudenhöffer lehrt Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen. FOTO: dpa-tmn / Jan Schürmann
Berlin. Der Experte für Automobilwirtschaft warnt davor, die Trend-Geländewagen nach dem Unfall in Berlin an den Pranger zu stellen. Von Hagen Strauss

Nach dem schweren Unfall mit mehreren Toten in Berlin ist eine Debatte um den SUV entbrannt. Der Unglücksfahrer fuhr einen solchen Wagen. Die Fahrzeuge seien aber nicht gefährlicher als andere, sagt der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen.

Herr Dudenhöffer, sind SUV besonders gefährlich?

DUDENHÖFFER Ein SUV ist genauso gefährlich wie ein Transporter, wie eine Großraumlimousine, wie ein Touran, ein Zafira oder ein Sharan. Soll heißen: Es ist höchst bedauerlich, dass dieser Unfall geschehen ist. Aber er hätte genauso gut mit einem anderen Fahrzeug passieren können. Das jetzt nur an dem Namen SUV aufzuhängen, ist reine Propaganda und keine Beurteilung von Fakten.



Es gibt Forderungen nach einem Verbot in den Städten oder einer Obergrenze. Ließe sich das überhaupt durchsetzen?

DUDENHÖFFER Nein. Das ist nicht umsetzbar und im höchsten Maße populistisch. Sowohl die Deutsche Umwelthilfe als auch viele Politiker in unterschiedlichen Parteien nutzen das schlimme Ereignis und den SUV für ihre Ziele. Es gibt weniger als fünf Prozent der Riesen-Autos unter allen SUV. Unter dem Strich kommen für die Hersteller durch die in Europa verkauften Monster-SUV kaum Gewinne herein. Die deutschen Autobauer sind auch aufgefordert, nicht den amerikanischen Weg zu gehen, wo die Fahrzeuge immer größer werden. Das bringt nur Unruhe und erzeugt mehr Schaden als Gewinn.

Was bedeutet die Debatte für die Automobilindustrie?

DUDENHÖFFER Die ganze Diskussion schadet ihr. Übrigens auch denen, die sie politisch führen und Fakten verdrehen. Denn es werden Reizbilder geschaffen, damit man konfrontativ argumentieren kann. Wichtig ist doch, einen Ausgleich zu finden zwischen individueller Mobilität und der Klimaverträglichkeit. Mit mehr Elektroautos, auch mit Elektro-SUV, wäre das möglich.

Warum ist der SUV eigentlich so beliebt?

DUDENHÖFFER Diese Fahrzeuge haben große Vorteile für die Käufer. Man hat eine bessere Übersicht und ein höheres Sicherheitsgefühl. Sie sind ergonomisch vorteilhaft für Ältere, denn die meisten Käufer sind um die 55 Jahre alt. Und ein SUV hat eine große Ladekapazität. Kurzum: Dieses Auto ist inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ein Drittel der Neuwagen sind derzeit SUV, erstmals werden in diesem Jahr in Deutschland mehr als eine Millionen neu zugelassen werden.

Welche Rolle spielt die höhere Leistung?

DUDENHÖFFER Die hat ein solches Fahrzeug nur unter Umständen. Denn es gibt mittlerweile viele kleine SUV, die Kompakten und die der Mittelklasse. Ein SUV ist also nicht immer ein Riesenmonster. 52 Prozent aller, die in den ersten vier Monaten des Jahres 2019 zugelassen wurden, waren lediglich so lang wie ein Golf oder kürzer.