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Straßenverkehr
Digitalisierung soll Staus vermeiden

Mainz. Rheinland-Pfalz will mit digitalen Daten Staus und halbherzig geplante Sperrungen verhindern. Die zündende Idee dazu kam Verkehrsminister Volker Wissing im Auto. Von Florian Schlecht

Fährt ein Mitarbeiter den Minister mitten in eine Baustelle, kann das für Ärger sorgen – oder für eine zündende Idee. Volker Wissing entschied sich für Zweiteres, als er sich im Mai 2016 von der Südpfalz nach Mainz fahren ließ, um seinen Dienst als rheinland-pfälzischer Verkehrsminister anzutreten. Der Fahrer steuerte damals mitten in eine Baustelle, die das Navigationsgerät nicht anzeigte. „Viele Autofahrer sind in solchen Momenten aufgeschmissen – Pendler, Lkw-Fahrer, Geschäftsleute“, sagt der FDP-Mann heute, wenn er die Geschichte erzählt.

Das Problem: Daten über Sperrungen und Baustellen liegen zwar vor, weil öffentliche Stellen sie genehmigen müssen. Aber eben nicht digital. Meist regierten bei der Dokumentation noch Papier und Schere, heißt es aus dem Mainzer Verkehrsinisterium. Auf einer Linie – oder wie es im schönen Bürokraten-Deutsch heißt: standardisiert – seien die Daten bislang ohnehin nicht.

Der Minister nahm die verkorkste Tour zum Anlass, das zu ändern. 2019 sollen Kommunen und Verkehrsverbünde nun im besten Fall eine neue digitale Software einsetzen, die es ermöglicht, jede Sperrung in Rheinland-Pfalz zu erfassen – von der Baustelle bis hin zur vorübergehend nicht befahrbaren Straße beim Weinfest. Von den Daten sollen Autofahrer und Unternehmer profitieren, indem Betreiber von Navigationsgeräten oder interaktiven Karten diese im besten Fall in ihre Endgeräte einspielen und diese bei Fahrten verfügbar sind.



Michael Bültmann, Geschäftsführer der Navigations-App Here, sagt, bei kleineren Straßen als Autobahnen bestehe bislang eine Lücke. Rheinland-Pfalz hat alleine bei Kreisstraßen ein Netz von gut 7000 Kilometern.

Doch nicht nur das. Hoffnung hegt Wissing auch, dass übersichtliche Daten dafür sorgen, Baustellen zwischen Nachbarkreisen regional besser zu planen, zu verteilen und diese so nicht mehr auf wenigen Kilometern zu häufen. Massive Behinderungen des Verkehrs könnten so eingeschränkt werden. Das Land will den Kommunen das Programm im kommenden Jahr kostenlos bereitstellen und Mitarbeiter schulen. Herbert Fuss, Leiter der Abteilung Technik und Verkehr beim ADAC Mittelrhein, ist gespannt auf das Projekt. „Wir befürworten alles, was dazu beiträgt, Baustellen und Staus zu vermeiden“, sagt er. Die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsabgeordnete Gabriele Wieland sagt, eine zentrale Datenbank könne bei einem besseren Baustellenmanagement sicherlich helfen.

Ein Allheilmittel sei die Plattform aber nicht, warnt die verkehrspolitische Sprecherin der CDU, die einen anhaltenden Sanierungsstau bei Straßen und Brücken im Land kritisiert. Wieland fordert mehr Investitionen in Infrastruktur. Die CDU-Politikerin sagt: „Je länger Herr Wissing diese aufschiebt, desto größer werden die Schäden und damit nicht nur die Kosten, sondern auch die notwendigen Baumaßnahmen, Sperrungen und Staus.“