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Ballett am Staatstheater
Die vielen Gesichter des Bösen

 Sie geben ihr Debut in Saarbrücken: Pascal Schut als dunkler Prinz und Mahomi Endoh in der Titelrolle des Dornröschen.
Sie geben ihr Debut in Saarbrücken: Pascal Schut als dunkler Prinz und Mahomi Endoh in der Titelrolle des Dornröschen. FOTO: Martin Kaufhold
Saarbrücken. Am Samstag hat „Dornröschen“ im Saarländischen Staatstheater Premiere. Stijn Celis kündigt eine verdichtete Fassung des berühmten Tschaikowsky-Balletts an. Von Esther Brenner

In seiner vierten Saison am Saarländischen Staatstheater widmet sich Ballettdirektor Stijn Celis nach seinem Einstandswerk „Peer Gynt“ mit „Dornröschen“ wieder einem bekannten Märchenstoff. „Ich wollte einen festlichen Akzent setzen zum Beginn der neuen Intendanz von Bodo Busse“, sagt er. Und so wählte er die „bombastische“ Musik Tschaikowskys und eines der bekanntesten und beliebtesten Ballette der Welt. „Dornröschen“ in der Choreografie von Marius Petipa, wurde 1890 am Mariinski-Theater in St. Petersburg uraufgeführt: pompöse Kostüme, viel Tüll, Prunk und Spitzentanz. So wird es heute noch gerne vom Russischen Staatsballett auf die Bühne gebracht.

Wie viele andere zeitgenössische Choreografen, hat nun auch Stijn Celis den süßlichen Märchenstoff vom Zuckerguss befreit. Seine Inszenierung findet in einem Kriegskontext statt. „Ich spanne mehrere epische Bögen bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges hinein, es gibt einige Zeitsprünge“, verrät er. Sein Ausgangspunkt: Unter den Menschen herrscht Zwietracht – die böse Fee Carabosse („Discordia“) verkörpert sie. Ein einziger Tänzer – Pascal Schut aus den Niederlanden wird sein Debut in Saarbrücken geben – wird alle „bösen Rollen“ tanzen, ist Carabosse, aber auch die Mutter und der dunkle Prinz, den sie gebiert und dem Aurora, das „Dornröschen“, kurzzeitig verfällt. Mutter und Prinz hat Celis hinzugefügt, denn das Böse hat bekanntlich viele Gesichter. Die gemeine Mutter-Figur, bei Celis wird sie auch im „Dornröschen“ von einem Mann getanzt, wie schon in seiner „Cinderella“-Version, mit der der Belgier sich 2012 erstmals als Gast-Choreograf am Staatstheater vorstellte.

Dem Kampf zwischen Gut und Böse ist Celis auf der Spur, aber er möchte auch eine Familiengeschichte erzählen, wie er sagt. Um das Thema zu verdichten, hat der Choreograf die Partitur auf eineinhalb Stunden eingedampft und damit um die Hälfte gekürzt. „Tschaikowskys Musik ist sehr spannend, ruft große Gefühle hervor“, so Celis. Damit sie in seinem Stück funktioniert, habe er sich die Freiheit genommen, bestimmte musikalische Teile neu zusammenzustellen.



Ganz verzichten auf bekannte Elemente des „Dornröschen“ müssen die Zuschauer nicht. Es wird Spitzentanz in reduzierter Form geben und natürlich hat Celis aus der berühmten Petipa-Choreografie zitiert. Und doch werde sein „Dornröschen“ ein eher düsteres sein, das die schwarze, dunkle Seite des Menschen erkundet, dem Zauber aber Raum lässt und dem Mädchen – im Märchen ja eher der Opfertyp – eine aktive Rolle zuweist. In der Titelrolle wird ein weiterer Neuzugang zu sehen sein: die Japanerin Mahomi Endoh. Sie war zuletzt Solotänzerin bei den „Grands Ballets de Canadiens de Montréal“ und hat schon zuvor mit Celis gearbeitet, der zwei Solostücke für sie kreierte.

Premiere: Samstag, 30. September, 19.30 Uhr. Karten unter Tel. (06 81) 30 92 486.