| 22:14 Uhr

3. Fußball-Liga
Die neue Leidenschaft des FCK begeistert

Muskelspiel: Kaiserslauterns Siegtorschütze Janek Sternberg (rechts) jubelt mit seinen Teamkameraden über den späten Treffer zum 2:1-Erfolg gegen Aufsteiger 1860 München. Sternberg ist einer von 22 FCK-Neuzugängen.
Muskelspiel: Kaiserslauterns Siegtorschütze Janek Sternberg (rechts) jubelt mit seinen Teamkameraden über den späten Treffer zum 2:1-Erfolg gegen Aufsteiger 1860 München. Sternberg ist einer von 22 FCK-Neuzugängen. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Kaiserslautern. Die Fans strömen in Massen zum Lauterer Betzenberg und feiern mit dem völlig neuformierten Team einen wichtigen Auftakterfolg in der 3. Fußball-Liga gegen 1860 München. Abwehrspieler Sternberg trifft kurz vor Schluss. dpa/sid

Ausgelassener Jubel wie bei einem Titelgewinn und eine Kulisse, von der andere im Europapokal träumen: Der 1. FC Kaiserslautern hat seine Fans gleich in seinem ersten Drittliga-Spiel euphorisiert und vor 41 324 Zuschauern einen umjubelten Auftaktsieg gegen den TSV 1860 München gefeiert. „Gott sei Dank haben wir es geschafft, den fantastischen Fans noch das Tor zu schenken“, sagte Trainer Michael Frontzeck nach dem späten Erfolgserlebnis beim 1:0 gegen die aus der Regionalliga aufgestiegenen „Löwen“.

Die erstligareife Kulisse war nicht nur Rekord für einen Saisonstart der 3. Liga, sondern auch die dritthöchste Zuschauerzahl in deren Geschichte. Nur die Aufstiege von Fortuna Düsseldorf (2009) und RB Leipzig (2014) zogen mit 50 095 beziehungsweise 42 713 Zuschauern mehr Aufmerksamkeit auf sich als der fulminante Start in die Liga der Traditionsclubs. „Schon beim Aufwärmen war die Atmosphäre der Wahnsinn“, sagte der eingewechselte Timmy Thiele nach dem Auftaktsieg der Telekom.

Die leidenschaftliche Partie weckte bei den Fans Begeisterung. Von Krise und Verdruss nach dem Abstieg keine Spur, stattdessen möchte eine ganze Fußball-Region schnell wieder zurück in die 2. Bundesliga. „Wenn ich mir einen Spielverlauf hätte wünschen dürfen, dann wäre es genauso gewesen, wie meine Mannschaft das heute auf den Platz gebracht hat“, sagte Frontzeck. Kampf, Leidenschaft, Chancen – und die sportliche Erlösung durch Janek Sternberg in der 88. Minute. „Ich bin erleichtert, dass es so geklappt hat. Jeder wusste, was für ein Druck auf uns lastete. Die Erwartungen sind groß“, sagte der Torschütze.



Wie groß die Euphorie rund um den Betzenberg ist, zeigt auch ein Vergleich mit dem letzten FCK-Heimspiel gegen die Münchner. Obwohl im August 2003 noch Größen wie Miroslav Klose, Benjamin Lauth und Tim Wiese mitspielten, waren nur 35 629 Zuschauer auf den „Betze“ gekommen, deutlich weniger als zum Start in das Abenteuer Drittklassigkeit. „Gerade vor so einer Kulisse hätten wir uns einen Punkt verdient gehabt“, behauptete 1860-Stürmer Sascha Mölders.

Der Heimvorteil und die großen Emotionen sollen für den FCK zum großen Trumpf im Kampf um den Aufstieg werden. „Der Moment vor dem Tor – pure Gänsehaut, auch jetzt noch“, berichtete Thiele nach Spielschluss. Mannschaft und Fans erscheinen wieder wie eine Einheit, all die Turbulenzen aus Zweitliga-Zeiten scheinen nach dem Abstieg vergessen. „Ich hoffe, dass wir regelmäßig vor solchen Kulissen antreten können“, sagte der 26 Jahre alte Thiele, der aus Jena kam.

Einen Traumstart erwischte auch Preußen Münster. Das Team von Trainer Marco Antwerpen siegte bei Fortuna Köln mit 4:1 (2:0) und übernahm die Tabellenspitze. Dahinter folgt der FSV Zwickau, der im Ostduell mit 2:0 (2:0) gegen den Halleschen FC gewann. Der Vorjahresvierte SV Wehen Wiesbaden bezwang den VfR Aalen mit 2:1 (0:0). Der VfL Osnabrück drehte die Partie gegen die Würzburger Kickers und siegte mit 2:1 (0:1), Carl Zeiss Jena gewann 3:2 (1:1) gegen die SG Sonnenhof Großaspach.

Schon am Freitagabend hatte sich Zweitliga-Absteiger Eintracht Braunschweig mit einem 1:1 (0:1) gegen den Karlsruher SC in die 3. Liga eingeführt. Nach dem intensiven Duell herrschte Zufriedenheit auf beiden Seiten. „Trotz des Rückstands haben wir es gut gemacht und immer weitergespielt“, sagte Braunschweigs Mittelfeldspieler Steffen Nkansah. KSC-Trainer Alois Schwartz meinte: „Insgesamt haben wir den Punkt verdient mitgenommen.“