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Ringen in Erbach
Die Ringer fangen wieder ganz klein an

 Bei der KSG 08 Erbach hat sich der Schwerpunkt der Vereinsaktivität auf eine umfangreiche Nachwuchsförderung verlagert.
Bei der KSG 08 Erbach hat sich der Schwerpunkt der Vereinsaktivität auf eine umfangreiche Nachwuchsförderung verlagert. FOTO: Stefan Holzhauser
ERBACH. Bei der KSG 08 Erbach ruht der Aktiven-Betrieb, dafür wird aber ein umfangreiches Nachwuchstraining geboten.

In den vergangenen Jahren ist es um die Ringer der KSG 08 Erbach ziemlich ruhig geworden. Das letzte Mal hatten die Erbacher im Jahr 2017 eine Aktiven-Mannschaft in der Oberliga an den Start gebracht. Am Saisonende landete die KSG auf dem vorletzten Tabellenplatz. Bereits in der damaligen Saison gab es etliche Kampfabsagen aus personellen Gründen. Und so überraschte die Nachricht vom 2. Mai 2018, dass die Erbacher ihre Mannschaft mit sofortiger Wirkung zurückgezogen haben, nur noch Außenstehende. Die Personalsituation gab es einfach nicht mehr her. Bei den Konkurrenten wurde diese Meldung mit teilweise großem Bedauern zur Kenntnis genommen, verlor man doch einen Gegner, der über Jahrzehnte hinweg bei seinen Auftritten die Sporthallen gefüllt hatte. Auch viele Einzelringer hatten aufgrund ihrer großen Erfolge für positive Schlagzeilen gesorgt.

Auch in der kommenden Ringer-Saison wird man den Namen KSG 08 Erbach vergeblich in einer Ligeneinteilung suchen. Allerdings ist das Vereinsleben keineswegs eingeschlafen. So findet beim Traditionsclub zwei Mal wöchentlich ein umfangreiches und intensives Nachwuchstraining statt. Viele frühere Aktivenringer haben ihren eigenen Nachwuchs im Training angemeldet oder engagieren sich sogar selbst als Trainer. Beim Besuch unserer Zeitung in der Sporthalle der Erbacher Luitpoldschule war mächtig was los. Auf und neben der Matte herrschte reges Treiben. Die Eltern bringen ihren Nachwuchs zahlreich ins Training und sind froh, dass sich ihm qualifizierte Trainer annehmen.

„Es kommen immer mehr Kinder ins Training, aber bei den Erwachsenen ist nicht mehr viel los. Es ist der Lauf der Dinge, wie er eigentlich auch normal ist. Unsere Probleme hatten eigentlich bereits zehn Jahre vor der Abmeldung angefangen, da wir damals einfach lange Zeit keine Halle hatten. Der gesamte Jugendbereich, der in dieser Zeit hätte aufgebaut werden müssen, der ist schlicht und einfach nicht vorhanden“, sagt Maik Stricker aus dem Erbacher Trainerteam. Und so konnten später die beruflich, alters-, wechsel- oder familiärbedingten Verluste im Aktivenbereich einfach nicht mehr überbrückt werden.



Nun findet dienstags und freitags von 17.30 bis 19 Uhr jeweils in der Luitpoldschule ein Nachwuchstraining statt. „Im Prinzip laufen hier Mädchen und Jungs herum, die gerade mal laufen können. Für die ganz Kleinen wird etwas Separates aufgebaut. Und die etwas Größeren – so ab vier oder fünf Jahre – gehen bereits auf die Matte. Da ist das Training bereits etwas spezifischer, aber eben alles im Rahmen dieser Altersklasse“, betonte Stricker. Es werde auch kein Elternteil dazu gezwungen, sich direkt anzumelden. Ein mehrmaliges Hineinschnuppern in den Trainingsablauf sei selbstverständlich. „Für uns steht im Vordergrund, dass die Kinder hier viel Spaß haben – alles Weitere entwickelt sich dann mit der Zeit von ganz alleine“, betonte der Trainer. Wer später so weit ist und es auch will, kann dann auch an Turnieren teilnehmen. Weiterhin gehören dem Trainerteam Harald Widmann und Daniel Scheck an.

„Ringen ist ein ganzheitliches Training. Wir laufen und machen Akrobatik. Bei den Kleinen fängt das mit den turnerischen Elementen wie beispielsweise einem Purzelbaum an. Es gibt bei uns viel Koordination. Man muss ja wissen, wie man bei Bedarf zu fallen hat“, meinte Stricker. Und darüber hinaus sorge natürlich auch der Wettkampf an sich für große Freude.

Derzeit fehle zwar etwas das mediale Interesse, aber alles sei eigentlich einfacher geworden. „Der Druck zum Wochenende hin fehlt. Früher musste oft noch kurzfristig Gewicht gemacht werden. Zum Wochenende hin hatte man sich als Trainer gar nicht mehr getraut, ans Telefon zu gehen, da jede Absage quasi tödlich sein konnte. Man war ja immer auf jeden Mann angewiesen. Heute machen wir das mittlerweile aus reinem Spaß“, sagte der Trainer. Man biete jedes Jahr eine Jahreseröffnungsfeier an und gehe im Sommer gemeinsam zelten.

 Das Erbacher Trainerteam um Daniel Scheck, Harald Widmann und Maik Stricker (von links).
Das Erbacher Trainerteam um Daniel Scheck, Harald Widmann und Maik Stricker (von links). FOTO: Stefan Holzhauser