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Agrar
Die große Dürre und wer was bekommt

FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Berlin . Ministerin Klöckner will mit Millionen-Programm den Bauern helfen – Länder müssen mitziehen. Von Hagen Strauss

Die Pressekonferenz von Julia Klöckner (CDU) dauerte sechs Minuten, als der Satz fiel, der bisher wohl der wichtigste in ihrer fünfmonatigen Amtszeit als Landwirtschaftsministerin gewesen ist – und auf den viele Bauern gewartet haben: „Auf Grundlage der Erntezahlen und Schadensmeldungen der Länder können wir die Entwicklung der Witterungsereignisse so einstufen, dass sie nationales Ausmaß haben.“ In Zahlen bedeutet dieser Satz: Den dürregeplagten Landwirten soll mit insgesamt 340 Millionen Euro geholfen werden.

Klöckners Erklärung des „nationalen Notstandes“ wegen der Hitzeschäden war notwendig, um Bundeshilfen gewähren zu können. Von den 340 Millionen Euro wird der Bund nun die Hälfte übernehmen, die andere soll von den Ländern kommen. Laut Klöckner belaufen sich die Ernteschäden allerdings auf rund 680 Millionen Euro.

Zu ihrer Notstands-Einschätzung gelangte Klöckner auf der Basis der Daten und Schadensmeldungen der Bundesländer, die bis Montagabend bei ihren Experten einliefen. Ergebnis: Bundesweit sind wegen der Dürre 10 000 landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz gefährdet, also jeder 25. Hof. Im ähnlich heißen Sommer 2003 waren es lediglich 4400. Damals linderten 72 Millionen Euro die schlimmsten Schäden.



Außer dem Saarland und Rheinland-Pfalz (siehe Info) meldeten alle Länder teils massive Einbußen bei der Getreideernte, am stärksten betroffen sind Schleswig-Holstein (minus 31 Prozent), Brandenburg (minus 27 Prozent), Sachsen-Anhalt (minus 26 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern (minus 25 Prozent).  Laut Klöckners Vorschlag können nur jene Betriebe Hilfen des Bund-Länder-Programms in Anspruch nehmen, die einen Ertragsrückgang von 30 Prozent und mehr verzeichnen und in ihrer Existenz bedroht sind. Die Prüfung der Bedürftigkeit sollen die Länder übernehmen, zurückzahlen müssen die Bauern das Geld nicht.

Kaum hatte Klöckner am Morgen im Kanzleramt ihre Pläne dem Kabinett vorgestellt, meldete sich auch der Bauernverband mit seiner Ernteerhebung zu Wort. „Wir haben Regionen, wo es seit Mai nicht wirklich geregnet hat“, klagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Seine traurige Bilanz: Beim Weizen sind 18,6 Millionen Tonnen eingefahren worden, 27 Prozent weniger als im Schnitt der Jahre 2013 bis 2017.

Er machte zugleich eine andere Rechnung auf als Klöckner: Seinem Verband seien aus acht Bundesländern Schäden in Höhe von drei Milliarden Euro gemeldet worden. Klöckner wies die Zahl zurück.