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München
DFB-Spieler wieder bei Klubs: Aufarbeitung "funktioniert gut"

Auch von Mesut Özil werden noch Antworten erwartet.
Auch von Mesut Özil werden noch Antworten erwartet. FOTO: dpa / Michael Probst
München.

Jonas Hector machte den Anfang. Der Kölner hat als erster Russland-Versager wieder den Dienst bei seinem Klub aufgenommen. Doch das WM-Desaster der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wirkt auch beim Kölner nach – obwohl er behauptet, die Verarbeitung der historischen Pleite habe „gut funktioniert“.

Wie Hector, der am Montag im FC-Trainingslager in Kitzbühel erstmals wieder mitmischte, kehren in den kommenden Tagen auch die anderen tief gefallenen DFB-Stars zurück. Dann müssen auch sie sich noch einmal erklären. Wie konnte es zur Katastrophe von Kasan kommen? Wer ist (haupt-)verantwortlich fürs Scheitern? Und, vor allem: Wie steht es um die eigene Zukunft?

Von Mesut Özil werden auch noch einige andere Antworten erwartet, auch vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit Präsident Reinhard Grindel und Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff. Beantworten könnte er sie ab Sonntag, wenn der Regisseur des FC Arsenal mit seinem Klub auf Promo-Tour nach Singapur aufbricht. Am Dienstag zeigte er sich noch Oberkörper frei mit Kindern beim Kicken am Strand, er genieße seine „letzte Urlaubswoche“, ließ er die Fans im Netz wissen.



Das gilt zunächst für die meisten DFB-Stars, die WM-Pleite ist für viele dabei erstmal noch weit weg. Mats Hummels vertieft sich beim Frühstück auf der Terrasse in das Buch seiner Frau Cathy („Stark mit Yoga“), Jerome Boateng zeigt sich beim Musikhören mit seinen Kindern („Rockstar-Crew“) als cooler Papa, Ilkay Gündogan besuchte den Weltmeister-Erben Frankreich in der französischen Hauptstadt Paris.

Sie alle stehen vor der Frage, ob und wie es für sie in der Nationalmannschaft weiter geht. Jonas Hector hat diese Frage bereits beantwortet. Es sei nicht schwer, sich wieder zu motivieren, sagte er, „ich spiele gerne Fußball, sonst hätte ich mir den Beruf nicht ausgesucht“. In den Tagen nach dem WM-Aus sei sein Fernseher allerdings „überwiegend“ ausgeblieben.

Wie die meisten seiner Nationalelfkollegen begrüßt Hector, dass Joachim Löw seinen Vertrag bis 2022 erfüllen will. Der Bundestrainer habe unabhängig vom Abschneiden in Russland „in den letzten Jahren extrem gute Arbeit geleistet“, sagte er: „Und für mich ist er der Trainer, der mich zum Nationalspieler gemacht hat. Da ist es nicht verkehrt, dass er bleibt.“

Löw urlaubt noch, als nächster Nationalspieler wird Marco Reus zurückerwartet. Der WM-Debütant stößt in dieser Woche direkt aus seinem Urlaubsort in den USA zu seinen Dortmunder Kollegen, die ab Mittwoch durch Amerika touren. Das DFB-Gerüst aus München fehlt auf der US-Tour des FC Bayern (23. bis 30. Juli) und nimmt die Arbeit erst am kommenden Mittwoch (25. Juli) wieder auf.

„Wenn ich in 20 bis 30 Jahren mal sagen kann, ich habe eine WM gespielt, ist das eine schöne Sache“, sagte der 28-Jährige Hector in Kitzbühel. Russland, Watutinki und die WM – „das werde ich immer in Erinnerung behalten“. Fraglich, dass alle seine Teamkollegen das WM-Fiasko in ähnlich guter Erinnerung behalten haben.