| 22:52 Uhr

Länderspiel gegen Frankreich
Löw verbreitet Aufbruchstimmung

Wo geht die Reise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hin: Wenn es nach Bundestrainer Joachim Löw geht, soll heute gegen Weltmeister Frankreich ein Aufwärtstrend zu erkennen sein.
Wo geht die Reise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hin: Wenn es nach Bundestrainer Joachim Löw geht, soll heute gegen Weltmeister Frankreich ein Aufwärtstrend zu erkennen sein. FOTO: dpa / Peter Kneffel
München. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft trifft heute in München auf Weltmeister Frankreich. sid

Wiedergutmachung für das WM-Debakel? Neustart für die „arroganten“ Ex-Weltmeister? Joachim Löw gab sich vor dem wegweisenden Nations-League-Auftakt gegen Thronerbe Frankreich cool. „Druck? Das höre ich schon viele, viele Jahre“, sagte der Bundestrainer vor dem Prestigeduell mit der Equipe Tricolore am heutigen Donnerstag (20.45 Uhr/ZDF) in München, als hätte es die historische WM-Pleite nie gegeben und ergänzte lässig: „Ich habe über 160 Länderspiele gemacht als Trainer, deswegen werde ich vom Druck nicht aus der Bahn geworfen.“

Löw ist die herausragende Bedeutung der Begegnung in der ausverkauften Arena allerdings bewusst. „Ich weiß, dass wir wieder mehr liefern müssen“, sagte er. „Es liegt an uns, das Feuer zu entfachen“, betonte Löw mit Blick auf die Beziehung zu den Fans, die unter dem Auftritt in Russland gelitten hat: „Und das wird man auch sehen, davon bin ich überzeugt. Dass die Mannschaft den Willen hat, sich reinzuhauen.“ Mittelfeldchef Toni Kroos fügte an: „Wir sind in der Bringschuld.“ Es müsse jedem klar sein, worum es gehe, „die Qualität steckt in uns drin“.

Das sieht Löw genauso. Zwar sprach er im Ballsaal des noblen Hotels Hilton Park am Englischen Garten von „einer Art Neustart“. Doch bei der Aufstellung wird dies kaum zu sehen sein. In der Startelf werden zehn Spieler erwartet, die das Russland-Debakel mit zu verantworten haben. Von den drei Neulingen hat einzig Hoffenheims Nico Schulz als Ersatz für den geschonten Auersmacher Jonas Hector eine realistische Start-Chance.



Personell alles über den Haufen zu werfen, sei keine Option gewesen, betonte Löw. Auf seinen Stamm sei trotz der historisch schwachen WM „absolut Verlass“, sagte er, und: „Jede Mannschaft braucht eine gute Achse, eine gute Mischung. Wenn jemand denkt, nur mit jungen, talentierten Spielern geht der Weg nach oben, täuscht er sich.“ Aber: Er erwarte von der Führungsriege um Kapitän Manuel Neuer, „dass sie den Karren anschieben“. Er spüre bei ihnen „eine positive Ungeduld, die Dinge besser zu machen, so was wie eine Aufbruchstimmung“.

Gravierendere Änderungen soll es in der Spielweise geben. „Wir müssen wieder das Bewusstsein schaffen, das eigene Tor auf Teufel komm raus zu verteidigen. Daran müssen sich alle Spieler beteiligen“, sagte Löw. Dazu gehört etwa, dass die defensiven Außen nicht mehr wie bei der WM ständig im Vorwärtsgang sind. Die „Vision“ Ballbesitzfußball will Löw allerdings „nicht völlig eingraben, das wäre kompletter Blödsinn. Das ist die Grundbasis unseres Spiels.“ Es gehe jedoch um eine „viel bessere Balance“ zwischen Defensive und Offensive.

Im Training wurde daran gefeilt – nach dem Vorbild Frankreich. „Sie haben im Umschalten nach vorne Spieler, die schnell sind und in die Tiefe kommen“, sagte Löw über die „beste Mannschaft der Welt in den letzten beiden Jahren“. Es werde schwer gegen Les Bleus, „aber wir freuen uns auf das Spiel“.

Frankreich begegnet der DFB-Elf mit großem Respekt. „Deutschland bleibt Deutschland, egal was bei der WM passiert ist. Sie haben eine großartige Mannschaft“, sagte der Stuttgarter Abwehrspieler Benjamin Pavard. Für den Weltmeister sei das Duell in Gruppe eins der Division A der neuen Nationenliga, in der außerdem die Niederlande warten, „schwierig“: „Wir sind Weltmeister, jetzt sind wir die Gejagten.“ Was das bedeuten kann, musste die deutsche Auswahl zuletzt selbst auf schmerzliche Weise erfahren.