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Kunst auf der Straße
Deutschlands schönstes Schlagloch

Idylle pur: Eine Künstlerin hat ein Schlagloch in Mönchengladbach zu einem kleinen Kunstwerk im Stil eines Goldfischteichs umgemodelt. Am Freitag ist das Werk, das auch die Stadtverwaltung unterstützt, mit Spezialharz aufgefüllt worden. So bleibt es sichtbar – und trotzdem für Autos befahrbar.
Idylle pur: Eine Künstlerin hat ein Schlagloch in Mönchengladbach zu einem kleinen Kunstwerk im Stil eines Goldfischteichs umgemodelt. Am Freitag ist das Werk, das auch die Stadtverwaltung unterstützt, mit Spezialharz aufgefüllt worden. So bleibt es sichtbar – und trotzdem für Autos befahrbar. FOTO: dpa / Federico Gambarini
Mönchengladbach. Vorher gefährliche Kuhle, jetzt Kunst: Mönchengladbach feiert einen ganz besonderen Goldfischteich auf der Straße. dpa

Die Verwandlung vollzog sich im Schutz der Dunkelheit. Über Mönchengladbach war der Abend hereingebrochen, als sich in einer Parkbucht im Norden der Stadt etwas tat. Aus einem Schlagloch, dem Inbegriff städtischer Zerfallserscheinungen, machte eine junge Frau im Geheimen ein Kunstwerk – einen Goldfischteich. Und wenig später „Deutschlands schönstes Schlagloch“. Am Freitag ist der mittlerweile bundesweit bekannte Straßen-Krater mit durchsichtigem Kunstharz aufgefüllt worden. So soll das Schlagloch für seine Fans dauerhaft zu sehen sein – und gleichzeitig für Autofahrer und Fußgänger keine Gefahr mehr darstellen.

Die Füllung übernahm die Künstlerin selbst, Maren Dörwaldt. „Jetzt ist das Schlagloch so hoch aufgegossen, dass es keine Stolperfalle mehr darstellen kann“, sagte sie nach der finalen Füllung. Es müsse nun noch aushärten. Die Straßenbetriebe wollen regelmäßig nachschauen, wie es dem Schlagloch geht. Mehrere Kamerateams, Vertreter der Straßenbetriebe und der Kommunalpolitik waren gekommen, um zu beobachten, wie die 33-Jährige ihr Kunstwerk vollendete, was sie einst in einer Nacht-und-Nebel-Aktion begonnen hatte. Erst kürzlich hat Dörwaldt ihre Anonymität abgelegt und öffentlich erklärt: „Ich wusste ja nicht, dass die Stadt es mit so viel Humor aufnimmt.“

Ein anderes Schlagloch hatte ihre Kreativität schon vor einiger Zeit geweckt. Das Problem: Es lag mitten auf der Straße. In der Parkbucht fand sie dann aber den perfekten Ort. In dem jetzt berühmten Schlagloch modellierte sie eine idyllische Teich-Landschaft: Sie setzte eine Goldfischfigur ein und drapierte Pflänzchen und Muscheln. Dann überzog sie das Ensemble mit durchsichtigem Harz. Fertig war das Kunstwerk. Auf Instagram schrieb Dörwaldt dazu „#Projekt_Sommerloch“. Wenig später berichteten Medien. „Das wohl schönste Schlagloch der Stadt“, schrieb die „Rheinische Post“, „Bild“ nannte es „das schönste Schlagloch in NRW“. Und die örtlichen Straßenbetriebe gaben eine Mitteilung über „Deutschlands schönstes Schlagloch“ heraus.



Das Erstaunliche: Die Mönchengladbacher Abfall-, Grün- und Straßenbetriebe, die Schlaglöchern den Garaus machen sollen, rührten das Loch nicht an.
„Nach Inaugenscheinnahme der Situation vor Ort“ sei die Entscheidung bei der Stadt gereift, „diese besondere Gestaltungsidee zu unterstützen“, so eine Sprecherin.