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Traditionsspiel auf neuen Wegen
Erster Internet-Schachmeister gesucht

 An der ersten offiziellen Deutschen Internet-Schachmeisterschaft können alle teilnehmen, die Mitglied in einem Verein des Deutschen Schachbundes sind und einen Premium-Zugang zum Server playchess.de haben.
An der ersten offiziellen Deutschen Internet-Schachmeisterschaft können alle teilnehmen, die Mitglied in einem Verein des Deutschen Schachbundes sind und einen Premium-Zugang zum Server playchess.de haben. FOTO: Getty Images/ iStockphoto / Rawf8
Hamburg. Ab dem 7. März richtet der Deutsche Schachbund die erste Deutsche Internet-Schachmeisterschaft aus. Von Lothar Warscheid

Der Deutsche Schachbund (DSB) richtet zum ersten Mal eine offizielle Deutsche Schach-Internetmeisterschaft aus. Die erste Vorrunde startet am 7. März. Drei weitere Vorrunden-Turniere folgen zwischen dem 16. und dem 23. März. Die Zwischenrunde wird am 28. März gespielt und das Finale findet am 9. Mai im Rahmen des Deutschen Schach-Meisterschaftsgipfels in Magdeburg statt. Neben dem Titel geht es um Geld- und Sachpreise im Wert von insgesamt 7 500 Euro, die überwiegend bereits in den Vorrunden ausgeschüttet werden.

An diesen Vorrunden-Turnieren kann im Prinzip jeder teilnehmen, der sich zutraut, seine Gegner Schachmatt zu setzen. Er kann am Ende auch offizieller Deutscher Schach-Internetmeister werden. Sein Elo-Ranking spielt keine Rolle (siehe Info). Diejenigen Schachspieler, die Titelträger sind oder über ein Elo-Ranking verfügen, stoßen erst in der Zwischenrunde zu der Schach-Internetmeisterschaft. In der Regel sind das Spieler, deren Elo-Zahl besser als 2300 ist.

Allerdings gibt es zwei Voraussetzungen, um antreten zu können. Zum einen müssen die Teilnehmer Mitglied in einem Verein sein, der vom DSB anerkannt ist. Ein Startgeld wird nicht erhoben. Weitere Bedingung für die Turnier-Teilnahme ist ein gültiger Premium-Zugang zu dem ­kommerziellen Schachserver playchess.com. Hinter playchess.com steht das Hamburger Unternehmen Chessbase, das diesen Server betreibt und für das Turnier mit dem DSB eine Zusammenarbeit vereinbart hat. Im Tagesgeschäft entwickelt und verkauft Chessbase Schach-Software wie zum Beispiel Fritz, das bekannteste Schachprogramm Deutschlands, dessen jüngste Version unter Fritz 17 firmiert. Zudem pflegt das Unternehmen eine Schachdatenbank mit Partien, Analysen und Schachaufgaben. Darüber hinaus betreibt es eine Nachrichtenseite mit Informationen rund um das königliche Spiel.



Wegen der Kooperation zwischen Chessbase und dem DSB findet die Schach-Internetmeisterschaft exklusiv auf playchess.com statt. Gespielt wird mit einer Bedenkzeit von drei Minuten plus zwei Sekunden pro Zug. Das Turnier läuft auf dem kostenlosen Windows-Client von ­playchess.com.

Nach der Anmeldung auf dem Internet-Schachserver hat sich der Liebhaber des königlichen Spiels jedoch nicht nur die Turnier-Teilhabe gesichert. Dort bieten sich ihm auch zahlreiche Möglichkeiten, seine Schachfähigkeiten zu verbessern. Er kann zum Beispiel anderen beim Spielen zuschauen oder sich am virtuellen Schachbrett selbst mit einem Gegner messen. Neben der kostenpflichtigen gibt es auch eine kostenlose Gast-Variante mit einem stark abgespeckten Feature-Angebot. Nach Angaben von Chessbase tummeln sich täglich Zehntausenden von Spielern aus aller Welt auf dem Server von playchess.com.

Um zu trainieren und sich auf das Turnier vorzubereiten, empfiehlt Chessbase sein eigenes kostenpflichtiges Schachprogramm Fritz 17. Die jüngste Version gibt es seit November vergangenen Jahres zu kaufen. Sie stößt nicht überall auf ungetrübte Zustimmung. „Spätestens seit Version 13 war Fritz mit all seinen guten Funktionen ausgereift und gut“, kritisiert die Online-Plattform Topschach Schachcomputer. „Alle Versionen, die danach kamen, hatten lediglich irgendwelche Spielereien, die kein Schachspieler braucht“, heißt es auf der Plattform weiter.

Allerdings will Chessbase diese etwas phantasielose Weiterentwicklung seiner Schach-Software durch Fat Fritz wettmachen. Der „fette Fritz“ soll mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) und damit durch ein selbstlernendes neuronales Netzwerk immer besser werden. Basis sei das KI-System Alpha-Zero, das sich vor drei Jahren innerhalb weniger Stunden die Spiele Schach, Go und Shogi selbst beibrachte. Danach besiegte es jeweils Spezialprogramme auf Weltmeisterniveau.

Chessbase verspricht, dass sich diejenigen, die an der ersten Schach-Internetmeisterschaft teilnehmen wollen, mit diesem IT-Paket optimal auf das Turnier vorbereiten können. Dennoch wird damit das eigene Denken nicht ersetzt. „Schach ist das schnellste Spiel der Welt, weil man in jeder Sekunde Tausende von Gedanken ordnen muss“, wusste schon Albert Einstein. Und der hatte noch keinen Computer.

de.chessbase.com

www.schachbund.de

play.chessbase.com