| 22:00 Uhr

Turn-WM in Stuttgart
Große Vorfreude auf „Tic Tac Tokyo“

 Robert Mai (Trainer), Hartmut Schölkopf (Physio), Elisabeth Seitz, Sarah Voss, Pauline Schäfer, Kim Bui, Emelie Petz, Shanna Poljakova und Ulla Koch (beide Trainer) bedanken sich bei den Fans in Stuttgart.
Robert Mai (Trainer), Hartmut Schölkopf (Physio), Elisabeth Seitz, Sarah Voss, Pauline Schäfer, Kim Bui, Emelie Petz, Shanna Poljakova und Ulla Koch (beide Trainer) bedanken sich bei den Fans in Stuttgart. FOTO: dpa / Christoph Schmidt
Stuttgart. Deutsche Turnerinnen sind für die Olympischen Spiele 2020 qualifiziert, verpassen aber das Mannschaftsfinale bei der Heim-WM. dpa

Die Freude über die Olympia-Tickets für Tokio war den deutschen Turnerinnen deutlich anzumerken. Strahlend präsentierte sich das Quintett um Top-Turnerin Elisabeth Seitz am Sonntag im Team-Hotel neben der Schleyer-Halle. „Tic Tac Tokyo“ – mit zahlreichen Fotos auf Facebook, Instagram und Co. feierten die Athletinnen ihre Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 tags zuvor bei der Heim-WM. „Geschafft!“, schrieb der Deutsche Turner-Bund (DTB) in den Sozialen Medien.

„Es ist überaus wichtig, dass wir dieses Hauptziel erreicht haben“, betonte DTB-Präsident Alfons Hölzl. Auch Ulla Koch war erleichtert: „In der Nacht vorher war ich super aufgeregt. Jetzt sind uns wirklich Steine vom Herzen gefallen, dass wir die Olympia-Qualifikation gepackt haben“, sagte die Bundestrainerin, die ihre Mädchen schon zum vierten Mal zu Olympischen Spielen führte. „Die Vorfreude ist schon jetzt da.“

Dass das Quintett mit Seitz, der deutschen Mehrkampf-Meisterin von Berlin, Sarah Voss, sowie Kim Bui, Emelie Petz und der Bierbacherin Pauline Schäfer auf Platz neun haarscharf am Einzug ins Team-Finale am Dienstag vorbeischrammte, war ein kleiner Wermutstropfen. Zu Italien auf Platz acht fehlte den WM-Gastgeberinnen mit 161,897 Punkten die Winzigkeit von 34 Tausendsteln (0,034 Punkte).



Koch hatte schon geahnt, dass die Leistung in der Qualifikation wohl nicht ganz reichen würde, um ins Team-Finale zu kommen. „Ich habe unsere Fehler ja sofort gesehen“, betonte sie. Verspielt wurde der Sprung ins Finale in erster Linie am Boden, wo kleine Fehler sich insgesamt auf 0,8 Punkte Abzug addierten. Besonders knapp ging es dabei ausgerechnet bei Seitz zu: Mit dem kleinen Zeh „kratzte“ die Stuttgarterin die Begrenzungslinie, ohne diesen winzigen Faux pas hätte es gereicht. Dass es am Ende so knapp war, ist laut Seitz „ein wenig schade, weil wir uns gern mit dem ganzen Team noch mal präsentiert“ hätten. „Es war ja denkbar knapp. Aber die vier Final-Teilnahmen von Eli und Sarah wiegen das wieder auf. Deswegen habe ich zwei lachende Augen“, so die Trainerin.

Denn die Stuttgarterin Seitz, die in der Einzelwertung Platz zehn belegte, und die Kölnerin Voss (14.) erreichten die Mehrkampf-Finals der besten 24 Turnerinnen am kommenden Donnerstag (16 Uhr). Die 25 Jahre alte Seitz zog zudem als Viertbeste (14,800 Punkte) ins Gerätefinale am Stufenbarren (Samstag) ein und darf dort sogar auf eine Medaille hoffen. 2018 bei der WM in Doha hatte die Sportsoldatin bereits Bronze gewonnen. „Die Medaille von Doha kann mir keiner mehr nehmen“, sagte Seitz am Sonntag. Deswegen mache sie sich nun „nicht verrückt, weil ich weiß, ich kann mein Zeug. Deshalb werde ich am Barren Vollgas geben. Aber die Konkurrenz ist unheimlich stark.“

Auch Voss hat eine weitere Chance an ihrem Paradegerät. Als Sechste der nach Nationen bereinigten Liste (nur zwei Turnerinnen pro Land dürfen im Gerätefinale starten) erreichte sie mit 13,600 Punkten das Finale am Schwebebalken am Sonntag. Die 19 Jahre alte BWL-Studentin fiebert dem Balken-Finale entgegen, es ist ihr erster Kampf um eine WM-Medaille.