| 23:37 Uhr

Politische Häftlinge
Sechs Namen, sieben Schicksale, ein Terror-Vorwurf

Istanbul. Die Namen Deniz Yücel, Peter Steudtner und Mesale Tolu sind vielen Deutschen bekannt – sie alle waren unter Terrorvorwürfen in der Türkei inhaftiert. Inzwischen sind sie frei und wieder in Deutschland, aber nach offiziellen Angaben sitzen immer noch sieben deutsche Staatsbürger „aus politischen Gründen“ in türkischen Gefängnissen, darunter nach Angaben der Bundesregierung drei Doppelstaatler. dpa

Diese sechs Menschen sind namentlich bekannt, zu dem siebten Fall gibt es bisher keine Informationen.

Ilhami A. (46): Der Taxifahrer aus Hamburg wurde Mitte August in der osttürkischen Provinz Elazig verhaftet. Der Vorwurf lautet Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei und der EU als Terrororganisation gilt.



Dennis E. (55): Auch im Fall Dennis E., ebenfalls aus Hamburg, geht es um Facebook-Posts und den Vorwurf der Terrorpropaganda für die PKK. Die türkische Polizei nahm den 55-Jährigen Ende Juli bei einem Besuch im südtürkischen Iskenderun fest, wo er auch inhaftiert ist.

Hozan Cane (Mitte 40): Polizisten hielten vor den Wahlen Ende Juni einen Bus der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP an und nahmen die kurdischstämmige Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane mit. Cane, die davor in Köln gelebt hatte, hatte im westtürkischen Edirne eine Wahlkampfveranstaltung der HDP unterstützt. Ihr wird die Mitgliedschaft in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen.

Adil Demirci (Anfang 30): Der Sozial­arbeiter aus Köln war Mitte April in Istanbul festgenommen worden. Er schrieb aus Deutschland frei für die linke Nachrichtenagentur Etha, für die auch Mesale Tolu arbeitete. Wie Tolu wird Demirci Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei vorgeworfen. Die MLKP gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Patrick K. (29): Der junge Mann aus Gießen war Mitte März nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu im türkisch-syrischen Grenzgebiet festgenommen worden. Anadolu schreibt, er habe sich in Syrien der Kurdenmiliz YPG anschließen wollen. Nach Angaben seiner Familie war K. zum Wandern in der Türkei.

Enver Altayli (73): Schon ein Jahr lang sitzt Altayli ohne Anklage in Einzelhaft – seine Familie macht sich Sorgen um seine Gesundheit. Altayli ist Jurist und arbeitete in den 60er Jahren für den türkischen Geheimdienst MIT. Im August vergangenen Jahres war er in Antalya festgenommen worden, wo die Familie eine Ferienanlage betreibt. Ihm wird, wie vielen anderen auch, die Unterstützung der Gülen-Bewegung vorgeworfen, die in der Türkei als Terrororganisation eingestuft ist.