| 00:15 Uhr

Dashcams
Der Zeuge an der Windschutzscheibe

Für ordentliche Dashcams, die auch die rechtlichen Anforderungen erfüllen, muss man Experten zufolge derzeit um die 100 Euro ausgeben.
Für ordentliche Dashcams, die auch die rechtlichen Anforderungen erfüllen, muss man Experten zufolge derzeit um die 100 Euro ausgeben. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
München/Berlin. Bei einem Unfall können sogenannte Dashcams, die im Auto befestigt werden und das Verkehrsgeschehen mitfilmen, wertvolle Beweise liefern. Auch das Smartphone lässt sich zum Verkehrsbeobachter umrüsten. Von Sven-Hendrik Hahn (dpa)

Wer trägt die Schuld am Unfall? Hat der andere Autofahrer die Vorfahrt missachtet oder unvermittelt die Spur gewechselt? Solche Fragen könnten Dashcam-Videos klären. „Dash“ ist abgeleitet von der englischen Vokabel für Armaturenbrett, „Dashboard“. Lange Zeit war der Einsatz der Spezialkameras umstritten, ihre Aufzeichnungen ließen einige Gerichte nicht als Beweismittel zu. Mit einem Urteil vom Mai 2018 (Az: VI ZR 233/17) hat der Bundesgerichtshof jedoch den Weg für die Nutzung von Dashcams geebnet und ihre Aufnahmen als Beweismittel gestattet.

Doch das bedeute nicht, dass jeder Verkehrsteilnehmer eine Kamera pausenlos laufen lassen darf, erklärt Markus Schäpe vom ADAC: „Wer ohne Anlass und ohne automatisches Überschreiben im Straßenverkehr filmt, verstößt gegen Bestimmungen des Datenschutzes und riskiert ein Bußgeld“, so der Leiter der juristischen Zentrale des Autoclubs. Aber immerhin, so Schäpe, müsse nach dem BGH-Urteil Unfall-Filmmaterial als Beweismittel anerkannt werden.

Es gibt Dashcams, die der BGH-Maßgabe genügen und das Speichern auf ein Minimum zu reduzieren, erklärt Sven Wolf vom Fachportal Chip.de. Die Schwierigkeit sei, dass der BGH nur wenig Konkretes mitgeteilt hat, was nun erlaubt ist. Einig sind sich die Experten aber in folgendem Punkt: Beim Dauerbetrieb sei die erste Voraussetzung für einen legalen Einsatz, dass die Kamera die Aufnahmen direkt wieder löscht, falls es keine Vorkommnisse wie einen Unfall gab.



Nicht erlaubt dürfte hingegen sein, dass die Aufnahmen erst gelöscht werden, wenn die Speicherkarte voll ist, sagt Wolf. Werden mehrere Stunden Videomaterial gespeichert, sei das nicht vom BGH-Urteil gedeckt. Wie Wolf festgestellt hat, sei das aber bei vielen Dashcams zu beobachten. Die Hersteller passten sich nur langsam der Rechtslage an. Die Dashcam müsse, etwa per Sensor, erkennen, wenn sich ein Unfall ereignet, um die Aufnahmen automatisch zu sichern und gleichzeitig alle anderen Aufnahmen in kurzen Abständen zu löschen.

Auf diese Voraussetzungen hin hat Chip.de verschiedene Dashcams getestet. Das Fazit: „Es gibt derzeit nur wenige Kameras, die erst speichern, wenn die eingebauten Sensoren einen Unfall registrieren“, sagt Wolf. Das seien eher Oberklasse-Geräte ab 100 Euro. Ebenfalls auf der Ausstattungsliste sollte stehen: ein möglichst weiter Blickwinkel und eine sehr gute Bildqualität, um wichtige Details wie Unfallgegner und Verkehrsschilder eindeutig zu identifizieren. Für Fahrten im Dunkeln sollte die Dashcam außerdem lichtempfindlich sein.

Aber auch manche Kamera um 70 Euro konnte die Tester überzeugen. „Von allzu billigen Kameras für 20 oder 30 Euro sollte man die Finger lassen, da wichtige Bilddetails schlecht zu erkennen sind“, warnt Wolf. Manche Spitzenmodelle hätten dagegen Extras wie Abstandswarner oder Parkassistent an Bord.

Die Technik dürfte sich weiter verbessern, und das Angebot an Kameras wächst schnell. Nach dem BGH-Urteil rechnet der IT-Branchenverband Bitkom nach eigenen Angaben mit deutlich steigenden Verkaufszahlen bei den Autokameras: In den vergangenen drei Jahren seien geschätzte 150 000 Dashcams in Deutschland verkauft worden. Bei einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom gaben 13 Prozent der Befragten an, bereits eine Dashcam zu nutzen. Zudem kann sich weit mehr als jeder Zweite vorstellen, künftig ein solches Gerät zu nutzen oder hat bereits entschieden, künftig auf jeden Fall eine Autokamera einzusetzen.

Wer sich nicht extra eine Dashcam kaufen möchte, kann auch sein Smartphone per App mit einer entsprechenden Funktion ausstatten. Zu diesem Zweck gibt es Anwendungen sowohl im Google Play Store für Android als auch in Apples iTunes Store für iPhones. Von vielen Dashcam-Apps gibt es kostenlose Versionen. Aber auch hier gelten die Bedingungen des BGH: Die jeweilige App darf nicht dauer­haft speichern, und sie sollte nur die kritischen Momente eines Unfalls sichern. Chip.de empfiehlt die Anwendungen „AutoGuard Blackbox“ oder „DailyRoads Voyager“, für iPhones „Road Watcher“.

Wer sein Smartphone als Autokamera nutzen will, braucht außerdem passendes Zubehör. Dazu gehören neben anderem mehr eine stabile Halterung und ein Ladekabel, sofern das Auto über keine USB-Buchsen verfügt, um Geräte mit Strom zu versorgen. Ansonsten könnte es passieren, dass das Handy in einem wichtigen Moment nicht filmt.