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Porsche startet mit Weltpremiere ins Elektrozeitalter
Porsche setzt jetzt auch auf Elektroautos

 Mindestens 20 000 Taycan pro Jahr will Porsche bauen, sagt Porsche-Chef Oliver Blome. Zugleich betont er, dass die Ikone des Konzerns, der 911er, bis auf Weiteres nicht in einer Elektroversion kommen wird. 
Mindestens 20 000 Taycan pro Jahr will Porsche bauen, sagt Porsche-Chef Oliver Blome. Zugleich betont er, dass die Ikone des Konzerns, der 911er, bis auf Weiteres nicht in einer Elektroversion kommen wird.  FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Stuttgart. Der Konzern nimmt hierfür bis 2022 sechs Milliarden Euro in die Hand. 30 000 Vorbestellungen für den Taycan soll es schon geben. dpa

  Porsche schlägt ein neues Kapitel auf und verbindet damit zugleich große Hoffnungen. Als Weltpremiere  kommt in der kommenden Woche der Taycan auf den Markt. Er soll ab Ende des Jahres ausgeliefert werden und schlägt womöglich ein bisschen aus der Art. Porsche steht, wie die Branche insgesamt, wegen Dieselskandal und der Debatte um Fahrverbote in der Kritik und wird skeptisch beäugt. Der Konzern selbst hat Nachhaltigkeit und Elektromobilität unter Einsatz von Milliardenbeträgen zu Top-Themen gemacht und gar den Beginn einer neuen Ära ausgerufen – und muss nun liefern.

Insofern braucht auch die VW-Tochter selbst jetzt den Taycan. Und wer ihn will – muss sich erst zeigen. Da geht es Porsche gerade nicht anders als allen anderen Autobauern, die zum Sprung ins Elektro-Zeitalter ansetzen.

Vorstandschef Oliver Blume sagt: „Der Einstieg in neue Technologien ist nie ohne Risiko zu bewältigen.“ Aber ohne den Mut dazu sei in der Zukunft eben auch nichts zu holen. Und Porsche habe sich früh festgelegt: „Wir haben die Weichen in Richtung Elektromobilität gestellt, noch bevor die Diskussionen um die Zukunft des Dieselmotors und den Klimaschutz aufkamen“, betont der 51-Jährige. Der Konzern nimmt bis 2022 sechs Milliarden Euro in die Hand, um groß in das Geschäft mit der Elektromobilität einzusteigen, stellt 1500 neue Leute eigens dafür ein. Das komplette Werk am Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen wurde in den vergangenen Monaten für den Taycan aus- und umgebaut. Die Belegschaft verzichtete auf Geld, damit die Produktion dort angesiedelt wird und nicht anderswo, wo es billiger gewesen wäre und mehr Platz gegeben hätte.



Blume ist überzeugt, dass das Geld gut angelegt und das Risiko kontrollierbar ist – und der Taycan als erstes Elektromodell das richtige Auto. „Wir haben uns mit dem Taycan bewusst für ein Segment entschieden, in dem unsere Marke bislang noch nicht vertreten war“, sagt er. Schaut man auf die Verkaufszahlen, hätte sich das SUV-Segment zum Start auch bei Porsche womöglich eher angeboten – als die sicherere Variante sozusagen. Der Taycan hingegen ist irgendwo zwischen dem Klassiker 911 und dem viertürigen Panamera zu verorten. Den aktuellen Topseller, den kleinen SUV Macan, soll es zwar auch als reine E-Variante geben – aber erst 2022. Mit etwa 10 000 Euro höheren Materialkosten rechnet der Konzern zum Start bei jedem Elektrofahrzeug im Vergleich zu einem Verbrenner-Modell. Um das angesichts der schwachen Autokonjunktur gesetzte Ziel von 15 Prozent Rendite trotzdem halten zu können, hat Blume ein „Ergebnisprogramm“ aufgesetzt. Bis 2025 soll das sechs Milliarden Euro und von da an pro Jahr zwei Milliarden einbringen – über Einsparungen, aber auch mit neuen Umsatzquellen.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass die Elektromobilität eine Erfolgsstory für Porsche wird“, sagt Blume. Bauen kann der Vorstandschef darauf, dass sich weltweit schon Tausende Menschen in den vergangenen Monaten quasi eine Katze im Sack gekauft haben. Für jeweils 2500 Euro Anzahlung hat Porsche Vorbestellungen für den Taycan angenommen, von dem bislang kaum jemand weiß, wie er in der Serienversion aussieht und wie er sich fährt. Blume wird deshalb auch nicht müde zu betonen, dass auch ein E-Porsche natürlich ein echter Porsche sei. Offiziell ist seit Monaten von über 20 000 Interessenten die Rede, Produktionschef Albrecht Reimold hat jüngst aber auch schon in Prognosen von mehr als 30 000 gesprochen. Mindestens 20 000 Taycan pro Jahr will Porsche bauen. Nach oben ist Kapazität, von bis zu 40 000.

Um die weltweit verschiedenen Klimaschutzvorgaben einhalten zu können, plant der Konzern, 2025 die Hälfte aller Fahrzeuge elektrifiziert oder mit reinem Elektroantrieb zu verkaufen. Beim Panamera gelingt das schon, der wird mehrheitlich als Hybridversion ausgeliefert. Von seiner Ikone lässt Porsche die Finger. Der 911er mit Elektromotor kommt erst einmal nicht. Porsche will auch die Verbrenner weiterentwickeln. Eine Hybridversion des 911ers kann sich der Chef vorstellen, geplant ist es nicht. Der 911er sei feste Größe in der Produktpalette. „Er wird noch lange mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sein“, sagt Blume.