| 21:18 Uhr

Super Bowl in Minneapolis
„Der Nächste wird bald den Sprung in die NFL schaffen“

Ex-Profi Sebastian Vollmer hat mit den Patriots zwei Mal den Super Bowl gewonnen.
Ex-Profi Sebastian Vollmer hat mit den Patriots zwei Mal den Super Bowl gewonnen. FOTO: Jörg Carstensen / dpa
Minneapolis. Der zweimalige Super-Bowl-Champion spricht über das Erfolgsgeheimnis der New England Patriots und die Zukunft der deutschen Footballer.

Der zweimalige Champion Sebastian Vollmer (33) fiebert dem Super Bowl in der Nacht zu Montag (0.30 Uhr/Pro7) entgegen. Im SZ-Interview äußert sich der ehemalige Football-Star zu den Chancen seines Ex-Teams New England Patriots gegen die Philadelphia Eagles, aber auch zu weiteren deutschen Football-Profis in der amerikanischen Top-Liga NFL.

Herr Vollmer, im Super Bowl treffen die Patriots auf die Eagles. Was für eine Partie erwarten Sie?

SEBASTIAN VOLLMER Es wird ein knappes Spiel. Alle sagen, dass Philadelphia der Außenseiter ist. Aber wenn man sich die Historie anschaut, sieht man, dass die Super Bowls mit den Patriots immer knapp ausgegangen sind. Die Spiele hätten auch anders verlaufen können.



Warum schaffen es die Patriots so häufig, enge Partien zu gewinnen?

VOLLMER Das liegt am Trainer-Team. Sie haben immer einen Plan, wie man in das Spiel geht. Aber dann, wenn er nicht ideal funktioniert, sind sie sehr gut darin, zu reagieren und den Plan anzupassen. Der zweite Punkt ist das harte Konditionstraining der Patriots. Es ist brutal. Aber man hat dadurch auch am Ende der Saison noch Kraft in diesen entscheidenden Situationen im letzten Viertel.

Und ein Quarterback wie Tom Brady hilft wohl auch.

VOLLMER Oh ja. Er hat ein gottgegebenes Talent. Durch seine Stärke bekommt man als Mitspieler ein unheimliches Selbstvertrauen. Man glaubt immer an die Chance und geht immer weiter. Irgendwie erwartet man dann schon, dass man das Ruder noch rumreißt.

Brady ist 40 Jahre alt – für einen Profisportler ist das ein hohes Alter. Wie lange wird er noch spielen?

VOLLMER Ich habe mit ihm vor ein paar Tagen noch gesprochen. Er findet, dass er momentan besser spielt als je zuvor. Deshalb sagt er sich: Warum sollte ich jetzt aufhören? Ich glaube: Solange er die Leistung abrufen kann, ist kein Ende in Sicht. Ich gehe davon aus, dass Tom auch nach dieser Saison nicht aufhören wird – selbst wenn die Patriots den Super Bowl wieder gewinnen und ihm scheinbar die Ziele ausgehen.

Sie sind der letzte deutsche Super-Bowl-Champion. In diesem Jahr steht kein Profi aus Deutschland in dem Finale. Wann bekommen Sie einen Nachfolger?

VOLLMER Das ist schwierig zu beantworten: Prozentual sind sehr wenige Deutsche in der NFL. Und es gibt auch viele US-amerikanische Stars, die nie den Super Bowl gewonnen haben. Die Chance, es zu schaffen, ist für jeden Profi unglaublich gering. Es hängt viel mit Glück zusammen. Hätte ich acht Jahre bei den Buffalo Bills gespielt, dann wäre meine Karriere ganz anders verlaufen. Ich wünsche mir natürlich sehr, dass die deutsche Gruppe wächst. Das Talent ist auf jeden Fall da.

In dieser Saison waren weniger deutsche Profis in der NFL als im Vorjahr. Ist die Entwicklung generell trotzdem positiv?

VOLLMER Ja, das Niveau steigt. Ich bin mir sicher, dass der Nächste bald den Sprung in die NFL schaffen wird. Als ich noch in Deutschland gespielt habe, haben Freunde und Familie zugeschaut, insgesamt vielleicht 200 Leute. Doch die Aufmerksamkeit ist stark gewachsen. In meinem dritten Jahr in der NFL war ich im Super Bowl, da war die Aufmerksamkeit noch nicht so groß. Beim zweiten und beim dritten Mal wurde es immer mehr.

Woran liegt das?

VOLLMER Die Medien verbreiten den Sport und bringen ihn den Menschen nah, auch wenn er vielen Deutschen fremd ist. Es gibt aber auch viele Amerikaner, die ihn nicht komplett verstehen. Aber Football ist sehr unterhaltsam. Dass der Sport jetzt im deutschen TV auf Pro7 und Pro7 Maxx übertragen wird, hilft sicher. Auch hat die NFL ein riesiges Interesse daran: Für sie ist Deutschland der am schnellsten wachsende Markt. Hier in Amerika kann der Sport nicht viel größer werden. Wenn die NFL wachsen will, muss sie ins Ausland gehen.

Nach der vergangenen Saison haben Sie Ihre Karriere beendet. Was haben Sie seitdem gemacht, und welche Pläne haben Sie?

VOLLMER Was ich in Zukunft vorhabe, steht noch nicht fest. Für mich war es erstmal wichtig, körperlich normal zu werden. Es gibt einen ganz schönen Verschleiß durch Football. Von den 150 Kilo Gewicht, die ich als Spieler hatte, habe ich inzwischen 35 verloren. Ich habe jetzt eine Lebensweise entwickelt, mit der ich mich sehr wohl fühle. Zum Beispiel habe ich meine Ernährung komplett umgestellt.

Die körperlichen Folgen des Sports werden Sie wohl lange begleiten.

VOLLMER Ja, auf jeden Fall. Ich hatte viele Verletzungen und Operationen. Ich denke, dass es Verschleiß in jeder Profisportart gibt. Nach dem Karriereende ist es dann noch wichtiger als sonst, dass man auf seinen Körper und seine Gesundheit achtet. Jetzt fühle ich mich sehr gut. Ich genieße das Leben im Moment.

Das Interview führte Nikolai Huland (dpa).