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Staatsbad Bad Brückenau
Ein Rückzugsort nicht nur für Könige

 In der Heilquellen-Lounge des Staatsbades können die aus bis zu 300 Metern Tiefe zutage geförderten Heilwasser probiert werden.
In der Heilquellen-Lounge des Staatsbades können die aus bis zu 300 Metern Tiefe zutage geförderten Heilwasser probiert werden. FOTO: Thomas Linkel/Staatsbad Bad Brückenau / Thomas Linkel
Bad Brückenau . Einst Liebesnest und Sommerresidenz Ludwig I. ist das Staatsbad Bad Brückenau heute vor allem für sein heilendes Wasser bekannt. Von Katharina Rolshausen

Auch ein König braucht hin und wieder eine Auszeit. Der bevorzugte Erholungsort von Ludwig I. war das Bayerische Staatsbad Bad Brückenau. 26 Mal weilte der Monarch zwischen 1818 und 1862 in dem Heilbad in Unterfranken.

Die barocke Parkanlage lädt auch im Winter zum Flanieren ein und das Wasser aus den mineralischen Quellen verspricht Wohlgefühl. In dem Heilbad, das 1775 im Auftrag des Fürstbischofs Heinrich von Bibra als fürstliche Sommerresidenz erbaut wurde, ließ Ludwig prachtvolle Gebäude errichten. Es wurde zum mondänen Kurort, dessen Flair und Charme bis heute zu spüren sind. Pavillons, Herrschaftsgebäude, Wandelgänge, die 450 Meter lange Kastanienallee, ein prunkvoller Festsaal, weite Rasenflächen und barocke Gartenkunst prägen das von Natur umgebene, 40 Hektar große Kleinod. Im Sommer leuchten hier bunte Blumenbeete, unzählige Rosenstöcke und Schmetterlingswiesen. Jetzt warten alle darauf, dass der erste Schnee über der bayerischen Rhön fällt und die Anlage weiß glitzern lässt.

Auch die „1000-jährige Eiche“, unter der der König mit bis zu 100 Gästen seiner Jagdgesellschaft feierte, ist noch erhalten. Das imposante Naturdenkmal ist Schätzungen zufolge allerdings nur rund 700 Jahre alt. In ihrem Schatten soll der Schöngeist auch Gedichte verfasst haben, darunter leidenschaftliche Liebesgedichte an eine ganz besondere Herzensdame. Ludwig I. ging nicht nur als Förderer der Kunst, kritischer Denker und großer Staatsmann in die Geschichte Bayerns ein, sondern auch wegen seiner zahlreichen Liebschaften. Die pikante Liaison mit seiner liebsten Mätresse wurde ihm zum Verhängnis.



Lola Montez, eine irischstämmige Hochstaplerin, die sich als spanische Tänzerin ausgab, hatte dem mehr als 30 Jahre älteren König derart den Kopf verdreht, dass selbst Volksaufstände nichts daran änderten. Viele Legenden ranken sich um das skandalöse Paar, das sich auch im Staatsbad Bad Brückenau vergnügt haben soll. Man erzählt sich bis heute die Geschichte von der roten Laterne, die Lola im Fenster ihrer Unterkunft anzündete, wenn sie bereit war, Ludwig, der in Sichtweite davon im Fürstenhof residierte, zu empfangen.

Heute sind Säle, Suiten und zwei der fünf Heilquellen nach den beiden benannt. Die ­König ­Ludwig ­I.-Quelle wurde erstmalig 1747 gefasst. Sie ist reich an Kalium und wird für Herz- und Kreislaufleiden empfohlen. Wer Haut und Haar Gutes tun will, sollte aus der Lola-Montez-Quelle trinken. Sie enthält besonders viele Mineralien und Spurenelemente. Die Wernarzer Quelle soll Nieren- und Blasenleiden lindern. Die Bad Brückenauer Vital-Quelle sorgt mit ihrem hohen Kohlensäuregehalt vor allem für eine prickelnde Erfrischung. Besonders beliebt ist die Sinnberger Quelle, deren Wasser besonders weich und wohlschmeckend ist und deshalb auch als „Bad Brückenauer Champagner“ bezeichnet wird. Die fünf Brunnen in der Heilquellen-Lounge der Wandelhalle laden zum Verkosten ein.

Für eine echte Trinkkur, die 1898 auch Kaiserin Elisabeth von Österreich genoss, wird allerdings ärztliche Begleitung und mehrere Wochen Aufenthalt in einer der umliegenden Unterkünfte empfohlen. Das Angebot reicht vom Luxushotel bis zur privaten Unterkunft, von Gesundheitsressort bis zur Reha-Klinik, wo auch medizinische Bäder angeboten werden. Zahlreiche Restaurants und ­Cafés sorgen für den kulinarischen Genuss.

Gäste und Besucher des Staatsbads, das heute ein Stadtteil von Bad Brückenau ist, können nicht nur spazieren und Heilwasser trinken, sondern auch kneippen, Wellnessanwendungen genießen, das umliegende Unesco-Biosphärenreservat Rhön zu Fuß, mit dem Fahrrad oder hoch zu Ross erkunden, eine kurzweilige Kutschfahrt ins Sinntal unternehmen, den nahen Kreuzberg erklimmen oder zur Biberplattform wandern – tierische Begegnungen mit Biber, Fischotter, Waschbär, Eisvogel oder Schwarzstorch nicht ausgeschlossen.

Lohnenswert ist auch ein Besuch des nur wenige Gehminuten entfernten Deutschen Fahrradmuseums. Die über 100 Jahre alte Jugendstilvilla beherbergt die umfassendste deutsche Fahrradsammlung und eine der größten in Europa. Auf zwei Etagen wird die Entwicklungsgeschichte des Fahrrads von der Laufmaschine bis zum modernen E-Bike präsentiert. Neben einem historischen Fahrradladen sind auch allerlei Kuriositäten wie zum Beispiel ein Reitrad, ein Triplet für drei Radfahrer und Schneeketten für Militärfahrräder zu sehen.

Auf dem Wochenprogramm des Staatsbades stehen außerdem Konzerte und Vorträge. In der Vorweihnachtszeit vor allem Besinnliches, etwa die Reihe „Musik zum Träumen“. Das hätte bestimmt auch König Ludwig I. gefallen, denn er soll eine „sanfte Seele“ gewesen sein. So charakterisiert ihn Dr. Gerhard Hofweber. Der Philosoph hat sich im Kurpark niedergelassen. Er betreibt ein Café und ein Gästehaus, hält Vorträge und ist offen für tiefsinnige Gespräche. Lola Montez attestiert er eine „narzisstische Persönlichkeit“.

Die pikante Affäre zwischen dem alten König und der schönen Tänzerin dauerte knapp zwei Jahre und kostete Ludwig I. letztlich den Thron. Er machte ihre Beziehung öffentlich, nahm Lola mit nach München und ernannte sie zur Gräfin Landsfeld. Im Volk wuchs die Empörung über die verschwendungssüchtige Lola, die zunehmend Einfluss auf die Amtsgeschäfte des Königs nahm. Im Frühling 1848 erreichten die Proteste von Bürgern und Studenten ihren Höhepunkt. In der aufgeheizten Stimmung des Revolutionsjahres musste Ludwig I. letztlich nicht nur den Forderungen nach einer Liberalisierung des Staatswesens nachgeben, sondern auch seine Mätresse ausweisen. Im März 1848 dankte er ab.

 Eine überlebensgroße Bronzefigur vor dem monumentalen Kursaalgebäude, dem Wahrzeichen des Ortes, erinnert an den berühmten Gast des Heilbades. Das Denkmal zeigt den Monarchen sitzend, im Krönungsornat und mit einem Bauplan in der rechten Hand. Der Künstler konnte sich einen kleinen Seitenhieb auf die Montez-Affäre offenbar nicht verkneifen: Ludwigs sehnsuchtsvoller Blick folgt seiner linken Hand, die in Richtung der Villa weist, in der seine Angebetete einst residiert haben soll.