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Hannover/Köln
Der betrügerische Versandhandel mit Medizin

Zugelassene Versand-Apotheken beschäftigen qualifizierte Mitarbeiter, die die richtigen Medikamente zusammmenstellen. Betrüger verfügen weder über das richtige Personal noch über vertrauenswürdige Arzneien. 
Zugelassene Versand-Apotheken beschäftigen qualifizierte Mitarbeiter, die die richtigen Medikamente zusammmenstellen. Betrüger verfügen weder über das richtige Personal noch über vertrauenswürdige Arzneien.  FOTO: dpa-Zentralbild / Z1021 Peter Endig
Hannover/Köln. Immer mehr Deutsche bestellen Medikamente im Internet. Kunden sollten fragwürdige Anbieter unbedingt meiden.

Medikamentenlieferungen nach Hause sind für die einen nicht mehr als eine komfortable Dienstleistung, die Zeit, Mühe und oft sogar Geld spart. Für die anderen – etwa ältere, kranke oder behinderte Menschen – sind Versand-Apotheken die einzige Möglichkeit, ohne fremde Hilfe an wichtige Pharmazeutika zu  gelangen.  Diese Vorteile erkennen immer mehr Menschen in Deutschland. 42 Prozent der Bevölkerung bestellen laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom regelmäßig bei Apotheken im Netz. Der Erfolg des Versandgeschäfts mit Medikamenten ruft jedoch zunehmend Betrüger auf den Plan, wie das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) warnt.  Diese lockten in Spam-E-Mails oft mit äußerst billigen Preisen.

Zu den Gefahren des Einkaufs bei solchen falschen Online-Apotheken gehört laut LKA das Risiko, Geld zu verlieren oder persönliche Daten preiszugeben.  Die Betreiber nutzen ihre Internetseiten demnach oft dazu, Privat- und Zahlungsdaten der Nutzer zu erschwindeln oder deren Rechner mit Viren zu infizieren. Schwerwiegender sei  jedoch die Bedrohung, die gefälschte oder nicht zugelassene Arzneimittel für die Gesundheit der Kunden bedeute. Selbst bei unbedenklicher Ware sei insbesondere die Einnahme rezeptpflichtiger Medikamente ohne ärztliche Betreuung gefährlich, zumal die falschen Apotheken-Seiten oft mit irreführenden Informationen und Ratschlägen gespickt seien. Einige Betreiber setzten gar auf sogenannte „Cyber-Docs“ – angebliche Ärzte, die über das Internet Medikamente verordneten, ohne die notwendige persönliche Untersuchung vorzunehmen.

Das LKA rät dringend, von entsprechenden Angeboten Abstand zu nehmen. Das sei jedoch leichter gesagt als getan. Wie seriös ein Anbieter sei, zeige sich oft nicht auf den ersten Blick. Die Polizei empfiehlt daher, grundsätzlich immer Rücksprache mit einem behandelndem Arzt zu halten, und nur bei zugelassenen Versand-Apotheken zu ordern.



Diese ließen sich unter anderem anhand eines Sicherheitslogos erkennen, dass die Europäische Union im Jahr 2015 eingeführt habe, erkärt das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Demnach reicht es, auf der Internetseite einer Apotheke das grün-weiß gehaltene und mit „Für die Überprüfung der Legalität dieser Website hier klicken“ beschriftete Logo anzuklicken. Der Nutzer werde so zu einem Registereintrag geleitet, dessen Web-Adresse in der Browser-Zeile nicht nur mit einem Schlosssymbol versehen sein, sondern auch unbedingt mit „https://versandhandel.dimdi.de/“ beginnen müsse. Das sei wichtig, da es schon vorgekommen sei, dass besonders dreiste Betrüger sowohl das Logo als auch das Register gefälscht hätten. Stimmten jedoch die Internetadresse  des Registereintrages und dessen Daten mit der fraglichen Versandapotheke überein, dann könnten Kunden dort ruhigen Gewissens einkaufen, so das DIMDI. Unabhägig von dem EU-Logo führt das Institut zudem auf seiner Webseite 
www.dimdi.de eine Liste zugelassener Versand-Apotheken in Deutschland, die Kunden vor einer Bestellung konsultieren können.

Darüber hinaus kann schon ein Blick auf das Impressum reichen, um Betrügern auf die Spur zu kommen – entweder weil keines vorhanden ist oder weil es fehlerhaft oder unvollständig ist. Zu den Angaben, die eine Apotheke auf Ihre Webseite stellen muss, gehören neben Name und Anschrift eine E-Mail-Adresse, die zuständige Aufsichtsbehörde, die gesetzliche Berufsbezeichnung des Betreibers sowie die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, erklärt die Apothekenkammer Schleswig-Holstein.  Als weitere Hinweise auf einen fragwürdigen Anbieter nennt das DIMDI zu niedrige Preise und zu viele Rechtschreibfehler sowie die Lieferung ohne Originalschachtel oder aus dem Ausland. Mit Island, den Niederlanden, Schweden, Tschechien und Großbritannien gebe es nur wenige Staaten, deren Online-Apotheken auch in Deutschland Versandhandel treiben dürften.

Wem es trotz dieser Hinweise und Tipps nicht geheuer ist, Medikamente über das Netz zu besorgen, für den hält die Polizei einen letzten simplen Ratschlag parat: den Besuch der örtlichen Apotheke. Möglicherweise biete diese sogar einen eigenen Versanddienst an.

Kommen Pharmazeutika nicht in der Originalschachtel, ist das ein Hinweis auf einen fragwürdigen Händler. 
Kommen Pharmazeutika nicht in der Originalschachtel, ist das ein Hinweis auf einen fragwürdigen Händler.  FOTO: dpa / Friso Gentsch