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Moskau
„Demütigung“ für Brych

Der deutsche WM-Schiedsrichter Felix Brych musste früh die Heimreise aus Russland antreten.
Der deutsche WM-Schiedsrichter Felix Brych musste früh die Heimreise aus Russland antreten. FOTO: dpa / Oliver Weiken
Moskau. Die Heimreise des Schiedsrichters passt zur desaströsen WM für den deutschen Fußball.

Tief enttäuscht verabschiedete sich Felix Brych eine Nacht nach seiner WM-Ausbootung aus Moskau. Als deutsche Fußball-Schiedsrichter zum bislang letzten Mal mit nur einem Einsatz von der WM nach Hause geschickt wurden, hatte einer von ihnen zumindest noch für einen weltweiten Schmunzler gesorgt. Die Rückwärts-Rolle von Walter Eschweiler 1982 findet sich in jedem guten Rückblick. Zum Lachen ist dem Deutschen Fußball-Bund nun allerdings keinesfalls zu Mute. Nicht nur die Titelverteidiger von Joachim Löw sind krachend gescheitert, auch das Schiedsrichterwesen erlebt eine WM zum Vergessen. „Dies kommt einer Demütigung gleich“, bewertete der deutsche WM-Rekord-Referee Markus Merk bei Sky die Abreise für Brych.

Die WM ist für den DFB gleich doppelt bitter: Im Gegensatz zur Bundesliga funktioniert der Videobeweis auf der Weltbühne ohne Aussetzer. Und Brych hatte sich als amtierender Weltschiedsrichter Hoffnungen auf das große Finale gemacht – anstatt schon vor den Viertelfinals das Rückflug-Ticket zu erhalten.

Zuletzt hatten Adolf Prokop und Eschweiler vor 36 Jahren jeweils nur einen WM-Auftritt gehabt. „Felix Brych sollte sich an die vielen großen Spiele erinnern, die er vor allem in Europa schon geleitet hat, und da werden auch noch weitere kommen“, sagte der 82 Jahre alte Rheinländer der dpa. Der bislang einzige deutsche Final-Schiedsrichter bleibt Rudi Glöckner 1970.



Zumindest Felix Zwayer und Bastian Dankert sind als deutscher Faktor weiter bei der WM in Russland dabei. Die beiden Referees schafften den Sprung unter die zehn verbliebenen Video-Assistenten.

Doch in der entscheidenden Szene waren sie Brych offenbar keine Hilfe. Als der Münchner bei seinem einzigen Einsatz Serbien einen möglichen Elfmeter gegen die Schweiz verweigerte, wurde keine Überprüfung am Spielfeldrand eingeleitet. „Offensichtlich wurde Felix‘ schwierige und strittige Elfmeter-Entscheidung (...) von der FIFA als so schwerwiegend bewertet, dass es keine weiteren Ansetzungen mehr für ihn gab“, vermutet auch DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann. Der DFB will das Spiel nun „in aller Ruhe“ analysieren.

Die FIFA-Schiedsrichterkommission schweigt auch auf Anfrage zu den Gründen. Ob der serbische Verband nach den wütenden Protesten gegen Brych samt einer Entgleisung von Coach Mladen Krstajic seinen Einfluss beim ihm nahestehenden WM-Gastgeber Russland geltend machte, wird öffentlich von keiner Seite kommentiert. Krstajic wollte Brych nach Den Haag schicken, das dort ansässige UN-Kriegsverbrechertribunal verurteilte zahlreiche Serben wegen Verbrechen während der Jugoslawien-Kriege.

Dass Schiedsrichter-Ansetzungen auch immer den Anklang politischer Einflussnahme haben, konnte in der Vergangenheit nie zur Gänze ausgeräumt werden.