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Menuhin-Festival in Gstaad
Weltstars in den Bergen – was das Festival in Gstaad bietet

 Geburtsort des Menuhin-Festivals und immer noch sein schönster Konzertort, die Kirche in Saanen.
Geburtsort des Menuhin-Festivals und immer noch sein schönster Konzertort, die Kirche in Saanen. FOTO: Menuhin Festival
Basel/Gstaad. Von Oliver Schwambach

Wie trommelt man am besten für ein Festival? Klar, indem man vorab schon mal zeigt, was die Gäste erwartet. Und das überall dort, wo man auf reisewilliges wie zahlungsstarkes Publikum hoffen darf. Dieser Tage tourte das Orchester des Gstaader Menuhin-Festivals denn werbewirksam nach Stuttgart und Basel; auch in der Hamburger Elbphilharmonie waren die Musiker früher schon zu Gast. Fürwahr ein Ort, an dem man sich mit den Allerbesten messen muss. Doch der Pressejubel kannte damals keine Grenzen. „So klingt wirkliche Weltklasse“, befand das „Hamburger Abendblatt“.

Dazu kann man im Grunde auch nur Beifall klatschen. Jetzt in Basel huldigte man dem Jubilar des Jahres, Beethoven, mit dessen fünftem Klavierkonzert. Und zwar so, dass man in der Martinskirche bloß noch jauchzen und frohlocken wollte – und vor allem Seong-Jin Cho applaudieren. Vor fünf Jahren hat der erst 25-Jährige Südkoreaner den Chopin-Wettbewerb gewonnen. Klavier-Enthusiasten vibrieren da vor Verzückung die Trommelfelle; auch beim Gedanken an die Sieger von einst wie Pollini und Argerich. Chongs Technik nun ist nicht minder brillant, aber der Südkoreaner hat auch einen bemerkenswert unverkrampften Zugriff, wirft den ersten Satz mit Löwenpranken hin ohne zu heroisieren, und kontrastiert grandios im zweiten mit feinem, transparenten Spiel. Köstlich klingt das, auch weil Dirigent Manfred Honeck das Orchester ebenbürtig zu diesem Ausnahmepianisten führt. Ergo: Ziel erreicht, dieses Orchester, diesen Cho will man unbedingt wieder hören. Im Sommer, beim Festival in Gstaad, wird Seong-Jin Cho dann Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 spielen (15. August).

Ein Top-Orchester und ein Solist von internationalem Rang, das steht quasi exemplarisch für das Menuhin-Festival im Berner Oberland, wo man die Kombinate Wohlklang, Weltstars und Wellness in wunderschöner Bergwelt perfektioniert hat. Wo im Winter der alte Jetset und noch reichere Neureiche zu Tal sausen, locken im Sommer uralte Kirchen mit idealer Akustik und die Crème de la Crème der E-Musik. Schon Yehudi Menuhin spannte in den 1950ern im Schatten der Berggipfel gern aus, griff aber doch auch mal zur Geige, um mit Freunden in der Saaner Kirche zu musizieren; die Geburtsstunde eines großen Klassik-Festivals (und nur gute vier Autostunden von Saarbrücken entfernt).



Für diesen Sommer, vom 17. Juli bis 6. September, hat man das Festival „Wien“ betitelt, erläutert Christoph Müller, der künstlerische Chef des Ganzen. Damit verneige man sich natürlich vor Beethoven, neben Mozart und Haydn, der Hauptvertreter der Wiener Klassik. Seine „Missa solemnis“ steht denn gleich zum Festivalauftakt an mit dem Freiburger Barockorchester unter René Jacobs. Sol Gabetta, Stammgästin in Gstaad, wird Beethovens Cellosonaten spielen ( 24. und 26. Juli), Daniel Hope dessen Streichquartett Nr. 14 und Tenor Jonas Kaufmann reist am 14. August für einen konzertanten „Fidelio“ an – mit Anja Kampe als Leonore; Jaap van Zweden wird dann das Festivalorchester dirigieren. Zuvor spielt Sir András Schiff noch des Meisters letzte drei Klaviersonaten (5. August). Und noch ein Titan des Pianofortes spielt in der Saaner Kirche: Grigory Sokolov, Was er zu den Tasten bringt, weiß allerdings auch Programmacher Müller (noch) nicht; der Russe lässt das gern mal offen. Es dürfte aber ein so großartiger wie langer Konzertabend werden, Sokolovs Ausdauer fordert das Publikum regelmäßig.

Christoph Müller belässt es aber nicht bei Beethoven, er hat auch viele der anderen im Blick, die Wien zur Welthauptstadt der Musik machten: Mozart, Haydn, aber auch Schönberg und Georg Kreisler. Auch einen Operettenabend wird’s geben zum Finale der insgesamt 76 Konzerte. Dazu holt Müller auch noch Klarinettist Andreas Ottensamer, die Wiener Sängerknaben, Ausnahmegeiger Renaud Capuçon, Klaus-Maria Brandauer als grantelnden Rezitator und jede Menge „Jeunes Étoiles“, Stars von morgen, nach Gstaad.

Muss man bei so viel Glanz noch nach dem Geld fragen? Ja, durchaus. 7,6 Millionen Franken beträgt das Budget (was etwa 7,15 Millionen Euro sind). Nur 15 Prozent sind öffentliches Geld; der Rest stammt aus dem Verkauf der Karten, für die man zwischen 40 bis maximal 220 Franken berappen muss. Rund drei Millionen Franken aber sammelt allein das „Sponsoring Department“ ein. Davon können andere Festivalmacher nur träumen, von einem derart funkelnden Programm allerdings auch.

www.gstaadmenuhinfestival.ch/de

  Seong-Jin Cho zählt zu den Stars des Festivals.
Seong-Jin Cho zählt zu den Stars des Festivals. FOTO: Harald Hoffmann/Menuhin Festival / Harald Hoffmann