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Kommentar
Das Gericht braucht eindeutige Beweise

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Glaubt man Martin Winterkorn, dem VW-Aufsichtsrat und dem Konzern, hat eine Gruppe verantwortungsvoller Techniker über viele Jahre hinweg ohne Wissen des Managements eine betrügerische Technik verbaut. Von Joachim Wollschläger

Die Führungselite ist demzufolge vollkommen ahnungslos in einen Skandal von weltweiter Bedeutung geschliddert.

Im Sommer allerdings wurden FBI-Ermittlungen und auch Aussagen von Mitarbeitern bekannt, die ein anderes Bild zeichneten. Das Bild eines Machtapparats, der von einem Management gesteuert wurde, das bereit war, wissentlich verbotene Mittel einzusetzen, um die hohen Abgasziele zu erreichen.

Vieles spricht für letztere Sichtweise. Schließlich hatte Winterkorn als VW-Chef den Ruf, sich stets bis ins Detail über alle Entwicklungen zu informieren. Die Unwissenheit bis zum Schluss kauft man ihm nicht ab. Wenig glaubhaft ist auch, dass am sogenannten Schadenstisch 2015 keiner der Manager etwas von einer verbotenen Abschalteinrichtung gewusst haben soll. Obwohl es in den USA bereits Probleme wegen ungewöhnlich hoher Stickoxidwerte gab. Das Gericht allerdings braucht keine Spekulationen, sondern Fakten. Auch dafür, dass das Management nicht nur von einer Schummelei ausging, sondern den Kursschaden vorhersehen konnte. Das zu beweisen, wird schwierig.